Straubing
Marktschreier: Laut, aber nicht nachhaltig genug?

sep
Kein Gastspiel mehr am Hagen: Wurst-Achim (im Bild) und seine "Gilde der Marktschreier" treten in diesem Jahr am Erletacker auf.
In knapp einer Woche kommt zum insgesamt 17. Mal die Gilde der Marktschreier nach Straubing. Doch etwas ist anders dieses Jahr. Statt auf dem Großparkplatz am Hagen zeigen Wurst-Achim, Nudel-Dieter, Naschkram Ben und Co. ihre Waren am Fachmarktzentrum auf dem Erletacker, bei Möbel Wanninger. Der Ordnungsausschuss hat die Veranstaltung per Beschluss ausquartiert - sie passt laut Ansicht der Ausschussmitglieder nicht zum Image der Stadt Straubing.
Eigentlich klang das mal ganz anders. Noch bei der Eröffnung 2016 hatte Bürgermeister Hans Lohmeier die Marktschreiertage als "Bereicherung für die Region" bezeichnet und gesagt, er sei überrascht, dass "diese völlig andere Verkaufskultur in Straubing so gut angenommen wird."
Die lauten Wurst- und Käseverkäufer scheinen mittlerweile unerwünscht zu sein. "Wir hatten eigentlich den Eindruck, dass der Oberbürgermeister und der Ordnungsausschuss die Marktschreiertage wieder am Hagen durchführen wollten", sagt Mel Kühn von der Event-Agentur JOBO, die bei den Marktschreiertagen als Veranstalter auftritt, im Gespräch mit idowa, "die Entscheidung ist aber dann doch anders gefallen."
Gemeint ist die Entscheidung des Ordnungsausschusses. Wie Pressesprecher Johannes Burgmayer auf idowa-Anfrage bestätigte, hatte sich dieser gegen Marktschreier-Tage auf dem Hagen ausgesprochen. "Aus dem Protokoll geht hervor, dass mehrere Stadträte sowie beratende Mitglieder des Gremiums zum Ausdruck gebracht haben, dass die Marktschreiertage nicht für einen achtsamen Umgang mit Lebensmitteln stehen und zudem keinen Gewinn für die Stadt Straubing bedeuten. Die Lebensmittel stammen nicht aus der Region und es bleibt keine Wertschöpfung in der Stadt. Die Bereitstellung einer öffentlichen Fläche, wie von der Verwaltung vorgeschlagen, wurde daher mehrheitlich abgelehnt", schreibt uns Burgmayer.
Also alles zu wenig nachhaltig, um Straubing als "Region der Nachwachsenden Rohstoffe" zu Gesicht zu stehen. So sieht es die Mehrheit im Ausschuss. Die Marktschreier mussten sich einen neuen Spielort suchen - und wurden fündig bei Möbel Wanninger. Klingt also nach einer Lösung, mit der alle zufrieden sein können. Wahr ist natürlich auch, dass die Marktschreier am neuen Standort wohl keine Besucher in die Straubinger Innenstadt locken dürften.
Treue Fans haben die "Marktschreier" laut eigenen Angaben in Straubing und Niederbayern dennoch - wenn auch nicht im Ordnungsausschuss. "Wir haben viele Leute, die seit Jahren immer wieder kommen, um die Show zu sehen", sagt Mel Kühn idowa gegenüber. Diese Fans haben ab Donnerstag, den 24. Mai 2018, wieder Gelegenheit dazu - dann findet die offizelle Eröffnung statt. Traditionell wird es dann wieder das Marktschreier-Frühstück geben. Eines von der deftigen Sorte, mit Wurst, Käse, Matjes und Freibier für die Gäste.








