Servus Straubing!

El León de Baviera - die bayerische Rockkneipe in Cartagena

Der 48-jährige Stefan Pellkofer mit seiner Frau Victoria und Tochter Natalie bei ihrem Besuch des Gäubodenvolksfestes vor wenigen Wochen. (Fotos: privat)

Der 48-jährige Stefan Pellkofer mit seiner Frau Victoria und Tochter Natalie bei ihrem Besuch des Gäubodenvolksfestes vor wenigen Wochen. (Fotos: privat)

Wer von Bayern aus weit über 9 000 Kilometer mit dem Flugzeug nach Kolumbien fliegt und durch die Stadt Cartagena schlendert, der staunt. Nicht nur wegen der Palmen, dem weißen Strand und der atemberaubenden Architektur einer der schönsten Kolonialstädte Südamerikas. Vor allem in der Calle de Arsenal wird der bayerische Besucher stehen bleiben und gleich zweimal hinsehen müssen: dort betreibt der Straubinger Stefan Pellkofer die bayerische Rockkneipe "León de Baviera". Seine Vorbilder: "Roxy" und "Cairo". Bei einem Besuch in Straubing kurz vor dem Gäubodenvolksfest erzählte er uns, warum er vor über 14 Jahren nach Südamerika auswanderte und wie die Kolumbianer feiern.

"Warum so weit?" das war die erste Reaktion seiner Eltern im Jahr 2001, als er ihnen erzählte, dass er nach Kolumbien auswandern wird. Warum also so weit? "Ich wollt' eigentlich immer schon weg", erzählt Stefan Pellkofer. Er reiste durch Europa, die USA, durch Asien, nach Australien und Neuseeland. Am liebsten in Länder, in die es nur wenige Touristen verschlägt. So auch 1999: Pellkofer reiste nach Lateinamerika, zuerst nach Venezuela. Das nächste Land, in das es fuhr, war Kolumbien. "Und da bin ich dann hängengeblieben", sagt er und lacht. Denn dort lernte er seine Frau Victoria kennen.

In Cartagena an der Karibikküste leben knapp eine Million Menschen, die mit einer Mauer umgebene Altstadt ist UNESCO-Weltkulturerbe. Und noch etwas faszinierte Pellkofer vom ersten Moment an: "Die Freundlichkeit der Menschen." Kolumbianer seien zuvorkommend und hilfsbereit, und würden alles dafür tun, das schlechte Image des Landes - lange Zeit geprägt von Drogenkriegen und Entführungen - loszuwerden.

Er und Victoria blieben in Kontakt, ein Jahr später machte er einen Testurlaub, um zu sehen ob's passt. Und es hat gepasst: seit 14 Jahren lebt er nun bei Victoria in Cartagena ("sie ist eine Latina und braucht ihre Familie"), ihre gemeinsame Tochter Natalie ist zwölf Jahre alt.

Anfangs habe er nicht gewusst, wie es für ihn, der eigentlich im Justizvollzug arbeitete, in Südamerika beruflich weitergehen soll. Da sagte ihm ein Deutscher in Cartagena, dass er einen Raum zu vermieten hätte, mitten im Zentrum der Stadt. Da hatte er die Idee: eine bayerische Rockkneipe in Lateinamerika, "vom Stil her in Richtung ,Cairo' und ,Roxy'". Im "León de Baviera" gibt es bayerisches Essen, Rockmusik von "Led Zeppelin" bis "U2" und Paulaner-Bier. Seit 2008 importiert Pellkofer Paulaner-Bier nach ganz Kolumbien. In seiner Kneipe stehen alte Holztische, hängen Schützenscheiben und Bayern-Flaggen. Wie kam das bei den Kolumbianern an? "Es hat ein bisschen gedauert. Niemand kannte deutsches Essen, das deutsche Bier war ihnen zu teuer und Rockmusik gefiel ihnen auch nicht." Inzwischen hat sich "León de Baviera" etabliert, regelmäßig treten Live-Bands auf und immer donnerstags spielt die eigene Hausband.

"Der Rest ist extrem arm", sagt Pellkofer

Die jungen Kolumbianer kommen zu Pellkofer zum Vorglühen ab 21 Uhr abends oder einfach zum Essen. Auf der Speisekarte stehen Bratwürste, Bratkartoffeln, Sauerkraut, Schnitzel oder Fleischpflanzerl. Die großen Diskotheken in der Stadt haben bis vier Uhr morgens geöffnet, das Lieblingsgetränk der Kolumbianer ist Rum. "Das ist für die Menschen eine finanzielle Sache", erklärt er. Schnaps sei wesentlich günstiger, denn ein Weißbier koste umgerechnet vier Euro - bei einem Monatsgehalt von rund 200 Euro.

Nicht alle Menschen in Cartagena können in Diskotheken feiern: In den Lagunen leben die ärmeren Menschen in Wellblechhütten. Die Schere zwischen Arm und Reich sei groß. Pellkofer schätzt, dass von der knapp einen Million Einwohner rund 150.000 Menschen die Mittelschicht ausmachen, denen es gut geht oder die teilweise sehr reich sind. Diese wohnen im Stadtzentrum in der Nähe der Hochhäuser und der Hotels. "Der Rest ist extrem arm", sagt der 48-Jährige. Es gebe gewisse Ecken, in die würde er auf gar keinen Fall gehen. In den vergangenen 14 Jahren hat er jedoch keinen einzigen Zwischenfall erlebt. "Es kommt eben immer darauf an, in welchem Viertel man wohnt."

Neben diesen unterschiedlichen Lebensverhältnissen, gibt es noch zwei Dinge, die Pellkofer aufgefallen sind: die drakonischen Strafen im Straßenverkehr und die Unpünktlichkeit der Kolumbianer. Wer in Kolumbien falsch parkt, wird sofort abgeschleppt und muss eine hohe Strafe bezahlen. Wer betrunken mit dem Auto fährt und erwischt wird, auf den kommt eine Strafe in Höhe von umgerechnet mindestens 8.000 Euro zu.

Das Problem mit der Pünktlichkeit


"Mit der Unpünktlichkeit der Kolumbianer komm' ich bis heute nicht klar", sagt Pellkofer und lacht. Das sei einfach der Lebensstil in Südamerika. Wartet man auf einen Handwerker und ruft nach einer circa zweistündigen Verspätung nach und fragt: "Wo bist du?", sei die Antwort des Handwerkers immer dieselbe: "Bin gleich da". Nochmals zwei Stunden später hat man vielleicht Glück, und der Handwerker schafft es doch noch. Woran liegt das? In der südamerikanischen Kultur gebe es kein "Nein", man sagt einfach immer "Ja Ja" - auch wenn man es nicht so meint. In seinem Restaurant treffen sich oft Deutsche mit ihren kolumbianischen Arbeitskollegen. Die Deutschen sitzen - wie ausgemacht - um 19 Uhr am Tisch, die ersten Kolumbianer trudeln gegen 20 Uhr ein und entschuldigen sich auch nicht, denn für sie ist das normal.

Der Bundespräsident trank ein Weißbier bei ihm

2007 machte ein anderer Deutscher, nämlich der damalige Bundespräsident Horst Köhler, eine Südamerika-Reise. Kolumbien sei das letzte Land der Reise gewesen, den letzten Abend verbrachte er in Cartagena. Es gab einen öffentlichen Empfang im Rathaus mit geladenen Gästen. Auch Pellkofer mit seiner Familie und seinen Eltern, die zufällig zu dieser Zeit zu Besuch waren, wollten unbedingt dorthin. Ein Politiker aus Bayern, der unter den geladenen Gästen war, wurde auf die Pellkofers aufmerksam und fragte, warum sie hier sind. Pellkofers Vater erzählte ihm vom "León de Baviera".

Als der öffentliche Teil samt Stadtführung durch das Zentrum beendet war, habe der Bundespräsident zu Pellkofer gesagt: "Jetzt können wir noch ein Bier bei Ihnen trinken." Der gesamte Sicherheitstross und die Politiker fuhren daraufhin zur Calle de Arsenal und Köhler genoss gegen Mitternacht ein Weißbier bei den Pellkofers.

Meistens zur Volksfestzeit kommt Pellkofer mit seiner Familie zurück nach Straubing. Die Hitze beim diesjährigen Fest machte ihm, der an kolumbianische Temperaturen mit durchschnittlich 30 Grad und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit gewohnt ist, gar nichts aus. Vor vier Jahren reiste die Familie jedoch an Weihnachten nach Niederbayern: "Meine Tochter wollte endlich einmal Schnee sehen."

2007 reiste der damalige Bundespräsident Horst Köhler mit seiner Ehefrau durch Kolumbien und trank in Stefan Pellkofers 'León de Baviera' ein Weißbier.

2007 reiste der damalige Bundespräsident Horst Köhler mit seiner Ehefrau durch Kolumbien und trank in Stefan Pellkofers "León de Baviera" ein Weißbier.

Themen des Artikels folgen

Alle Artikel zu gefolgten Themen und Autoren finden Sie bei mein idowa

Keine Kommentare


Neueste zuerst Älteste zuerst Beliebteste zuerst
alle Leser-Kommentare anzeigen
Leser-Kommentare ausblenden

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert.