Dramatisches Erlebnis
80. Jahrestag der Bombardierung in Oberharthausen

Elisabeth Ammer
Robert Schrock (links) im Gespräch mit den Zeitzeugen Xaver Märkl und Ludwig Stadler (von links).
Bei den älteren Dorfbewohnern, die den Krieg und auch die Bombardierung des Dorfes zwischen Straubing und Geiselhöring miterlebt haben, kamen zum 80. Jahrestag am Mittwoch viele Erinnerungen hoch. Die Dorfgemeinschaft Oberharthausen beging diesen Jahrestag würdig, Robert Schrock und Heinrich Sax bereiteten die Informationen in einem interessanten Vortrag auf.
Der Abwurf von 64 amerikanischen Bomben am 5. Februar 1945 forderte drei Todesopfer und verursachte enorme Sachschäden. Ludwig Stadler überlebte nur, weil ihn ein Baum die Druckwelle abschirmte. Der Schulranzen wurde von Granatsplittern getroffen, Stadler brachte zum Gedenktag das Gotteslob aus seinem Schulranzen mit, in dem ein Splitter feststeckte und ihm das Leben rettete. Die Bombardierung beruht nicht, wie vielfach angenommen, auf einer Namensverwechslung mit Mitterharthausen, wie Robert Schrock und Heinrich Sax in Erfahrung brachten.
"Welt nicht in die Hände von Brandstiftern legen"
Ortssprecher Johannes Bayer freute sich über ein volles Gemeinschaftshaus und richtete einen intensiven Dank an Robert Schrock und Heinrich Sax für die Vorbereitung des Gedenkabends. Es sei sehr wichtig, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, so Bayer, "so etwas darf nie wieder vorkommen."
Der 5. Februar 1945 zeige, dass man die Welt nicht in die Hände von Brandstiftern legen dürfe, stellte Robert Schrock eingangs fest. Er skizzierte den 5. Februar, die einen hätten sich um die Hasen gekümmert, Kinder waren beim Schlittenfahren oder gingen von der Schule nach Hause.
Ludwig Stadler und Ludwig Aigner waren auf den Heimweg von der Schule und gingen gerade am Gürsteranwesen vorbei, als die Bomben fielen. Um 12.40 Uhr blieb in Oberharthausen die Zeit stehen, wie Robert Schrock ausführte. Michael Gürster, seine 22-jährige Tochter Ottilie und der zwölfjährige Ludwig Aigner starben durch die Druckwelle, Ludwig Stadler kam mit dem Leben davon. Eine Esche schützte Ludwig Stadler, während bei den anderen drei Opfern die Lunge verletzt und zum Tode führte. Granatsplitter trafen seinen Schulranzen, in seinem Gotteslob steckte ein Splitter, der ihn sonst getroffen und wahrscheinlich getötet hätte. Die Anwesen Gürster und Schießl wurden von den Bomben schwer getroffen. Ludwig Stadler verlor seinen Freund und erwies ihm als Ministrant bei dessen Beerdigung einen letzten Dienst, wie Schrock berichtete. Heinrich Sax erstellte eine umfassende und informative Broschüre, auf die sich sein Vortrag in weiten Teilen stützte, so Schrock.
In der Zeit um den 5. Februar 1944 gab es verstärkt Bombenabwürfe auf eher unbedeutende Regionen. Der Fehlwurf über Oberharthausen stehe vermutlich in Zusammenhang mit den Abwürfen über Straubing. Das Wetter an jenem schicksalsträchtigen Tag war von einer dicken Wolkendecke geprägt, so dass die Vermutung naheliege, dass das Leaderflugzeug der Formation eine Stadt an der Donau für Straubing hielt und den Bombenabwurf zu früh befehligte. Die Flieger schalten nach der Formation auf Autopilot, der Pilot des Leanderflugzeugs gibt die Befehle, wie Schrock erzählte. Die Flughöhe betrug rund 7,5 Kilometer und nach dem Öffnen der Bombenschächte fliegen die Bomben noch einige Kilometer. Deshalb sei es eher unwahrscheinlich, dass Oberharthausen spontan bombardiert wurde, zeigte Schrock auf. Der Ablauf sei automatisiert und es sei sehr wahrscheinlich, wie Schrock anhand von Flugprotokollen belegte, dass statt des Winter Öllagers in Regensburg Oberharthausen die Bomben trafen. Nur wenige Bruchteile von Sekunden entschieden über Leben und Tod, wie es Schrock auf den Punkt brachte.
Es waren auch noch einige Zeitzeugen anwesend, die durchaus interessante Schlaglichter auf den Bombenangriff, aber auch auf die Zeit nach Kriegsende warfen. Für Ludwig Stadler sind die Geschehnisse an diesen für Oberharthausen schicksalhaften Tag nach wie vor präsent. Vor allem die Geschichte um das Lob Gottes, dass den damals Zwölfjährigen das Leben rettete, ist nach wie vor in Erinnerung. Xaver Märkl berichtete von einem im Juni 1945 abgestürzten Flugzeug, ein Dorfbewohner zapfte mit einem Odelfass Benzin aus einem unbeschädigten Tank. Das Benzin war aber bleihaltig, dass das betankte Fahrzeug Schaden erlitt. Er selbst habe eine Steuerkette vom Flugzeug mit nach Hause genommen und wollte sie als Fahrradkette verwenden. Die Teilung passte nicht, Xaver Märkl hob die Steuerkette bis zum heutigen Tag auf und brachte sie zum Abend mit.
Es war eine bewegte Zeit, wie Robert Schrock sagte, 157 Flüchtlinge nahm das kleine Dorf auf. Viele hätten in Oberharthausen eine neue Heimat gefunden, dies war aber nur möglich, weil großer Zusammenhalt herrschte. Robert Schrock nutzte die Gelegenheit, den Oberharthausener, auch im Namen seiner Geschwister, ganz herzlich zu danken, dass seine Eltern nach dem Krieg ebenfalls in die Dorfgemeinschaft aufgenommen wurden. Auch in unserer Zeit müsse wieder ein besserer Zusammenhalt die Gesellschaft prägen, man dürfe die Welt nicht den Brandstifter überlassen, brachte es Robert Schrock unter Applaus der Zuhörer auf den Punkt.












