Maiers Erbe
Drei Kandidaten wollen Bürgermeister in Bodenkirchen werden

Klaus Leidorf
Die Gemeinde Bodenkirchen von oben. Auf jeden Fall wird es nach der Kommunalwahl einen neuen Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin geben.
Wer am 8. März oder gegebenenfalls in einer Stichwahl zwei Wochen später das Rennen macht, ist völlig offen. Fest steht aber, dass es einen neuen Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin geben wird. Die bisherigen Amtsinhaberin Monika Maier (CSU), die stets auf der Liste der Freien Wählergemeinschaft Bodenkirchen kandidierte und wiedergewählt wurde, tritt nicht mehr an. Diese Entscheidung begründete Maier im April mit ihrer familiären Situation. Im März 2008 war sie zum ersten Mal zur Bürgermeisterin gewählt worden. Kommunalpolitische Erfahrung hatte sie damals keine. Das gilt auch für die möglichen drei Nachfolger, die Bürgermeisterin Monika Maier beerben wollen: Florian Ferwagner, Klaus Seisenberger und Doris Wimmer.
Über die Gemeinde Bodenkirchen
Wer künftig auf dem Chefsessel im Rathaus sitzt, führt die Geschicke einer Gemeinde, die vor 55 Jahren aus der Taufe gehoben wurde. Im Zuge der Gebietsreform hatten sich am 1. April 1971 die zuvor selbständigen Gemeinden Aich, Binabiburg, Bodenkirchen und Bonbruck zur Großgemeinde Bodenkirchen zusammengeschlossen. Die Gemeinde erstreckt sich auf einer Länge von 17 Kilometern links und rechts der Bina. Sie befindet sich ganz im Südosten des Landkreises Landshut, im Nordosten grenzt sie an den Landkreis Rottal-Inn, im Osten an den Landkreis Mühldorf.
Das Motto lautet „Gemeinde mit Weitblick“. Das größte Investitionsprojekt in der Geschichte der Gemeinde Bodenkirchen ist der Breitbandausbau gewesen, der insgesamt zehn Millionen Euro gekostet hat. 90 Prozent der Summe sind gefördert. In den vergangenen Jahren sind in der derzeit etwa 5.370 Einwohner starken Gemeinde unter anderem Wohn- und Gewerbegebiete entstanden.
Die Gemeinde ist nach wie vor schuldenfrei
Trotz steigender Ausgaben ist die Gemeinde nach wie vor schuldenfrei. Doch in den kommenden Jahren müsse die Gemeinde mit Einbrüchen in der Gewerbesteuer klarkommen, sagte die scheidende Bürgermeisterin Monika Maier im Sommer des vergangenen Jahres.
Ein Thema, das nach wie vor ansteht, ist die Nahversorgung in Aich. Im Herbst 2018 war ein Dorfladenprojekt vorgestellt worden. Inzwischen hat die Gemeinde ein Grundstück an der B 299 südlich der Grundschule gekauft, wo nun ein Lebensmittelmarkt mit Café geplant ist, das als sozialer Treffpunkt für die Gemeinde dienen soll.
Über die Zukunft der Dorfschänke ist schon im April 2022 bei einem Bürgerworkshop zur Belebung der Bonbrucker Mitte diskutiert worden. Treffpunkt war der Bürgerstadl, der selbst ein gelungenes Beispiel der Sanierungskunst ist.
Klaus Seisenberger kandidiert auf der Liste der Wählergemeinschaft Bonbruck. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Der selbständige Heizungsbauer, der drei Berufsausbildungen – unter anderem als Groß- und Außenhandelskaufmann – abgeschlossen hat, gehört keiner Partei an. Als Bürgermeister will sich der 48-Jährige um eine gesicherte wohnortnahe ärztliche Versorgung kümmern und für eine ausgewogene Förderung aller Ortsteile einsetzen. Auch setzt er auf eine bürgerfreundliche und unbürokratische Verwaltung im Rathaus, „geprägt vom Blickwinkel eines Handwerksunternehmens“.
Prioritäten setzen
Die laufenden Kosten der Gemeinde behalte er sehr genau im Auge, sagt Seisenberger, der in seiner Freizeit unter anderem Rassegeflügel züchtet und viel Zeit mit seiner Familie verbringt. Mit den vorhandenen Mitteln will Seisenberger, der auch stellvertetender Sprecher des Pfarrgemeinderats Binabiburg/Aich ist, auskommen, weshalb er fordert, Prioritäten zu setzen. Der Bau eines Nahversorgers in Aich sei wichtig und habe Priorität. „Es ist mir aber auch ein Anliegen, dass unser größter Gewerbesteuerzahler in der Gemeinde mit dem Bau diesem Projekt seinen Segen gibt.“
Vor einer endgültigen Entscheidung über Abriss oder Sanierung der Dorfschänke Bonbruck müsste alles auf den Tisch: mögliche Förderungen des Freistaats bei einer Sanierung, ein tragfähiges Nutzungskonzept im Sinne der Bürgerschaft sowie die langfristigen Chancen auf eine Bewirtschaftung. Seisenberger: „Nach meinem derzeitigen Kenntnisstand spreche ich mich für den Erhalt der Dorfschänke aus.“

Andreas Hasak
„In jedem Fall braucht Bonbruck ein Gebäude, in dem sich die Menschen wieder treffen können“, sagt Doris Wimmer.
Doris Wimmer kandidiert auf der Liste der CSU für das höchste Amt in der Gemeinde. Als Bürgermeisterin möchte sich die 48-Jährige um lebendige Ortsmitten, Sicherung der Nahversorgung und der ärztlichen Versorgung vor Ort und Schaffung seniorengerechten Wohnens kümmern. Die Themen Familie, Kinderbetreuung und bezahlbarer Wohnraum seien genauso wichtig, sagt die CSU-Kandidatin, die verheiratet ist und zwei Kinder hat.
Wimmer, die als Personalsachbearbeiterin im Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz in München arbeitet, macht sich für verantwortungsvolles Wirtschaften stark. Das gelinge durch maßvolle Entwicklung neuer Gewerbegebiete, um Raum für heimische Betriebe und Neuansiedlungen zu schaffen. Unerlässlich seien Förderprogramme vom Freistaat und vom Bund. Die studierte Verwaltungswirtin, die auch Mitglied des Pfarrgemeinderats Bodenkirchen-Bonbruck und im Vorstand des Fördervereins Haus Pater Viktrizius ist, liebt es, in ihrer Freizeit in der Natur zu sein.
Bedürfnisse der Bevölkerung berücksichtigen
Das Thema Nahversorger in Aich habe große Priorität. Eine neue Nahversorgung sichere kurze Wege und steigere die Attraktivität des Ortes. „Letztendlich muss das Konzept die Bedürfnisse der Bevölkerung berücksichtigen.“ Zur Dorfschänke Bonbruck sagt sie: „Persönlich finde ich den Erhalt des Gebäudes, sofern es die Substanz tatsächlich zulässt, durchaus lohnenswert.“ Entscheidend sei die künftige Nutzung der Dorfschänke und wie sie finanziert werden kann. Wimmer: „In jedem Fall braucht Bonbruck ein Gebäude, in dem sich die Menschen wieder treffen können.“

Erich Sobolewski
Florian Ferwagner will Fördermittel konsequent nutzen und dort investieren, wo man Kosten sparen kann.
Florian Ferwagner geht für die Freie Wählergemeinschaft Bodenkirchen (FWG) ins Rennen. Der Verkaufsberater hat unter anderem eine Fliesenleger-Ausbildung absolviert und eine Ausbildung als Großhandelskaufmann und Handelsfachwirt. Als Bürgermeister möchte der 46-Jährige, der auch Mitglied der Freien Wähler ist, Wirtschaft und Arbeitsplätze sichern, lokale Unternehmen, Handwerk und Landwirte unterstützen und neue Arbeitsplätze schaffen.
Pflichtaufgaben verlässlich erfüllen
Ferwagner setzt auf eine nachhaltige Haushaltspolitik. Sie bedeute: „Pflichtaufgaben verlässlich erfüllen, Ausgaben regelmäßig hinterfragen, Fördermittel konsequent nutzen und dort investieren, wo wir langfristig Kosten sparen.“ Außerdem geht es ihm darum, Schulen zu erhalten, Familien zu unterstützen, digitale Ausstattung auszubauen, um Kinder bestmöglich zu fördern. Ferwagner will Gemeinschaft und Tradition stärken, Vereine, Feste und Kultur fördern, „damit unsere Gemeinde lebendig bleibt“.
Ferwagner, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, ist Vorsitzender der Feuerwehr Bodenkirchen und Mitglied des THW Ergolding. Der begeisterte Radfahrer bezeichnet sich auch als „leidenschaftlichen Griller.“ Er unterstützt den geplanten Nahversorger. „Ein Nahversorger vor Ort würde den Ortsteil Aich deutlich stärken.“ Bei der Dorfschänke in Bonbruck müsse man realistisch bleiben. „Eine Sanierung wäre extrem kostenintensiv und meiner Meinung nach nicht sinnvoll. Von daher gibt es für mich nur einen Abriss.“ Mit einem Neubau könne man etwas Neues und Nachhaltiges schaffen, das zum Bürgerstadl passt.










