Jungtiere erwartet
Wo in Gottfrieding Fledermäuse wohnen

Im Landkreis gibt es acht „Natura 2000“-Gebiete - Lebensräume für seltene und geschützte Tiere und Pflanzen wie den Schwarzspecht, den Feuersalamander oder wilde Orchideenarten. In einer gemeinsamen Artikelserie stellen die Fachstelle Waldnaturschutz Niederbayern (angesiedelt am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Landau/Pfarrkirchen/AELF), die untere Naturschutzbehörde und die Umweltstation des Landkreises einige Gebiete vor.
Zum Abschluss der Serie betrachten sie gemeinsam mit Victoria Bradshaw von der unteren Naturschutzbehörde und Bernhard Pellkofer, dem Fledermausbeauftragten für den Landkreis, ein weiteres Gebiet: die Wochenstube des großen Mausohrs in Frichlkofen.
Wer durch den kleinen Ort in der Gemeinde Gottfrieding spaziert, dem fällt die Kirche St. Laurentius ins Auge. Die Kirche ist eine der ältesten im Landkreis und zugleich ein Rückzugsort für die größte heimische Fledermausart. Damit wurde sie Teil des „Natura 2000“-Gebietes „Mausohrkolonien im unterbayerischen Hügelland“ - einem Netzwerk aus sieben Wochenstubenquartieren für das große Mausohr und die seltene Wimperfledermaus. Die Kolonien, die sich über mehrere Landkreise in Nieder- und Oberbayern erstrecken, sind aufgrund ihres Individuenreichtums von überregionaler Bedeutung. Gerade Bayern trägt eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser geschützten Arten, da dort eine der höchsten Siedlungsdichten des großen Mausohrs in Mitteleuropa zu finden ist.
Ende Juni kommen die Jungtiere
Bereits im April finden sich die ersten Weibchen des großen Mausohrs in ihren zukünftigen „Kinderstuben“, den sogenannten Wochenstuben, in der Frichlkofener Kirche ein. Die Quartiere dieser typischen Gebäudefledermaus befinden sich in Mitteleuropa fast ausschließlich in warmen, geräumigen Dachböden und Türmen von Kirchen oder anderen historischen Gebäuden. Dort bringen die Fledermausweibchen zwischen Ende Mai und Ende Juni ihre Jungtiere zur Welt.
Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass Fledermäuse zu den Säugetieren zählen - sie gebären lebende Junge und säugen ihren Nachwuchs mit Muttermilch - und das alles in luftiger Höhe. In den Wochenstuben hängen oft mehrere Hundert Tiere dicht an dicht und kopfüber, um gemeinsam ihre Jungen großzuziehen. Da die Jungtiere ihre Körpertemperatur noch nicht selbst regulieren können, hilft ihnen die Gruppenwärme beim schnelleren Wachstum. Nur die Männchen fehlen - sie leben in dieser Zeit meist als Einzelgänger.
Was die Anwesenheit der kleinen Mitbewohner verrät, ist der zentimeterhohe Kot am Dachboden. Fledermauskot lässt sich gut von Mäusekot unterscheiden: Er ist krümelig, zerfällt leicht und läuft eher spitz zu. „Das Schimmern ist ein Überbleibsel der Chitinreste aus den Insekten, die die Tiere fressen“, erklärt Bradshaw und fügt hinzu: „Schäden am Gebäude verursachen Fledermäuse übrigens nicht. Sie nagen weder am Holz noch an Kabeln oder Isolierungen.“
Doch nicht allein die kirchlichen Räume sind ausschlaggebend für den Bestand der Kolonie. „Wichtig sind auch die Jagdgebiete in einem Umkreis von etwa zehn bis 15 Kilometern“, meint Fledermausexperte Pellkofer. Als Fledermausbeauftragter im Landkreis arbeitet er eng mit der Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Südbayern zusammen.
Um Frichlkofen finden die Fledermäuse in den Isar-Hangleitenwäldern und den weitläufigen Wäldern im Hügelland zwischen Frauenbiburg und Griesbach ideale Jagdgebiete. „Jede Art hat so ihre Vorlieben“, weiß Pellkofer, „und das große Mausohr hat sich dabei auf flugunfähige Laufkäfer in Wäldern spezialisiert.“ Die Tiere sammeln die Käfer entweder direkt im Flug oder mit einer kurzen Zwischenlandung vom Waldboden auf. Deshalb benötigt die Art möglichst naturnahe Laub- und Mischwälder in Quartiernähe.
Außerhalb von Wäldern kann auch kurzrasiges Grünland zur Nahrungssuche dienen - vorausgesetzt, es kommen ausreichend Käfer vor.
Als typische Gebäudefledermaus ist das große Mausohr eng an menschliche Bauwerke gebunden. Besonders gefährlich für die Art sind daher bauliche Maßnahmen wie Renovierungen, Ausbauten, Abrisse oder der Einsatz ungeeigneter Holzschutzmittel. Solche Maßnahmen können die Tiere vertreiben oder ihre Unterschlüpfe unbrauchbar machen. Ebenso problematisch ist der Verlust von Wäldern und Wiesen, die zumindest zeitweise als Jagdgebiete dienen, durch intensive forst- und landwirtschaftliche Nutzung.
Für Bradshaw ist daher klar: „Der Schutz der Gebäudequartiere sowie der Lebensräume ist entscheidend, um das Überleben dieser besonderen Fledermausart langfristig zu sichern.“
Die Wochenstube im Dachstuhl der Kirche wurde erstmals im Jahr 1988 entdeckt - seither hat sich die Kolonie stetig vergrößert. Einen wichtigen Beitrag dazu leisteten gezielte Schutzmaßnahmen nach Renovierungsarbeiten im Jahr 2001. In enger Zusammenarbeit mit dem Pfarramt konnten die Bedingungen für die Fledermäuse deutlich verbessert werden.
Wärmeglocke und eine Folie
„So wurde unter anderem eine sogenannte ‚Wärmeglocke’ eingebaut, um ein für die Tiere günstiges Temperaturklima zu schaffen“, beschreibt Pellkofer die Maßnahmen. „Außerdem sorgt eine abgehängte Folie zwischen Dachstuhl und Turm für die notwendige Verdunklung der Hangplätze. Beides sind wichtige Voraussetzungen, damit es den Tieren gut geht.“
Das Quartier wird übrigens regelmäßig im Rahmen des Mausohr-Monitorings der Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Südbayern überprüft. Dabei werden sowohl der Zustand des Quartiers als auch mögliche Störungen erfasst. Der Austausch mit dem Pfarramt bleibt ein zentraler Bestandteil des Schutzkonzepts.
Wer dieses Gebiet selbst erleben und noch mehr spannende Informationen aus erster Hand erhalten möchte, hat am Dienstag, 1. Juli, um 20 Uhr die Gelegenheit dazu: Die Umweltstation bietet in Zusammenarbeit mit Victoria Bradshaw von der unteren Naturschutzbehörde und Fledermausexperte Bernhard Pellkofer die etwa zweistündige Führung „Besondere Gäste: die Fledermäuse der Frichlkofener Kirche“ an.
Treffpunkt ist an der Kirche in Frichlkofen. Eine Anmeldung ist erforderlich - entweder über die Online-Anmeldung auf der Webseite der Umweltstation Dingolfing oder telefonisch unter 08731/87-253, da die Teilnehmerzahl aufgrund der Örtlichkeit begrenzt ist.










