Inslvenzverwalter informiert

Flabeg in Furth im Wald stellt Mitarbeiter frei

In der Betriebsversammlung ist das Schicksal der fast 200 Mitarbeiter klargestellt worden. Tests für ein neues Display-Glas sind gescheitert, der Kunde sprang ab.

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100 Mitarbeiter von Flabeg sind umgehend freigestellt worden, der Rest soll spätestens bis Ende Mai folgen.

100 Mitarbeiter von Flabeg sind umgehend freigestellt worden, der Rest soll spätestens bis Ende Mai folgen.

Ein "wirtschaftlicher Betrieb von Flabeg Germany ist nicht mehr möglich", haben die Insolvenzverwalter Volker Böhm und Geschäftsführer Thorsten Hosung der Belegschaft am Dienstag mitgeteilt. Nach dem gescheiterten Test für ein neues Display-Glas habe der Kunde entschieden, Flabeg den Auftrag zu entziehen. "Ohne den Umsatz aus diesem Auftrag ist ein wirtschaftlicher Betrieb von Flabeg Germany nicht mehr möglich", erläuterte Böhm. "Deshalb ist auch keiner der möglichen Investoren bereit, bei Flabeg Deutschland einzusteigen und die nötigen Finanzmittel für den Weiterbetrieb zur Verfügung zu stellen."

Das deutsche Insolvenzrecht gestattet die Fortführung eines Unternehmens nur dann, wenn es keine Verluste macht, weil ansonsten die Gläubiger weiter geschädigt würden. Nach Scheitern der Investorenlösung müsse deshalb den verbliebenen 180 Flabeg-Mitarbeiter in den kommenden Tagen gekündigt werden. Davon werden rund 100 Mitarbeiter mit sofortiger Wirkung freigestellt. Die übrigen rund 80 Arbeitnehmer werden bis mindestens Ende Mai 2025 weiterbeschäftigt, um die noch vorliegenden Aufträge zu produzieren. "Ich bedauere sehr, dass dieser Schritt nötig wurde", betonte Böhm. "Die Mitarbeiter haben die vergangenen sieben Monate trotz dieser äußerst schwierigen Situation mit vollem Engagement weitergearbeitet. An ihnen hat es nicht gelegen."

Nach dem Insolvenzantrag von Flabeg Germany im Juli letzten Jahres war es Böhm gemeinsam mit der Geschäftsführung gelungen, den Geschäftsbetrieb schnell zu stabilisieren und in vollem Umfang fortzuführen. Lieferanten und Kunden hatten dem Sanierungskurs ihre Unterstützung zugesagt und waren zu Zugeständnissen bereit. Parallel hatte Böhm einen sogenannten strukturierten Investorenprozess aufgesetzt und weltweit nach möglichen Investoren gesucht. Ohne einen Eigentümer, der frisches Kapital mitbringt, war und ist eine Sanierung von Flabeg nicht machbar.

Die möglichen Investoren machten allerdings zur Bedingung, dass vor einer Übernahme eine neue Produktlinie zur Marktreife geführt wird. Dabei handelt es sich um ein Display-Glas für Armaturenbretter in Personenkraftwagen. Die Gläubiger erklärten sich deshalb bereit, die dadurch entstehenden Verluste mitzutragen, damit die Entwicklung dieser Produktlinie auch im Insolvenzverfahren weiterlaufen und abgeschlossen werden konnte. Hätte dieses neue Display-Glas die Marktreife erreicht, hätte dies zu einem Auftrag eines Großkunden geführt. Bei den entsprechenden Produkttests in der vergangenen Woche (HIT-Test) konnte das Display allerdings nicht die gestellten Sicherheitsanforderungen erfüllen. Ohne den damit verbundenen Umsatz muss Flabeg seinen Betrieb einstellen.

In der Belegschaft sitzt der Schock zwar tief, die Leuten müssen die Nachricht erst verdauen. Diese wurde teils sehr emotional aufgenommen, heißt auf unsere Anfrage seitens Belegschaft.

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