Geste der Wertschätzung

Gleißenberger Brautpaar dankt Helfern nach Horror-Unfall

Annalena und Sebastian Dobmeier verunglücken auf dem Weg zu ihrer Hochzeit schwer. Dank vieler Helfer gibt es ein Happy-End. Dafür zeigt sich das Paar nochmals erkenntlich.

Artikel vorlesen
Annalena und Sebastian Dobmeier wollen ihren Rettern und Helfern unbedingt persönlich danken und kommen mit süßen Aufmerksamkeiten im Rettungszentrum in Cham vorbei. „Das war uns ganz wichtig, dass die Arbeit, die ihr leistet, auch gesehen wird“, sagen die beiden an die Adresse von Sonja Muhr (Dritte von rechts), Stefanie Hunger (Zweite von rechts), Tobias Böhm (rechts) und Stefan Kress (links). Terminlich verhindert sind an dem Tag Notarzt Dr. Thomas Etti und Notfallsanitäter Matthias Amann.

Annalena und Sebastian Dobmeier wollen ihren Rettern und Helfern unbedingt persönlich danken und kommen mit süßen Aufmerksamkeiten im Rettungszentrum in Cham vorbei. „Das war uns ganz wichtig, dass die Arbeit, die ihr leistet, auch gesehen wird“, sagen die beiden an die Adresse von Sonja Muhr (Dritte von rechts), Stefanie Hunger (Zweite von rechts), Tobias Böhm (rechts) und Stefan Kress (links). Terminlich verhindert sind an dem Tag Notarzt Dr. Thomas Etti und Notfallsanitäter Matthias Amann.

Von Redaktion Cham

Sich in guten wie in schlechten Zeiten bedingungslos zu lieben und füreinander da zu sein, ist das, was sich Paare bei ihrer Trauung versprechen. Im Fall von Annalena und Sebastian Dobmeier hielt das Schicksal noch am Hochzeitstag eine harte Probe bereit - bundesweite Schlagzeilen inklusive… Kurz nachdem sich die beiden am 25. Oktober 2025 in Gleißenberg das Ja-Wort gegeben hatten, verunglückten sie auf der Fahrt zu den Feierlichkeiten mit ihrem Nissan-Sportwagen bei Kothmaißling - im Anzug und im glitzernden Tüllkleid. Ihre Hochzeitsnacht verbrachten sie in zwei aneinandergeschobenen Betten im Klinikum in Deggendorf.

„Bei uns sind die schlechten Zeiten jetzt hoffentlich aufgebraucht, jetzt können nur noch gute Zeiten kommen“, sagt Sebastian gut zwei Monate später, als er mit seiner Frau im Rettungszentrum in Cham vorbeikommt, um sich bei den BRK-Kräften, die an dem Samstag im Herbst an ihrer Seite gewesen waren, zu bedanken - mit einer Karte, kleinen Aufmerksamkeiten und Worten, die von Herzen kommen.

Welchen Stellenwert der Besuch an der Rettungswache in Cham für Annalena und Sebastian Dobmeier hat, macht ihre Dankeskarte an die BRK-Einsatzkräfte deutlich. „Ihre Arbeit verlangt Stärke, Herz und so viel Hingabe. In diesem Moment durften wir erleben, wie viel ihr Beruf wirklich bedeutet - wie wertvoll er für Menschen in Not ist“, heißt es darin unter anderem.

Welchen Stellenwert der Besuch an der Rettungswache in Cham für Annalena und Sebastian Dobmeier hat, macht ihre Dankeskarte an die BRK-Einsatzkräfte deutlich. „Ihre Arbeit verlangt Stärke, Herz und so viel Hingabe. In diesem Moment durften wir erleben, wie viel ihr Beruf wirklich bedeutet - wie wertvoll er für Menschen in Not ist“, heißt es darin unter anderem.

Ein Strauß Blumen für die Einsatzleiterin

Einsatzleiterin Sonja Muhr, die nach den Ereignissen einen großen Teil der wartenden Hochzeitsgesellschaft informiert hatte, nimmt einen Strauß Blumen entgegen. Die Notfallsanitäter Stefanie Hunger und Tobias Böhm, die mit dem Rettungswagen aus Weiding am Unfallort eingetroffen waren, sowie Rettungssanitäter Stefan Kress - er war mit Notfallsanitäter Matthias Amann von Bad Kötzting aus angerückt - freuen sich über süße Nervennahrung.

„Das war uns ganz wichtig, dass die Arbeit, die ihr leistet, gesehen wird“, sagt Annalena. „Uns war von Anfang an klar, dass wir unbedingt Danke sagen möchten.“ An dem Tag habe einfach alles super funktioniert. „Ob das ihr wart oder die Feuerwehr: Das war ein Team.“

Ihr Mann, mit dem sie vor den Weihnachtsfeiertagen auch bei den beteiligten Floriansjüngern vorbeigeschaut hatte - im Einsatz waren damals die Wehren aus Kothmaißling, Windischbergerdorf, Cham, Weiding und Dalking -, ergänzt: „Es war uns ein großes Anliegen, das wertzuschätzen. Gerade die ehrenamtliche Arbeit… Das ist nicht selbstverständlich!“ So, wie es erfahrene Retter umgekehrt nicht oft erleben, dass sie nach getaner Arbeit in dieser Weise Anerkennung erfahren. „Das ist nicht alltäglich, dass Leute noch mal kommen und sich bedanken - und dass man erfährt, wie so ein Fall ausgeht“, sagt Tobias Böhm. Für die ungewöhnliche Geschichte der Frischvermählten ist beim Kaffee im Besprechungsraum der Chamer Wache tatsächlich viel Zeit… Annalena und Sebastian lassen den 25. Oktober im Gespräch mit den BRK-Kollegen - nur Matthias Amann ist terminlich verhindert - noch einmal in vielen Details aufleben.

Ein Teil der Hochzeitsgäste begleitet sie

Das Wetter ist regnerisch, als das Paar nach der standesamtlichen Zeremonie am frühen Nachmittag mit seinen Gästen aus der Heimat- und Kulturscheune in Gleißenberg kommt. Weil er mit seinem Nissan - Sebastian hat den Zweisitzer mit dem V6-Motor 2020 aus Japan importiert und vier Jahre lang mit Leidenschaft und viel Liebe zum Detail ein Schmuckstück daraus gemacht - sonst nie bei Regen fährt, überlegen die beiden 29-Jährigen, ob sie auf ein anderes Fahrzeug umsteigen. Aber: Annalena möchte am Ende doch den Wagen nehmen, der ihrem Partner so viel bedeutet, weil er ihn in die Beziehung mitgebracht hat. „Das war mein Herzstück. Das Auto - ein Rechtslenker - kam damals total verwahrlost bei mir an und ich habe ihm neues Leben eingehaucht“, erzählt der Bundeswehrsoldat, der am Standort Roding als Instandsetzer Lastwagen und Pkw auf Vordermann bringt. Ein Teil der Hochzeitsgesellschaft begleitet sie - der Rest fährt voraus in den Gasthof Wagner in Kothmaißling. Die letzten Augenblicke vor dem Unglück haben sich tief eingebrannt. Um 14.28 Uhr schauen die beiden auf die Uhr. „Das wird eine Punktlandung, wir brauchen uns nicht zu beeilen“, sagt Annalena, als ihr Mann auf der Kreisstraße zwischen Weiding und Kothmaißling im Auslauf der Pfauensteinkurve - die 60er-Zone ist aufgehoben - leicht Gas gibt. „Da fing Annalena schon an zu schreien, weil der Wagen quer auf der Straße stand“, erinnert sich Sebastian. „Ab da wird es bei mir dunkel. Ich bin erst wieder aufgewacht, nachdem ich aufs Lenkrad geprallt war. Sie hat versucht, mit mir zu reden, aber ich habe keinen Ton rausgebracht.“ Die Unfallursache gilt bis heute als ungeklärt. Gut möglich, dass es am nassen, extrem schmierigen Laub auf der Straße lag… „Wir waren definitiv nicht zu schnell und sind normal gefahren“, sagt Sebastian.

Das Auto landet im Graben, das Paar ist eingeklemmt

An der Unglücksstelle schleudert der Sportwagen mit der linken Seite, auf der Annalena sitzt, in den Graben. Das Auto kracht gegen einen Betondurchlass, überschlägt sich einmal und bleibt zerdrückt auf dem Dach auf der Straße liegen. Das Hochzeitspaar ist eingeklemmt.

„Wir lagen im Auto, da gingen gefühlt auch schon die Sirenen und das erste Feuerwehrauto und der Krankenwagen standen da“, erzählt Sebastian, der es spannend findet, bei der Begegnung in Cham die Retter-Perspektive kennenzulernen.

„Uns war das erst einmal suspekt. Wir sind da um die Kurve gekommen und dann standen da lauter Leute im feinsten Zwirn. Ganz aus war es, als wir in das Auto geschaut und gesehen haben, dass da zwei im Hochzeitsoutfit liegen“, schildert Tobias Böhm seine Eindrücke. Seine Kollegin Stefanie Hunger ergänzt: „Für uns war das wirklich keine alltägliche Situation - an einen Einsatzort zu kommen und festzustellen, dass ein Brautpaar verunglückt ist.“ Im Auto ist Annalena noch relativ ruhig, doch als die Retter Sebastian befreit und aus dem Fahrzeug herausgeholt haben, gehen die Emotionen mit ihr durch. Vor allem Notarzt Dr. Thomas Etti muss sich einiges anhören. „Ich wollte das alles nicht und wollte einfach nur zu meinem Mann. Ich habe in der Situation nicht verstanden, dass ich ins Krankenhaus muss, weil mir doch überhaupt nichts gefehlt hat. Ich war grantig auf uns selber und habe gar nicht verstanden, was die alle von uns wollen“, erzählt sie.

„Dankbar dafür, wie alle darauf reagiert haben“

Sebastian wiederum macht sich - obwohl er erhebliche Verletzungen davongetragen hat - in seiner Sorge um Annalena noch an der Unglücksstelle schwere Vorwürfe. Er ist sich zwar keiner Schuld bewusst, hat aber die Befürchtung, dass die Familie seiner Frau ihn verantwortlich machen könnte für das, was vor wenigen Augenblicken passiert ist. Aber: Keiner tut das. „Ich bin immer noch unglaublich dankbar dafür, wie alle darauf reagiert haben“, sagt der 29-Jährige, der aus den Masuren in Polen stammt und bis zu seinem 18. Lebensjahr in Halle an der Saale aufgewachsen ist.

Während Sebastian im Rettungshubschrauber Christoph 15 ins Krankenhaus nach Deggendorf geflogen wird, bringen die BRK-Kollegen Annalena zur Behandlung nach Cham. In den Sana Kliniken lässt sie sich - die 29-Jährige ist unverletzt geblieben - durchchecken, ehe ihre Tante, die ebenfalls Arzthelferin ist, sie abholt und am früheren Abend ins Wirtshaus fährt. Sie möchte sich dort zeigen und persönlich mit den Gästen sprechen, bevor ihre Mutter, die zuvor schon nach Niederbayern zu ihrem Schwiegersohn geeilt war, sie abholt, um sie gegen 21 Uhr zu ihrem Mann zu bringen.

Während die Braut die Schreckmomente bis auf extreme Gliederschmerzen, die sich am nächsten Tag bemerkbar machen, so gut wie unbeschadet übersteht, muss der Bräutigam bis Freitag im Krankenhaus bleiben. „Die haben mich aber total gut versorgt und waren alle super freundlich“, sagt Sebastian, der eine Arterienverletzung davonträgt. Bei einem MRT-Termin stellt sich außerdem heraus, dass sich ein Halswirbel verschoben hat und er operiert werden muss.

Annalena und Sebastian, der in den nächsten Wochen wegen seiner Wirbelsäulenverletzung noch eine Reha zu absolvieren hat, wollen ihre Feier am 14. März nachholen und sehen diesem Ereignis mit Riesenvorfreude entgegen. „So, wie es im Oktober sein sollte, so wird es wieder“, sagt der 29-Jährige.

Folgen Sie Themen dieses Artikels:

Alle Artikel zu gefolgten Themen und Autoren finden Sie bei mein Idowa

1 Kommentar


Neueste zuerst Älteste zuerst Beliebteste zuerst
alle Leser-Kommentare anzeigen
Leser-Kommentare ausblenden
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.