Besser vernetzt
Chamer Kongress für Gesundheitsberufe feiert erfolgreiche Premiere

Landkreis Cham
Landrat Franz Löffler begrüßt 170 Fachkräfte aus acht Gesundheitsberufen zum 1. Chamer Kongress für Gesundheitsberufe in der Berufsschule.

Ungewohnt für einen Samstag hat sich die Chamer Berufsschule gefüllt. Im Eingangsbereich standen Schilder, die sonst auf Klassenzimmer verweisen - an diesem Samstag führten sie zu Foren für Pflege, Medizin, Apotheke oder Innovation. Die Aula diente als Drehscheibe. Der erste interdisziplinäre Kongress für Gesundheitsberufe im Landkreis Cham feierte seinen gelungenen Auftakt. Über 170 Fachkräfte aus acht Berufsgruppen kamen zusammen, um sich fortzubilden, Erfahrungen zu teilen und neue Impulse für eine zukunftsfähige Versorgung mitzunehmen. Das Programm umfasste knapp 30 Vorträge und Workshops.
„Die Stärke der Menschen in unserer Region liegt darin, immer besser werden zu wollen. Das gelingt nur gemeinsam“, stellte Landrat Franz Löffler in seinem Grußwort klar. Der erste Chamer Kongress für Gesundheitsberufe zeige, wie viel Wissen es im Landkreis gebe. „Wir müssen es nur sichtbar machen“, verwies Löffler auf die große Bandbreite regionaler Expertise - vom Rettungsdienst bis zur Zahnmedizin, von der Pflege bis zur digitalen Innovation.

Landkreis Cham
Anderen Berufsgruppen über die Schultern blicken und dabei für den eigenen Beruf lernen: Dr. Hans-Jürgen Hackl gibt einen Einführungskurs in die Sonografie.
Eva Liedtke von der Gesundheitsregion plus des Landkreises ergänzte, warum Austausch so wichtig ist: Fehlende Informationen zwischen Akteuren, doppelte Untersuchungen und starre Zuständigkeiten verursachen unnötige Belastungen im gesamten System. „Hier gelte es, im Rahmen der Möglichkeiten als Region die Akteure zusammenzubringen, die nahe an den Menschen sind, um gemeinsam gegenzusteuern“, so die Organisatorin.
Vom Zahnersatz zum „Room of Horror“
Der Kongress entstand aus dem Gesundheits- und Pflegeforum des Landkreises. Schnell war das Potenzial erkannt, voneinander und miteinander zu lernen. So entstand die Idee des 1. Chamer Kongresses der Gesundheitsberufe. Jede Berufsgruppe brachte eigene Themen ein - daraus entwickelte sich ein Programm aus der Praxis für die Praxis. Die hohe Teilnehmerzahl verdeutlichte, dass die Themen den Alltag der Fachkräfte trafen.
Die Klassenzimmer wurden als Fachräume genutzt. Während im Erdgeschoss „Medizinische Fachangestellte“ und „Pflege“ an der Zimmertür stand und darin Zahnarzt Dr. Markus Sixt zeigte, wie Pflegekräfte Zahnersatz fachgerecht betreuen können und medizinische Fachangestellte die Anwendung von Augmented-Reality bei Lungenerkrankungen trainierten, übten einen Stock darüber in Physiotherapie und Geburtshilfe Maike Block und die Teilnehmenden das Anlegen elastischer, hautfreundlicher Klebebänder.
Firmen aus Medizin und Pharma präsentieren sich
Ein anderes Klassenzimmer entpuppte sich auf den ersten Blick als gewöhnliches Patientenzimmer. Doch beim genaueren Hinsehen fielen Details auf, die im stressigen Alltag schnell untergehen: ein falsch positioniertes Pflegebett, ein nicht gesicherter Infusionsständer, fehlende Händedesinfektionsmittel, unzureichend dokumentierte Medikamentengaben oder Stolperfallen am Boden. In diesem „Room of Horror“ stellten die Pflegepädagogen Karl Brandl und Christoph Kuchler einen Lernraum vor, der typische Fehlerquellen sichtbar macht.
Aus einem weiteren Schulzimmer hörte man lautstarke Stimmen, aber auch beruhigende Töne. Hinter der Tür zeigte Prof. Reinhart Schüppel Wege im Umgang mit schwierigen Patientensituationen. Deeskalationsmanagement war auch das Thema der Behindertenhilfe im Erdgeschoss: Die Barmherzigen Brüder gaben Einblicke in einen professionellen Umgang mit Konflikten. Ein Durchbrechen von alten Denkmustern gab es auch ein paar Räume weiter. Muss man Alten- und Pflegeheime wirklich isoliert für sich betrachten? Oder ist’s nicht besser, Wohnen, Pflege und Teilhabe zu vernetzen? Mit diesem Ansatz berichtete Monika Lobmeier über das bayernweit erste Quartiersmanagement der fünften Generation.
Zusammenarbeit schafft Zukunft
Doch damit nicht genug: Aus dem Nachbarzimmer strahlte ein sinnbildlicher Leuchtturm. Hier berichtete Manfred Maurer den interessierten Fachkräften vom grenzüberschreitenden Rettungsdienstprojekt mit Tschechien, das auf beiden Seiten der Grenze Rettung ermöglichen kann. Daneben präsentierten Unternehmen aus Medizin und Pharmazie in der Aula und den Gängen neue Technik.
BRK-Kreisgeschäftsführer Manfred Aschenbrenner betonte im Namen der Arbeitsgruppe die Bedeutung der Vernetzung: „Dieser Kongress zeigt, wie viel entsteht, wenn Berufsgruppen nicht nebeneinander, sondern miteinander arbeiten. Am Ende profitieren davon vor allem die Patienten.“
Die Organisatorinnen Eva Liedtke und Veronika Raith dankten allen Beteiligten für ihren Einsatz: „Es ist toll zu sehen, was regionale Vertreterinnen und Vertreter aus Pflege, Hebammenwesen, Rettungsdienst, Medizin und Zahnmedizin, Pharmazie sowie technischen Fachgebieten und Wissenschaft gemeinsam vor Ort auf die Beine stellen können.“ Aufgrund des Erfolges sei eine Fortsetzung geplant, etwa mit moderierten Formate, in denen sich Menschen aus unterschiedlichen Berufsgruppen bewusst neu begegnen.








