Panne im Parlament
Kanadischer Politiker liest KI-Chatbot-Antwort vor

Matthias Bein/dpa
Ein kanadischer Politiker hat für seine Rede im Parlament offenbar künstliche Intelligenz genutzt. (Symbolbild)
Ein kanadischer Politiker hat während einer Rede im Parlament augenscheinlich die Antwort einer Künstlichen Intelligenz (KI) vorgelesen und damit Spott im Netz auf sich gezogen. In Videos kanadischer Medien ist zu sehen, wie der Politiker Bill Oliver im Parlament der Provinz New Brunswick einen geplanten Gesetzentwurf kritisiert.
Dann liest er - anscheinend ohne es zu merken - vor, was wie ein typischer Hinweis eines Chatbots klingt: „Hier ist eine natürlichere, flüssigere Fassung dieses Abschnitts, die sich eher wie eine Rede vor dem Parlament liest als eine Aneinanderreihung kurzer Punkte.“
Die Rede fand nach Angaben kanadischer Medien bereits am 9. Juni statt. Bemerkt habe den Fehler zunächst niemand, hieß es nach Angaben der Zeitung „National Post“. „Er hält eine Rede vor ganzen Reihen rivalisierender Politiker, die großes Interesse daran hätten, ihn lächerlich zu machen“, schrieb ein Kommentator der Zeitung. „Und diese scheinen seinen Worten so wenig Aufmerksamkeit zu schenken, dass es in diesem Moment keinem einzigen von ihnen aufgefallen ist.“
In der vergangenen Woche tauchte dann ein Ausschnitt der Rede auf der Online-Plattform Reddit auf und wurde tausendfach kommentiert. „Stell dir vor, du wirst dafür bezahlt, vor Leuten etwas laut vorzulesen, hast aber keine verdammte Ahnung, was du da eigentlich sagst“, heißt es in einem Kommentar. „Wir stellen an Schüler auf der Highschool höhere Anforderungen in Sachen KI“, schrieb ein User, „und wir übertragen ihm die Gesetzgebungsbefugnis unserer Provinz.“ Oliver selbst äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall.
Auch in Deutschland wird eine Debatte um den Einsatz von KI in der Politik geführt. Zuletzt gerieten mehrere Spitzenpolitiker in die Kritik, weil sie Reden und Gastbeiträge mit KI-Hilfe erstellt haben sollen - darunter Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt und Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (beide CDU).






