Regierungskrise
Burnham vor Ernennung zum britischen Premierminister

Jon Super/AP/dpa
Andy Burnham wird mit hoher Wahrscheinlichkeit der nächste britische Premierminister. (Archivbild)
Der scheidende britische Premierminister Keir Starmer bekam in Paris gerade warme Worte zum Abschied mit auf den Weg, als sein wahrscheinlicher Nachfolger in London den nächsten Meilenstein erreichte. Mit der Unterstützung von weiteren 27 Abgeordneten der Regierungspartei Labour steht der Kür von Andy Burnham zum Regierungschef praktisch nichts mehr im Wege.
Insgesamt 349 Abgeordnete haben dem 56-Jährigen jetzt die Unterstützung zugesichert, wie die Nachrichtenagentur PA berichtete. Rechnerisch ist es damit ausgeschlossen, dass eine Gegenkandidatin oder ein Gegenkandidat die nötigen Stimmen erhält. Für die Kandidatur ist die Unterstützung von 20 Prozent der Labour-Abgeordneten nötig, derzeit sind das 81.
Burnham braucht weiterhin noch die Unterstützung von drei der Partei angeschlossenen Organisationen und von Gewerkschaften - das gilt aber als Formsache. „Andy Burnham wird der nächste Premierminister“, schrieb die Nachrichtenagentur PA am Abend. Der Sender Sky News schrieb, Burnhams Kür sei mathematisch garantiert. Die britischen Medien nutzen den Begriff „coronation“, also Krönung.
Ohne Gegenkandidatur wird der frühere Bürgermeister von Greater Manchester voraussichtlich am kommenden Freitag den Parteivorsitz übernehmen, der seit dem Rücktritt von Starmer vakant ist. König Charles III. dürfte Burnham dann am Montag mit der Regierungsbildung beauftragen.
Bereits in der vergangenen Woche, als schon 322 der 403 Labour-Abgeordneten „Ja“ zu Burnham gesagt hatten, bedankte sich der 56-Jährige für die Unterstützung. Diese komme aus allen Teilen der Partei und zeige, „dass Großbritannien einen neuen politischen Ansatz braucht“, hatte Burnham geschrieben.
Der als „König des Nordens“ bezeichnete Labour-Politiker gilt als große Hoffnung der Regierungspartei, aus der monatelangen Krise herauszukommen. Starmer hatte im Juni unter massiven Druck seinen Rücktritt angekündigt. Das Amt des Premierministers führt er nur noch so lange aus, bis ein Nachfolger feststeht.
Beim Treffen der sogenannten „Koalition der Willigen“ am Montag in Paris war Starmer deshalb praktisch auf Abschiedstour. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der französische Präsident Emmanuel Macron und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dankten Starmer für dessen Führungsrolle bei den Unterstützern der Ukraine. „Wir haben eng und intensiv zusammengearbeitet, dabei aber stets in großer Freundschaft“, sagte Merz.










