63. Verhandlungstag
Mutmaßlicher Block-Entführer: „Ich fühle mich als Opfer“
Im Fall Block fühlt sich einer der mutmaßlichen Entführer eigenen Worten zufolge ausgenutzt. „Ich fühle mich als Opfer“, sagte der 35 Jahre alte Zeuge Jonathan G., der früher als Model und Fitnesstrainer arbeitete, vor dem Landgericht Hamburg auf Englisch laut Übersetzung. „Ich bin dumm, dass ich darauf reingefallen bin.“
Zuvor hatte Verteidiger Sascha Böttner, der einen mutmaßlichen Komplizen (36) von G. vertritt, den Mann zu seiner schriftlichen Einlassung für die Polizei befragt. Dort soll G. geschrieben haben: „Ich fühlte mich betrogen von Frau Block und Herrn Barkay.“
Die Hamburger Unternehmerin Christina Block ist eine der Hauptangeklagten in dem Prozess. Sie soll eine israelische Sicherheitsfirma im Zuge eines langen Sorgerechtsstreits mit ihrem Ex-Mann damit beauftragt haben, ihre beiden jüngsten Kinder vom Wohnort des Vaters Stephan Hensel zu entführen. Block bestreitet die Vorwürfe.
Die Sicherheitsfirma habe in der Silvesternacht 2023/24 auf eigene Faust gehandelt, hatte die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette „Block House“ erklärt. Der Junge und das Mädchen (damals 10 und 13) waren beim Beobachten des Feuerwerks in dem dänischen Ort Gråsten (Gravenstein) in einen Wagen gezerrt und nach Deutschland gebracht worden.
Die Aktion organisierte laut Ermittlern der Chef der Sicherheitsfirma, David Barkay. Er habe ein Team zusammengestellt. Der 69-jährige Israeli hatte als Zeuge betont, ihm sei immer wieder versichert worden, die Rückführung sei nach deutschem Recht legal. Das soll er auch den Teammitgliedern gesagt haben.
Barkay, G. und drei weitere Israelis hatten sich mitten im laufenden Prozess gemeldet und für ihre Zeugenaussagen sicheres Geleit bekommen. Sie müssen zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls mit einer Anklage und einem Prozess rechnen. Es gibt noch sechs weitere Angeklagte. Für alle Beschuldigten in dem komplexen Fall gilt die Unschuldsvermutung.
Am Morgen hatte das Landgericht die Öffentlichkeit für die Befragung von G. kurzzeitig ausgeschlossen. Das geschehe zum Schutz des 35-Jährigen, weil ein Verteidiger Fragen zu sehr persönlichen Themen stellen wolle, lautete die Begründung der Richter. G. hatte bereits am vorherigen Prozesstag als Zeuge berichtet, dass es ihm derzeit psychisch nicht gutgehe. In seiner schriftlichen Einlassung hatte er den Ermittlern zuvor auch Erlebnisse aus seiner Vergangenheit geschildert, zu denen er nun befragt werden soll.
Jonathan G. hatte vor Gericht ausgesagt, ihm sei im Dezember 2023 erklärt worden, die Rückholung der Kinder sei rechtmäßig. Er und seine mutmaßlichen Komplizen hätten sich als Helden gefühlt, weil ihnen vorgegaukelt worden sei, sie würden die Kinder aus den Händen eines angeblich bösen Vaters befreien. Er sei in das Team geholt worden, weil er Deutsch spreche, denn er habe lange in Hamburg gelebt. Er habe mit den Kindern kommunizieren sollen.
Er bestritt, in der Tatnacht den Vater Hensel geschlagen zu haben. So hatte es der 36 Jahre alte Angeklagte aus Israel erzählt, den Verteidiger Böttner vertritt.












