Nach dem Erdbeben in Kolumbien
Beben verwüstet Altenheim in Cali - alle Bewohner überleben
Ein Trümmerbrocken liegt noch immer auf dem Fensterbalken. Direkt darunter hatte ein Mann auf der Harmonika gespielt, als die Erde in Kolumbien bebte. Der Brocken blieb auf der Kante liegen - und verfehlte ihn nur knapp.
Es ist eine von vielen Spuren, die das Erdbeben vom Montag im Altenheim der Ordensgemeinschaft „Hermanitas de los Pobres“ („Schwestern der Armen“) im Süden der kolumbianischen Stadt Cali hinterlassen hat. Fenster sind zerborsten, Wände aufgerissen, Teile der Decken eingestürzt. In den Zimmern der Bewohner liegt Bauschutt, manche Räume sind kaum noch als solche zu erkennen. Auch das Treppenhaus ist schwer beschädigt.
Dabei hätte die Katastrophe für die 65 Bewohner des Heims noch viel schlimmer ausgehen können. Denn als das Beben kam, waren die alten Menschen nicht in ihren Zimmern. Sie waren kurz zuvor gemeinsam zum Gottesdienst gekommen.
Schwester Maria Omaira Orozco war selbst dabei. Ein Erdbeben wie dieses habe sie noch nie erlebt, erzählt sie der Deutschen Presse-Agentur. Dann wurde es chaotisch: „Es waren Momente großer Panik, viel Geschrei. Die alten Menschen schrien, sie weinten.“
Doch alle kamen aus dem Gebäude heraus. Auch drei Frauen, die mehr als 100 Jahre alt sind, überlebten das Beben. Für Orozco ist das kaum anders zu erklären als mit ihrem Glauben: „Wir haben das als ein Wunder Gottes empfunden, dass wir alle herausgekommen sind.“
Nach dem Beben konnten die Bewohner nicht zurück in ihre Zimmer. Strom, Wasser und Gas waren ausgefallen. Für die Nacht richteten die Schwestern deshalb in einem Bereich, der noch einigermaßen unbeschädigt war, ein provisorisches Lager ein. Matratzen wurden auf dem Boden ausgelegt - für die alten Menschen und auch für die Schwestern selbst.
Menschen aus der Umgebung brachten ihnen Essen. Es war Hilfe von außen, während das Heim selbst immer weniger Schutz bot.
Inzwischen ist das Altenheim leer. Die Bewohner wurden auf andere Häuser der Ordensgemeinschaft verteilt. Einige konnten zu ihren Familien. Für die hochbetagten Bewohner war der Abschied schwer. Sie hatten teilweise seit Jahren dort gelebt und mussten nun einen Ort verlassen, den sie als ihr Zuhause kannten. „Sie waren sehr traurig, einige waren emotional sehr verbunden zu diesem Ort“, sagt Orozco.
Die Schwestern sind überzeugt, dass es kein Zufall war, dass die Bewohner zum Zeitpunkt des Bebens gemeinsam beim Gebet waren - und dass der Brocken am Fensterbalken liegen blieb. Ein paar Zentimeter, ein paar Minuten - und die Geschichte dieses Altenheims hätte eine ganz andere sein können.













