Sturmtief
„Elli“ bringt Schneechaos - Fernverkehr soll wieder laufen

Moritz Frankenberg/dpa
Nichts geht mehr im Großraum Hannover: Der Zugverkehr musste eingestellt werden.
Die guten Nachrichten zuerst: Wintersturm Elli hat zwar für Schneechaos und einige Unfälle gesorgt, aber die schlimmsten Befürchtungen sind bislang nicht eingetroffen. Und die Meteorologen erwarten nach Auflösung des Sturms im Verlauf des Wochenendes sogar winterliches Bilderbuchwetter. Der Überblick:
Besonders betroffen sind Zugreisende: Seit Freitagmorgen ist der gesamte Schienenverkehr im Großraum Hannover eingestellt und der Fernverkehr im Norden Deutschlands ruht. Betroffen sind unter anderem diese Strecken:
- Hamburg - Berlin
- Hannover - Berlin
- Hannover - Ruhrgebiet
- Ruhrgebiet - Hamburg
- Berlin - Kassel
- Norddeich/Emden - Hannover / Ruhrgebiet
„Ich würde es nicht als ein Jahrhundert-Event einordnen. Das ist es auf gar keinen Fall“, sagte DWD-Meteorologe David Menzel am Morgen. „Es ist ein winterlicher Sturm und - wenn man das große Ganze betrachtet - nichts sonderlich Außergewöhnliches.“ Dennoch: Für weite Teile Deutschlands, vor allem für den Norden die Mittelgebirge, gelten Unwetterwarnungen des Wetterdienstes.
Der DWD sagte „von Südwesten aufkommende, teils kräftige Schneefälle“ voraus, die sich bis zur Elbe ausbreiten. Bei stürmischem Ostwind sind Schneeverwehungen möglich, was zu größeren Behinderungen auf den Verkehrswegen führen kann. Im Süden und Westen Deutschlands soll der Schnee - bei ebenfalls stürmischem, aber aus südwestlichen Richtungen wehendem Wind - in Regen übergehen. Dann wird es sehr glatt.
Von der Nordsee bis in den Osten können verbreitet um die 10 bis 15 Zentimeter Neuschnee zusammenkommen. Den meisten Schnee erwartet der Deutsche Wetterdienst für die sogenannten Staulagen der Mittelgebirge. An den Seiten der Berge, die dem Wind zugewandt sind, können 20 Zentimeter Neuschnee fallen.
Und: „Ein Großteil des Schnees fällt dabei innerhalb von drei bis 6 Stunden - gebietsweise Unwetter!“, so der DWD. Am Nachmittag und Abend sollen die Schneefälle dann allmählich nachlassen.
Die Bahn geht davon aus, dass bis Samstag Verspätungen und Zugausfälle im Fernverkehr möglich sind. Wer kann, sollte seine Reise verschieben. Schon gekaufte Tickets könnten auch zu einem späteren Zeitpunkt genutzt werden. Mancherorts wurden vorsorglich Verbindungen gestrichen.
Bahnsprecher Achim Stauß sagte im „ZDF-Morgenmagazin“, Sicherheit habe für die Bahn weiterhin oberste Priorität. „Wir wollen natürlich auch nicht in unsicheren Situationen Züge auf die Strecke schicken, die dann vielleicht das Ziel nicht erreichen oder nicht wieder zurückfahren können.“ Da sei es besser, den Zug am Bahnhof zurückzuhalten.
Derzeit komme es vor allem auf Strecken in Richtung Norden zu Einschränkungen, unter anderem an die Nordsee sowie nach Kiel, Rostock und Rügen. Als Vorsichtsmaßnahme habe die Bahn dort bereits rund die Hälfte der Züge aus dem Verkehr genommen. Fahrgäste würden darüber über die Auskunftssysteme informiert.
Das Winterwetter hat zunächst keine größeren Auswirkungen auf den Betrieb am Frankfurter Flughafen. Am frühen Morgen gab es keine Einschränkungen bei Starts und Landungen.
Die Wetterlage werde im Tagesverlauf weiter sorgfältig beobachtet, vor allem mit Blick auf den Wind. „Wir werden situativ entscheiden, wie es weitergeht“, sagte die Sprecherin am größten deutschen Airport. Am Donnerstag mussten wegen des Winterwetters am größten deutschen Flughafen rund 200-mal Flugzeuge enteist werden. 25 Enteisungsfahrzeuge waren im Einsatz - „ruhiger Winterbetrieb“, wie Fraport mitteilte.
Der Fährverkehr an der niedersächsischen Nordseeküste ist weitgehend zum Stillstand gekommen. Mehrere Inseln sind derzeit nicht per Schiff erreichbar - darunter Langeoog, Spiekeroog, Norderney und Wangerooge. Problematisch ist vor allem der erwartete starke Ostwind. Er drückt das Wasser von der Küste weg, Fähren können dann nicht oder nur eingeschränkt fahren.
Schneefrei, zumindest für manche Schüler: In Hamburg, Niedersachsen, Bremen und in Teilen Schleswig-Holsteins fällt der reguläre Schulbetrieb flächendeckend aus. Nach Angaben der zuständigen Behörden gibt es teilweise Distanzunterricht und Notbetreuung für jüngere Kinder. Grund für die Schließung ist meist, dass die Schulbusse nicht fahren und eine sichere Anreise nicht gewährleistet werden kann.
Auch in Regionen in Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin fällt teils der Präsenzunterricht aus oder Eltern können ihre Kinder vom Unterricht entschuldigen. Mancherorts sind auch Kitas und Kindergärten betroffen.
Viele Straßen waren von Schneefall und Glatteis betroffen. Es gab zahlreiche Unfälle, in Bayern starben drei Menschen. Auf vielen Autobahnen kam es im Tagesverlauf zu kilometerlangen Staus durch festgefahrene und querstehende Lastwagen.
In Schleswig-Holstein hingegen berichtet die Polizei von einem eher ruhigen Verkehrsgeschehen auf den Straßen. Ein Hamburger Polizeisprecher teilte mit, die Lage sei ruhiger als erwartet, was daran liege, dass viele Menschen zu Hause geblieben seien.
Im besonders betroffenen Niedersachsen und Bremen kam es zu zahlreichen Unfällen, aber meist blieb es bei Blechschäden. Auch gab es nach Angaben mehrerer Kliniken in der Region keine besonderen oder unbeherrschbaren Auswirkungen. In den Kliniken des Bremer Verbunds Gesundheit Nord war es beispielsweise am Vormittag in den Notaufnahmen „eher ruhig“, wie eine Sprecherin sagte.
Die schlimmsten Erwartungen der Meteorologen hat Sturmtief „Elli“ nicht mit sich gebracht. „Ich würde es nicht als ein Jahrhundert-Event einordnen. Das ist es auf gar keinen Fall“, hatte Meteorologe David Menzel vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Freitagmorgen gesagt. „Es ist ein winterlicher Sturm und - wenn man das große Ganze betrachtet - nichts sonderlich Außergewöhnliches.“
In Hamburg lag laut DWD am Abend auf freien und ungeräumten Flächen eine Schneedecke von bis zu fünf Zentimetern. Die Menge des Neuschnees sei dabei aber schwer zu messen, weil er leicht verdrifte, erklärte der Meteorologe vom Dienst, Christian Paulmann. Allerdings sei die gesamte Situation mit dem stürmischen Schneewinter von 1978/79 überhaupt nicht zu vergleichen - weder mit Blick auf die Schneemengen noch bei den Windgeschwindigkeiten.
Der DWD rechnet für Norddeutschland auch nicht mehr mit großem Schneefall, hieß es am späten Freitagabend. Am Wochenende soll sich Sturmtief „Elli“ auch langsam auflösen.
„Im Norden und Osten kehrt, abgesehen von vereinzelten Schneeschauern, Ruhe ein“, so der Meteorologe Menzel. Schnee wird dann aber im Süden fallen. Vor allem in den Staulagen der Mittelgebirge und im Allgäu schneit es laut DWD dann teils heftig, mehr als 30 Zentimeter Neuschnee sind drin. Auch in tieferen Lagen können zehn Zentimeter zusammenkommen.
Plusgrade werden am Samstag nur noch südlich des Mains gemessen, aber auch dort fallen die Temperaturen im Tagesverlauf in den Frostbereich. „In der Nacht wird es knackig kalt.“ Wo Schnee liegt, rechnet der DWD mit minus zehn Grad. Am Sonntag erwartet der Wetterdienst „einen Wintertag wie aus dem Bilderbuch“.
Die Bedingungen für viel Winterspaß sind vielerorts nun ja auch gegeben: Etwa in Sachsens Skigebieten sind viele Pisten, Lifte und Loipen geöffnet, auch in Thüringen sollen die wegen Sturms geschlossenen Pisten wieder befahrbar sein. „Wir haben traumhafte Bedingungen“, sagte Jörg Wilke, Sprecher des Skigebiets im hessischen Willingen.
Und im sonst eher schneearmen Hamburg gibt es derzeit an der Alster eine kleine Winterausstellung: Auf der Krugkoppelbrücke und der Fernsichtbrücke haben Passanten eine ganze Parade von Schneemännern aufgereiht. Dutzende weiße Figuren stehen dort nebeneinander - in ganz unterschiedlichen Größen.
Doch am Montag dreht sich die Lage wieder. „Zum Start in die neue Woche droht dann aus Westen neues Ungemach in Form von gefrierendem Regen“, sagt der DWD voraus. „Im Anschluss deutet sich dann eine Milderung an, wobei abgewartet werden muss, wie weit diese nach Nordosten vorankommt.“















