Oper, Theater und Konzerte
Salzburger Festspiele mit Personaldrama und Nobel-Literaten

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Karin Bergmann leitet das Festival dieses und nächstes Jahr. (Archivbild)
Drama auf der Bühne und hinter den Kulissen: Die Salzburger Festspiele haben dieses Jahr viel zu bieten. Das künstlerische Programm, das am Samstag mit dem Traditionsstück „Jedermann“ losgeht, enthält zwei Uraufführungen von Nobelpreisträgern sowie den Opernklassiker „Carmen“. Für Spannung sorgten in den vergangenen Monaten auch die personellen Turbulenzen rund um die Leitung des renommierten österreichischen Festivals.
Diese Festivalsaison hatte ein langes Vorspiel mit Knalleffekten. Die langjährige Intendanz von Markus Hinterhäuser wurde im März vorzeitig beendet, nachdem ein Streit mit dem Festspielkuratorium - den Vertretern der öffentlichen Geldgeber - eskaliert war. In dem Konflikt ging es um den Führungsstil des Programmgestalters und Pianisten, der sich in einem früheren Interview mit den „Salzburger Nachrichten“ als „emotionaler, bisweilen auch ein impulsiver Charakter“ beschrieben hat.

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Roxane Duran spielt die Buhlschaft im Traditionsstück «Jedermann». (Archivbild)
Die deutsche Theaterexpertin Karin Bergmann wurde zur neuen Intendantin für dieses und nächstes Jahr ernannt - als erste Frau an der Spitze der Salzburger Festspiele. Hinterhäuser hatte Bergmann zuvor eigentlich als neue Theaterchefin des Festivals vorgesehen. Nach dem Führungswechsel habe Hinterhäuser die Unwahrheit verbreitet, dass seine Nachfolgerin die Übernahme von langer Hand vorbereitet hätte, sagte Bergmann der österreichischen Nachrichtenagentur APA. „Er lehnt jedes Gespräch ab“, sagte sie der Zeitschrift „Falter“. Hinterhäuser hat sich dazu nicht öffentlich geäußert.
Hinterhäuser sorgte als Person für Debatten, doch seine künstlerischen Erfolge sind unbestritten. Er hinterließ unter anderem ein hochkarätiges Theaterprogramm für 2026. Mit Peter Handke und Elfriede Jelinek konnte er zwei Literaturnobelpreisträger an Bord holen.
Handkes neues Stück „Schnee von gestern, Schnee von morgen“ ist eine Meditation über Vergangenheit und Zukunft, ein gedankenreicher Spaziergang ohne Handlung. Es geht um das Wahrnehmen von scheinbaren Nebensächlichkeiten, von Geräuschen und Natur.
Jelinek rechnet in ihrem Text „Unter Tieren“ mit der Welt der Banken und mit Investoren wie René Benko ab. Schweine, Kühe, Hasen und andere Spezies treten als Kapitalismuskritiker auf. Die tierischen Rollen übernimmt ein Ensemble, zu dem auch die bekannte Schauspielerin Caroline Peters („Mord mit Aussicht“, „Der Vorname“) gehört.
Und sonst? Der für seine streng rhythmischen Arbeiten bekannte Ulrich Rasche inszeniert Goethes „Faust“, und im „Jedermann“ steht dieses Jahr Roxane Duran als neue Darstellerin der Buhlschaft an der Seite von Hauptdarsteller Philipp Hochmair.
Im Zentrum des Opernprogramms steht Bizets „Carmen“. Für die Inszenierung sorgt Choreographin Gabriela Carrizo. Mit Spannung wird erwartet, wie Asmik Grigorian als Carmen und die restlichen Sänger zusammen mit Carrizos Tanzensemble Peeping Tom den klassischen Stoff neu erkunden. Am Dirigentenpult steht Teodor Currentzis. Der griechisch-russische Musiker steht wegen seiner mangelnden öffentlichen Distanz zu Russland in der Kritik, doch Salzburg hielt ihm bislang die Treue.
Zu den weiteren Opern-Neuproduktionen gehören Richard Strauss' „Ariadne auf Naxos“ in der Regie von Ersan Mondtag und Olivier Messiaens „Saint François d'Assise“, das von Romeo Castellucci in Szene gesetzt wird.
Das Konzertprogramm ist ein Who-is-Who der Klassik-Szene. Am Klavier sitzen etwa Stars wie Martha Argerich, Yuja Wang oder Igor Levit. Angesichts des Umbruchs an der Festival-Spitze werden wohl auch die zwei geplanten Klavier-Auftritte von Hinterhäuser für Aufmerksamkeit sorgen.
Bis Ende August stehen 208 Aufführungen auf dem Programm. Der Verkauf der knapp 218.000 Tickets laufe hervorragend, heißt es aus dem Festivalbüro.
Für einige Produktionen ist aber keine Reise nach Salzburg nötig: Arte überträgt „Carmen“ am 8. August, „Ariadne“ läuft am 15. August auf 3sat. Etliche Theater-Koproduktionen wandern nach den Festspielen weiter: Das Berliner Ensemble führt danach Handkes Stück in der deutschen Hauptstadt auf, das Thalia Theater spielt Molières „Menschenfeind“ auch in Hamburg, und im Wiener Burgtheater wird das Jelinek-Stück zu sehen sein.
Mit der Bestellung Bergmanns als Übergangs-Chefin ist die Personalfrage des Festivals noch nicht langfristig gelöst. Nach diesem Sommer sollen Hearings zur Besetzung des Intendantenpostens ab Herbst 2027 stattfinden. Für die Position bewerben sich 17 Männer und vier Frauen.
Auch finanziell steht das Festival vor großen Herausforderungen: Der geplante Ausbau der Festspiel-Infrastruktur soll 519 Millionen Euro kosten. Das Management ist optimistisch, dass der Finanzplan hält. Doch nach Schätzung des österreichischen Rechnungshofs könnte die Summe bis auf 635 Millionen Euro steigen, wie das Magazin „Profil“ berichtete.








