Hollywood
„Jurassic Park“-Star Sam Neill mit 78 Jahren gestorben

Dan Himbrechts/AAP/dpa
Seine Vielseitigkeit machte Sam Neill zu einem der angesehensten Schauspieler seiner Generation.
Er war der Dinosaurier-Forscher aus „Jurassic Park“, spielte aber ebenso überzeugend sensible und gebrochene Figuren. Sam Neill gehörte nie zu den lautesten Stars Hollywoods - gerade seine Vielseitigkeit machte ihn zu einem der angesehensten Schauspieler seiner Generation. Am Montag starb Neill im Alter von 78 Jahren in Sydney im Beisein seiner Familie, wie die Familie auf Instagram mitteilte. Der britische Sender ITV zitierte zudem einen Sprecher der Familie, der den Tod bestätigte.
Glanzrolle als Dinosaurier-Forscher
Den internationalen Durchbruch schaffte Neill 1993 als Paläontologe Dr. Alan Grant in Steven Spielbergs „Jurassic Park“. In der Verfilmung von Michael Crichtons Bestseller spielte er an der Seite von Laura Dern und Jeff Goldblum. Jahrzehnte später kehrte er für „Jurassic World: Dominion“ in die Rolle zurück.
Ebenfalls 1993 überzeugte Neill in Jane Campions preisgekröntem Drama „Das Piano“. Darin spielte er den Ehemann einer stummen Engländerin (Holly Hunter), die sich in ihren Nachbarn (Harvey Keitel) verliebt.
Vielseitiger Charakterdarsteller
Neill galt als vielseitiger Charakterdarsteller, auch wenn er nie zu den größten Hollywoodstars zählte. Er spielte unter anderem an der Seite von Meryl Streep in „Ein Schrei in der Dunkelheit“ (1988), mit Sean Connery in „Jagd auf Roter Oktober“ (1990), in Wim Wenders' „Bis ans Ende der Welt“ (1991), in Robert Redfords „Der Pferdeflüsterer“ (1998) sowie im Actionfilm „Escape Plan“ (2013) mit Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger.
Wie die australische Nachrichtenagentur AAP berichtete, war bei Neill im März 2022 eine seltene und aggressive Form des Non-Hodgkin-Lymphoms festgestellt worden. Im April hatte er demnach nach der Teilnahme an einer klinischen Studie in Australien seinen krebsfreien Status bekanntgegeben.
In seinen 2023 veröffentlichten Memoiren „Did I Ever Tell You This?: Movies, Life, Love and Other Catastrophes“ sprach Neill über seine Krebserkrankung und seinen Umgang mit dem Tod, berichtet die australische Zeitung „Sydney Morning Herald“. Er habe demnach „überhaupt keine Angst vor dem Tod“. Das sei kein Mut, sondern Realismus. Er wolle lediglich nicht allein sterben. Jeder Tag, an dem man am Leben sei, sei ein guter Tag, so der Schauspieler.
Sam Neill wurde als Nigel Neill im nordirischen Omagh geboren, berichtet die britische Zeitung „The Guardian“. Seine britische Mutter Priscilla und sein Vater Dermot Neill, ein Neuseeländer, der Oberst in der britischen Armee war, zogen demnach mit der Familie nach Neuseeland, als Sam sieben Jahre alt war. Dort in der Schule bat er seine Mitschüler, ihn Sam zu nennen - „weil Nigel selbst in England ein bisschen nerdig“ sei, berichtet der Guardian. Als Kind soll Neill mit einer Sprachstörung - Stottern - gekämpft haben, heißt es weiter.
Winzer mit Sinn für Humor
Neill galt als bodenständig und humorvoll. Mehr als zwei Jahrzehnte betrieb der mehrfache Vater und Großvater auf der neuseeländischen Südinsel das Weingut „Two Paddocks“, das vor allem für seine Pinot-Noir-Weine bekannt ist. Auch als Winzer blieb Neill bescheiden. „Ich hatte eigentlich nur geplant, ein paar hundert Kisten mit etwas Trinkbarem herzustellen“, soll er laut „The Guardian“ über die Anfänge seines Weinguts erzählt haben. Umso überraschter sei er gewesen, als die erste Flasche geöffnet wurde und man festgestellt habe: „Das ist ziemlich gut.“
Der Tierfreund sorgte mit den Namen seiner Tiere immer wieder für Aufmerksamkeit - darunter ein Huhn namens Meryl Streep, Schafe mit den Namen Susan Sarandon und Anjelica Huston sowie eine Kuh namens Helena Bonham Carter. Er liebe es, möglichst viele seiner Tiere nach seinen Freunden zu benennen, sagte Neill dem Magazin „Vulture“.
US-Regisseur Colin Trevorrow, der mit Neill „Jurassic World Dominion“ (2022) drehte, sagte über den Schauspieler laut der britischen Nachrichtenagentur PA Press: „Sam Neill war ein zutiefst gefühlvoller und wunderbarer Mensch. Er war ein Freund und Weggefährte in einer herausfordernden Zeit, und seine Stärke gab uns allen Kraft.“
Er werde ihn wegen seiner ruhigen Art, seiner Liebe zum Wein und der souveränen Selbstsicherheit, die Neill seinen Figuren verlieh, in Erinnerung behalten. „Es kommt nicht oft vor, dass man sich mit einer Legende anfreunden darf. Ich bin auf ewig dankbar.“




