„Holding out for a Hero“
Bonnie Tyler wird 75 - Sorge um die Queen der Rockballaden

Sebastian Gollnow/dpa
Ihre Fans hoffen, dass Bonnie Tyler bald wieder auf der Bühne steht. (Archivbild)
Eigentlich wollte Bonnie Tyler bereits auf Europa-Tournee sein. Doch die ersten Konzerte, darunter eins im ostfriesischen Wiesmoor, wurden abgesagt, nachdem die Sängerin von Kulthymnen wie „Holding Out for a Hero“ und „Total Eclipse of the Heart“ im Mai notoperiert wurde. Seit Wochen befindet sich Tyler in ihrer Wahlheimat Portugal in medizinischer Behandlung. Auch an ihrem heutigen 75. Geburtstag sind die Fans in großer Sorge.
Auf Tylers Internetseite bat ihr Team zuletzt darum, keine Gerüchte oder Falschmeldungen in sozialen Netzwerken zu verbreiten. Ein neues Update zu ihrem Gesundheitszustand gebe es bislang nicht. „Wir müssen davon ausgehen, dass keine Neuigkeiten gute Neuigkeiten sind, und sie am richtigen Ort ist, um die bestmögliche Versorgung zu erhalten“, hieß es auf der Website. Ob Tyler am 11. Juni im ungarischen Szeged auftreten kann, ist ungewiss.
Ihr letztes Studioalbum „The Best Is Yet To Come“ liegt mittlerweile mehr als fünf Jahre zurück. Aber Anfang des Jahres veröffentlichte Bonnie Tyler gleich zwei Singles. „One World One Home“ war der Titelsong für den Dokumentarfilm „Homeless“. Zuvor hatte sie die Ballade „Only Love“ veröffentlicht, die mit starkem 80er-Einschlag an ihre erfolgreichsten Zeiten erinnerte.
Insgesamt mehr als 80 Singles und 18 Studioalben hat die Waliserin mit der markanten, rauchigen Stimme veröffentlicht. In ihrer langen Karriere hatte Tyler, die seit vielen Jahren an der Algarve lebt, viele Hits, erlebte aber auch kuriose Misserfolge.
Entdeckt wurde Tyler Mitte der 70er Jahre durch den Irrtum eines Talentsuchers, der eigentlich einen anderen Sänger beobachten wollte. „Er kam im falschen Stockwerk rein und hat mich singen gehört“, erzählte Tyler 2021 im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Kurz darauf nahm sie in London ihre erste Single auf.
Tyler entstammt einer musikalischen Familie in der walisischen Kleinstadt Skewen. Schon als Kind schrieb sie Songtexte aus dem Fernsehen ab und sang sie in ihre Haarbürste. Bei einem lokalen Gesangswettbewerb belegte sie den zweiten Platz. „Ich war damals sehr, sehr schüchtern, das glaubt man kaum“, sagte sie später.
Gleich ihre Debütsingle „Lost In France“, die 1976 erschien, machte die junge Sängerin mit der blonden Mähne bekannt. Ein Jahr später wurde „It's A Heartache“ ein globaler Hit und Tyler, die eigentlich Gaynor Hopkins hieß, ein Star. Den Künstlernamen hatte sie erfunden, um Verwechslungen mit der Sängerin Mary Hopkin zu vermeiden.
An den Erfolg ihrer ersten beiden Alben konnten die Nachfolger nicht anknüpfen. Tyler wechselte vom Label RCA zu CBS Records. Dort arbeitete sie mit dem erfolgreichen Produzenten und Songwriter Jim Steinman zusammen, der durch seine Arbeit mit Meat Loaf („Bat Out Of Hell“) bekanntgeworden war.
Steinman produzierte ihr rocklastiges Album „Faster Than The Speed Of Night“ und schrieb für sie die Powerballade „Total Eclipse of the Heart“. Die Single wurde Tylers größter Hit, erreichte Platz eins in Großbritannien und den USA und brachte ihr eine Grammy-Nominierung ein.
Steinman komponierte für sie auch den Kulthit „Holding Out for a Hero“. Der kraftvolle Song aus dem 80er-Tanzfilm „Footloose“ mit Kevin Bacon entwickelte sich zu einer der bekanntesten Rockhymnen der Popgeschichte und ist ein echter Evergreen.
Die von Desmond Child geschriebene Single „If You Were a Woman (And I Was a Man)“ war nur mäßig erfolgreich. Child schrieb den Song später ein wenig um und machte daraus den Bon-Jovi-Hit „You Give Love A Bad Name“. Nicht das einzige Mal, dass ein von Tyler gesungenes Lied erst später zündet.
Bis heute gilt das 1988 veröffentlichte Album „Hide Your Heart“ als rätselhafter Misserfolg. Es enthielt die Singles „The Best“, die erst durch Tina Turner weltberühmt wurde, und „Save Up All Your Tears“, mit der Cher und Robin Beck große Erfolge feierten. Dauerhaft in Amerika etablieren konnte sich Bonnie Tyler trotz einzelner Hits nicht.
In den 1990er Jahren konzentrierte sich Tyler verstärkt auf den europäischen Markt und arbeitete unter anderem mit Dieter Bohlen zusammen, der drei ihrer Alben produzierte. 2013 vertrat sie Großbritannien mit ihrer unverwechselbaren Reibeisenstimme beim Eurovision Song Contest und sprach trotz eines enttäuschenden 19. Platzes von einer „wundervollen“ Erfahrung.
Privat fand Tyler ihr Glück fernab des Rampenlichts. Seit 1973 ist sie mit dem ehemaligen britischen Judoka Robert Sullivan verheiratet. „Wir reisen überall zusammen hin“, sagte sie einst über das Geheimnis ihrer langen Ehe. Auch bei Konzerttourneen begleitet ihr Mann sie stets.
Rund 30 Konzerte sind für den Sommer eigentlich geplant, mehr als die Hälfte davon in Deutschland. Im dpa-Interview schwärmte Bonnie Tyler vor einigen Jahren, wie sehr ihr die Auftritte Spaß machen. „Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen.“











