Literaturpreis
Autorin Wunnicke mit Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet

Die Autorin Christine Wunnicke ist von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung bei einem Festakt in Darmstadt mit dem Georg-Büchner-Preis 2026 ausgezeichnet worden. „Ich danke herzlich für den wunderbaren Büchner-Preis. Ich bin immer noch perplex“, sagte Wunnicke am Abend im Staatstheater. Der seit 1951 vergebene und mit 50.000 Euro dotierte Preis zählt zu den wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum.
Streichen macht sie am liebsten
„Was ich beim Schreiben am liebsten tue und am besten kann, ist streichen“, sagte Wunnicke in ihrer Dankesrede. Deshalb seien ihre Bücher irgendwann so kurz geworden. Als sie die Dankesrede geschrieben habe, habe sie auch angefangen zu streichen und am Schluss sei nur ein Satz übriggeblieben. Da habe sie sich entschlossen, lieber Büchner zu lesen und sich in die Bahn zu setzen. „Ich lese oft im öffentlichen Nahverkehr, weil ich mich da so gut konzentrieren kann.“ Sie erzählte von ihren Beobachtungen von Menschen und ihrer Umwelt. „Es grassiert ein entsetzlicher Müßiggang“, bilanzierte sie. Sie wolle immer auf alles schauen und staunen.
Jury sah „subtilen Sprachwitz“
Christine Wunnicke werde für ihr stets überraschendes und souverän konzipiertes Erzählwerk geehrt, hatte die Jury der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung die Entscheidung begründet. Wunnickes brillante Kunst mache im vermeintlich Historischen das Fiktionale sichtbar und ermögliche so einen entlarvenden Blick auf die europäische Wissenschafts- und Kolonialgeschichte. „Wie nur selten vereinen sich in diesen Romanen, getragen von subtilem Sprachwitz und dem Verzicht auf Selbstreferenz, das Unterhaltende und die anspruchsvolle Reflexion auf so großartige wie diskrete Weise.“
Namhafte Vorgänger
Zu den bisherigen Preisträgern gehören Max Frisch (1958), Günter Grass (1965) und Heinrich Böll (1967) sowie zuletzt Oswald Egger und Ursula Krechel. Namensgeber ist der Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner („Woyzeck“). Er wurde 1813 im Großherzogtum Hessen geboren und starb 1837 in Zürich.
Weitere Preisträger geehrt
Die Wissenschaftshistorikerin Anke te Heesen wurde bei dem Festakt mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa ausgezeichnet. Der Autor und Literaturkritiker Helmut Böttiger bekam den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay. Beide Preise sind mit 20.000 Euro dotiert.









