Bundeswehr
Kommandeur der Bayerwald-Kaserne gibt Einblick in aktuelle Herausforderungen

Manuela Lang
Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich und der Kommandeur der Bayerwald-Kaserne, Sean Papendorf, sprachen über die aktuelle Lage.

Die Bundeswehr steht vor großen Herausforderungen und die Sicherheitslage wird ernster. Um zu erfahren, wie die Situation vor Ort ist, hat sich Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich in der Bayerwald-Kaserne in Regen mit dem Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 112, Sean Papendorf, getroffen.
In einer Präsentation stellte der Kommandeur dem Bezirkstagspräsidenten die vier aktuellen Kernaufgaben und Herausforderungen vor, die das Bataillon derzeit simultan bewältigen muss: zum einen der Personalaufwuchs und die Rekrutierung von neuen Nachwuchskräften. Da Regen keine eigene Grundausbildungskompanie besitzt, erfolgt die Ausbildung direkt in den regulären Kompanien im laufenden Betrieb - was eine Herausforderung für den Standort sei.
Parallel müsse auch die Einsatzbereitschaft des Bataillons sichergestellt werden, etwa durch intensives, regelmäßiges Training an den Schützenpanzern, um den Erfahrungs- und Wissensstand der Soldaten hochzuhalten. Bei einer Alarmierung hätte man maximal 30 Tage Zeit, um die Kompanien nach Litauen an die Nato-Ostflanke zu verlegen. Für diesen Ernstfall habe man detaillierte Pläne ausgearbeitet, um sofort einsatzbereit zu sein. Und zuletzt kommen noch neue Anforderungen beim Thema Digitalisierung und Innovation hinzu. Hier geht es um die Erprobung von neuen Systemen - etwa auch Drohnen - sowie vernetzte Kommunikation und neue Datenstrukturen.
Zu wenige Rekruten kommen aus der Region
Erfreut zeigte sich Papendorf über die aktuell positive Personalquote und deren Entwicklung im Verband. Zuletzt brachen nur vier von 50 Anfängern die Basisausbildung ab. Nachwuchs wird über Aktionstage wie den „Tag der Schulen“ mit 1.300 Schülern oder das „Edelweißcamp“ mit 50 Teilnehmern geworben. Das Durchschnittsalter der Auszubildenden liegt bei 20 Jahren. Sorge bereitet dem Kommandeur jedoch die Herkunft der Rekruten: Über 50 Prozent der Nachwuchskräfte reisen aus mehr als 200 Kilometern Entfernung an. Künftig soll daher die Kooperation mit regionalen Einrichtungen verstärkt und für die finanziellen Vorzüge - wie Führerscheinzuschüsse und Zulagen - geworben werden.
Hierbei steht die Bundeswehr in der Region allerdings in starker Konkurrenz zu den erfolgreichen mittelständischen Unternehmen. Neben der finanziellen Motivation prägt die Bundeswehr junge Menschen auch darin, dass sie neben Ausbilder auch als Erzieher fungieren. Besonderen Wert lege der Kommandeur auf die politische Bildung der Soldaten zur Verankerung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, die neben Rechten auch Pflichten umfasst.
Im Diskurs über die Bedrohungslage unterschied er klar zwischen Frieden und Freiheit: Freiheit stehe höher, da Frieden auch in Autokratien wie Nordkorea existieren könne, dort jedoch keine Freiheit herrsche. Dass Bürger in Deutschland auch gegen die Bundeswehr demonstrieren dürfen, bezeichnete er als paradebeispielhaftes Zeichen einer funktionierenden freiheitlichen Demokratie: „Wir kämpfen auch dafür, dass man gegen uns sein darf.“
Infrastruktur-Ausbau und Sozialstaatsreform
Hinsichtlich der Infrastruktur bezeichnete der Kommandeur Regen als „Insel der Glückseligen“. Neben modernem Material wie dem Schützenpanzer Puma S1, dem Sturmgewehr 95 und neuen Drohnen entstehen derzeit neue Unterkunftsgebäude mit Einzelzimmern und eigenen Bädern für die Masse der Soldaten des Verbandes. Ab 2028 stehen in Regen sogar mehr Betten als akut benötigt bereit, was den Standort nachhaltig sichert. Zudem wird an einem eigenen Bahnanschluss auf dem Standortübungsplatz gearbeitet, um schweres Gerät im Ernstfall direkt über die Schiene zur NATO-Ostflanke zu transportieren.
Mit Blick auf die Notwendigkeit von Einsatzbereitschaft unterstrich er: „Lieber bin ich gut vorbereitet und muss nicht in den Einsatz gehen als umgekehrt.“ Entsprechend betont er auch die Wichtigkeit der Unterstützung für die Ukraine: „Alle, die in Deutschland gegen eine Unterstützung der Ukraine sind, weil sie befürchten, dass dort deutsche Soldaten eingesetzt werden könnten, müssen sich klar darüber sein, dass nach dem Fall der Ukraine vermutlich recht schnell sehr viele deutsche Soldaten nach Litauen geschickt werden - weil Russland dann neue Kapazitäten frei hat.“
Abschließend verwies der Bezirkstagspräsident darauf, dass mit dem Sinken der Verteidigungsausgaben nach 1990 die Ausgaben für Soziales schnell angestiegen seien. „Nun stehen wir vor der umgekehrten Situation.“ Deshalb seien nun dringend sinnvolle Einsparungen im Sozialbereich notwendig. „Wir brauchen eine umfassende Reform unseres Sozialstaates“, ist Olaf Heinrich überzeugt. Nur so könne langfristig sichergestellt werden, dass „die wirklich Bedürftigen dauerhaft weiter unterstützt werden können“.








