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Was wurde eigentlich aus... klassisch alten Verpackungen?

Ihr kennt mit Sicherheit den Spruch: "Ja, ja aber damals hieß ja Twix auch noch Raider." Eine etwas seltsame Zeitangabe. Besonders, weil sich das immer so anhört, als wäre der Namenswechsel schon verstaubte 50 Jahre her. Stimmt aber gar nicht. 1991 wurde laut dem virtuellen Markenmuseum Raider weltweit in Twix geändert. Warum ich nachgelesen habe?
Nun, es ist wirklich nicht so, dass ich einen Hang zu nostalgischen Schwärmereien habe (nicht sehr jedenfalls, außer es geht um Kinderserien - Wer kennt noch Grisu? Oder Kimba, den weißen Löwen? Oder Alfred J. Kwak?). Allerdings kam vor kurzem jemand an, um sich lautstark über eine neue Keksverpackung zu grämen.
"Die waren früher rot und jetzt sind die blau! Da schau!" Ja, die Packung ist jetzt blau, die empörte Miene des Grämenden, geht eher ins rötliche. Mir ist die Farbe der Packung ja ziemlich mehr als egal, aber der Grämer zieht alle Register: "Ja, das ist doch furchtbar! Wie sieht denn das aus? Das ist fast so, wie damals mit Raider - oder wie mit Duplo, die waren mal viel schöner!" Ich gucke ihn bloß an und hebe eine Augenbraue. Er kam sich daraufhin alt vor und ich relativ jung. Während der Grämer ziemlich frustriert die alten Kekse aus der neuen Verpackung herausgemampft hat, hat mein Denkapparat zu rotieren begonnen. Ich habe mich gefragt, warum jemandem eine Verpackung derart viel bedeutet. Daraufhin habe ich erst mal versucht, mich an alte Verpackungen zu erinnern.
Nostalgie liegt in der Luft
Mir fiel die Styroporschachtel ein, in der das matschigen Fast-Food-Drama früher immer lag. Als Kind gefiel mir das Knirschen der Schachtel urgut. Da hab' ich auch nicht an Umweltschutz gedacht und noch nicht gewusst, dass das da drin definitiv kein gutes Essen ist. Da ich nun erinnerungstechnisch über das Aufklapp-Geräusch dieser weißen Schachtel nicht hinauskam, hab' ich getan, was ein interessierter Mensch 2010 in so einem Fall tut: Ich habe gegoogelt. Und dabei bin ich auf dieses virtuelle Museum gestoßen.
Und dort hab' ich sie gesehen, die alten Werbungen und die alten Logos aus der Schwarz-weiß- und Sepiazeit. Alle sind sie dort, der erste lustigen Frosta-Fisch, das Langnese-Kind, das eine lange Nase zeigt, der Hustinetten-Bär und natürlich, gebührlich und gar keine Frage, das Raider/Twix. Ich habe mir die Anfänge der Werbung und deren Entwicklung angesehen, und glaube nun zu verstehen, warum jemandes Herz an Verpackung hängen kann.
"Früher war alles besser!"
Erstens mal stinken die neuen Logos/Werbungen/Verpackungen gegen die alten zumeist wirklich ab. Früher war dieser ganze Kram einfach gemütlicher. Nicht so aggressiv, nicht so laut, nicht so auf Zwang durchgestylt. Ein Kind, das eine lange Nase zeigt, ist doch nun wirklich lustiger und netter, als so ein auf modern gemachtes Strichlogo, oder? Allerdings funktioniert die neue Werbung anscheinend ja auch. Weiß Konsument, warum.
Zweitens denk' ich mir, dass die Leute an altem Produktkram hängen, weil das Erinnerungen und Emotionen weckt. Weil man sich vielleicht an den Sarotti-Mohr erinnert, der bloß an Weihnachten im Wohnzimmer stand (Weihnachten/Geschenke plus Schokolade = Himmel für Kinder). Oder weil jemand noch ganz genau weiß, wie er sich mit seinen ersten fünf Mark, die er fürs Rasenmähen bekommen hat, ein Steckerleis gekauft hat, woraufhin die süße Annie aus seiner Klasse ihn gefragt hat, ob sie mal schlecken darf und ihm für das Schlecken ein Bussi gegeben hat. Und dann lächelt dieser jemand verträumt und denkt an Zeiten in denen er noch jünger war und in denen die Welt im weichen Licht der Verklärung eh viel besser war, so wie das Leben an sich auch.
Da bleibt mir nur noch zu sagen: "Ja, ja aber damals hieß ja Twix auch noch Raider."










