Bayern bis Bulgarien

Projekt „Donau online“: Der Fluss als Lebensader der Demokratie

Seit Jahrtausenden beeinflusst die Donau die Länder, die an sie grenzen. Gerade hier ist sie eine zentrale Verbindung für Demokratieförderung, wie „Donau online“ und Schulprojekte vor Ort zeigen.

Dóra Hegedüs, Mariana Silitrari und Maksym Khudyntsev (von links).

Dóra Hegedüs, Mariana Silitrari und Maksym Khudyntsev (von links).

Wie wichtig die Donau ist? So bedeutend, dass ihr die Leipziger Buchmesse in diesem Jahr einen Schwerpunkt gewidmet hat. Der Titel: „Donau – Unter Strom und zwischen Welten“. In Buchpräsentationen, Gesprächen und Podiumsdiskussionen ging es darum, wie sehr die Donau die Menschen verbindet oder wie stark der Fluss sie trennt und wo Konflikte, aber auch Gemeinsamkeiten zu finden sind.

Derzeit scheint die Donau nämlich eher abzugrenzen, als zu verbinden – zumindest, wenn man auf die politische Ausrichtung einiger Anrainerstaaten blickt. Das zu ändern, ist seit 2011 Ziel von „Donau online“. Das Projekt hat sich dem Austausch und der Demokratieförderung in den Staaten entlang des Flusses verschrieben. Ein zentraler Bestandteil davon: die Arbeit an Schulen. Klassen sollen sich begegnen, Lehrer vernetzen und die Identifikation mit dem Donauraum wachsen, erklärt Rolf Ackermann, der „Donau online“ vom Kultusministerium Baden-Württemberg aus betreut. Denn nicht nur Bayern ist durch den Fluss geprägt, die Donau entsteht in unserem Nachbarbundesland.

Drei Jugendliche, die in Osteuropa Demokratie ganz anders erfahren

Auf der Leipziger Buchmesse zeigten drei junge Menschen aus dem Osten Europas, wie der schulische Austausch entlang der Donau aussehen kann: Maksym Khudyntsev, 17 Jahre, aus der Ukraine, Dóra Hegedüs, 18 Jahre, aus Ungarn, und Mariana Silitrari, 21 Jahre, aus Moldau. Eine Gemeinsamkeit der drei: Demokratie wird in ihrer Heimat anders gelebt als beispielsweise in Deutschland. Da ist der Staat Moldau, eine junge Demokratie, in der die Arbeit der Behörden aber oft hinter verschlossenen Türen stattfindet, wie Mariana erzählt. Oder Ungarn, ein Staat, dem der Umgang mit Demokratie schwerfällt, aus dem Dóra berichtet. Und die Ukraine, eine Demokratie, die hinter den Kriegsalltag zurücktritt und aus der Maksym stammt.

Die Freiheit, die Demokratie ermöglicht, ist eine Erfahrung, die alle drei außerhalb ihrer Heimatländer gemacht haben. Und eine, die sie gerne mit dahin zurücknehmen. „Die Demokratie muss geschützt werden“, findet Maksym. Mariana ergänzt: „Ich weiß jetzt, dass es so etwas wie konstruktive Kritik gibt und dass man sie äußern kann. Demokratie ist ein Privileg.“ Das findet auch Dóra: „Werte wie Meinungs- und Religionsfreiheit sollten selbstverständlich sein.“

Projekte vor Ort – auch bei uns in der Region

Wie wichtig gerade die Schulen für die demokratische Entwicklung sind, zeigen auch zwei Projekte aus Straubing: ein Wahl-O-Mat für die Kommunalwahl, den Schülerinnen des Ursulinen-Gymnasiums entwickelten, sowie die jährlich stattfindende Straubinger Demokratiekonferenz, die ihren Anfang mit Studiendirektor Wolfgang Sättler vom Johannes-Turmair-Gymnasium nahm. Hier setzen sich Straubinger Schüler mit aktuellen Gefahren für demokratische Gesellschaften auseinander. Die Freistunde-Redaktion begleitet das Format eng.

Den Wahl-O-Mat zur Kommunalwahl koordinierte Lehrer Fabian Schmidbauer: „Unseren Schülerinnen wurde während der Arbeit überhaupt erst bewusst, was ein Landrat oder ein Kreistag überhaupt machen.“ Gerade für die Demokratie vor Ort sei die Vorbildung in der Schule also sehr wichtig. Was ihn zusätzlich freut: Von Politikverdrossenheit war bei seinen Schülerinnen nichts zu spüren, was aber vielleicht auch daran liegt, dass Gesellschaft und Politik in seiner Schule schon ab der achten Klasse ein Thema sind. Es lohnt sich also, so früh wie möglich damit anzufangen.

Mehr Infos zu „Donau online“ gibt es unter https://www.donau-online-projekt.de/. Hier können auch Schulen anfragen, die sich am Projekt beteiligen wollen.

Das Römerkastell Sorviodurum stand einst dort, wo sich heute die Kirche St. Peter in Straubing befindet.

Das Römerkastell Sorviodurum stand einst dort, wo sich heute die Kirche St. Peter in Straubing befindet.

Eine kleine Geschichte der Donau

Die Verbindung zwischen Donau und Straubing lässt sich einfach zusammenfassen: ohne Fluss keine Stadt. Denn als die Römer die Gebiete um das heutige Straubing besiedelten, war die Donau ein Teil des Grenzwalls, des Donaulimes, zwischen dem Weltreich und den Barbaren. Um die Überquerung des Flusses zu sichern, entstand Sorviodurum, das Kastell von Straubing. Es befand sich einst dort, wo heute die Kirche St. Peter und der historische Friedhof sind.

Neben der Wirkung als Grenzwall kam den Straubingern zugute, dass die Donau gut für den Schiffsverkehr geeignet ist. Um diesen an das Herzogsschloss zu bringen und damit auch Zölle verlangen zu können, wurde die Donau im 15. Jahrhundert schrittweise näher an die Stadt verlegt. Gleichzeitig wurde damit auch die Stadtverteidigung gestärkt. Straubing entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem wichtigen Umschlagplatz für Salz, Holz und andere Waren. Durch den Fluss, der ganze Nationen miteinander verbindet, kamen unterschiedliche Güter an die Stadt heran.

Und auch heute ist die Donau weiter wichtig, auch wenn Flugverkehr, Züge und Lastwagen ihr viel von der Bedeutung als Verkehrsroute abgenommen haben. Ob es tatsächlich den Ludwig-Donau-Main-Kanal gebraucht hätte, den König Ludwig I. Mitte des 19. Jahrhunderts bauen ließ, wird bis heute kräftig diskutiert. Immerhin begann nur wenig später der Siegeszug der Bahn. Wirtschaftlich bedeutender ist der Rhein-Main-Donau-Kanal, den man als Nachfolger des Ludwig-Donau-Main-Kanals sehen kann. Er entstand zwischen 1960 und 1992, verbindet die wichtigsten Flüsse Deutschlands und ermöglicht es, von der Nordsee direkt bis zum Schwarzen Meer zu fahren.

Zurück nach Niederbayern: Heute ist Straubing mit dem Hafen Straubing-Sand nach wie vor ein bedeutender Logistikstandort an der Donau. 1975 wurde nach zwei Jahren Vorbereitung der örtliche Zweckverband gegründet, 1994 erfolgte der Spatenstich für den Hafen, zwei Jahre später die Eröffnung. Mittlerweile werden mehrere Millionen Tonnen Güter pro Jahr umgeschlagen. Entscheidend für den Schiffsverkehr ist auch die Staustufe Straubing.

Mindestens genauso wichtig wie die Verkehrsader Donau ist für die Stadt Straubing aber auch der Schutz vor den negativen Folgen des Flusses. Zunächst schützten vor allem Dämme wie die Sossauer Bschlacht die Stadt vor Hochwasser, im 19. Jahrhundert wurde sie ersetzt. Die Alte Donau, also der Teil der Donau, der im 15. Jahrhundert durch die Verlegung abgetrennt wurde, ist heute ein Naherholungsgebiet.

Und auch der Tourismus hat die Donau für sich entdeckt. Neben Frachtschiffen gibt es zahlreiche Passagierschiffe, die den Fluss befahren und für die Reisenden an seinen versch

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