Musik-Tipp

In „Scarlet“ rebelliert Doja Cat gegen die Musikindustrie

Unzählige „Scarlets“ begleiten Doja Cats Auftritte.

Unzählige „Scarlets“ begleiten Doja Cats Auftritte.

Darum geht’s: Das Werk ist das komplette Gegenteil zu ihren vorherigen Alben - düster, gruselig und teils sehr Rap-lastig. Mehr als nur einmal schlüpft die 30-Jährige für die Musikvideos, wie bei „Paint the Town Red“ oder „Demons“, in Kostüme von Dämonen und Gruselgestalten. Eine blutrote Version ihrer selbst, „Scarlet“ genannt, wird im Song „Attention“ zugleich eine alternative Persönlichkeit und die Namensgeberin des Albums. Durch all diese Entscheidungen scheint es fast verständlich, dass viele Doja Cat vorwarfen, sie sei nicht mehr die alte und habe ihre Seele an den Teufel verkauft. Genaue Blicke auf die Lieder geben aber einen komplett anderen Blickwinkel: Sie zeigen eine Frau, die endlich ihre eigene Kunst erschaffen möchte.

Das Lied „Attention“ thematisiert, wie die Öffentlichkeit und Industrie ihren veränderten Klamottenstil und ihr Aussehen bemängeln. Sie geht dabei auch auf parasoziale Beziehungen von Fans zu Künstlern ein. Grund dafür war die Aussage, dass die Sängerin ihren Hörern angeblich nicht genug Liebe zeigen würde. Ihre Reaktion („Ich kenne euch nicht einmal“) sorgte online für große Aufregung und kostete sie Tausende von Followern. Nachdem Doja jahrelang als perfekter Popstar verkauft wurde, kritisiert sie in „Fuck the Girls“ auch die Musikindustrie. Schlagwörter wie Misogynie und ständige Vergleiche von weiblichen Künstlerinnen fallen hier oft.

„Paint the Town Red“ und „Demons“ zeigen die ironische Art von Doja Cat, die Fans schon immer lieben. Als Dämon oder Metzgerin verkleidet, macht sie sich über die Aussagen der Öffentlichkeit lustig. Neben diesen härter klingenden Songs zeigt die US-Amerikanerin aber auch eine andere Seite von sich: Zwischen entspannten Melodien vergleichen Metaphern im Song „Balut“ toxische Cancel-Culture (jede Aussage wird bewertet und kritisiert) mit einem Vogel, der lebendig verspeist wird. Verträumte Lieder wie „Agora Hills“ erinnern mit sanften Beats an ihre Vorgänger-Alben und fühlen sich wie ein kitschiger Teenager-Film an, in dem die Welt noch friedlich und ruhig wirkt.

Das Besondere: Das Album kann in zwei Abschnitte unterteilt werden. Die ersten fünf Songs sind praktisch eine Evolution des Stils ihrer vorherigen Alben, begleitet von teils bewusst übertrieben düsterem Rap. Die restlichen zehn Songs zeigen eine andere, ungewohnte Seite, die deutlich experimenteller ist. Teils verschmelzen verschiedene Genres wie Jazz, R&B oder Chill-Hop in einem Lied, was das Album musikalisch unglaublich divers macht.

Fazit: Eine Menge Kontroversen und Schockmomente haben „Scarlet“ zu einem Werk gemacht, das vielen Menschen vor allem online in Erinnerung geblieben ist. Im Zentrum des vermutlich bewusst geplanten Chaos steht jedoch ein Album, das endlich die richtige Doja Cat repräsentiert. Sie zeigt: Das zu tun, worauf man als Künstlerin Lust hat, sollte immer an erster Stelle stehen. Trotz vieler negativer Meinungen darüber ist das ihr längst überfälliger Schritt zur Freiheit.

„Scarlet“ von Doja Cat, erschienen bei Kemosabe Records als CD, Vinyl sowie auf allen gängigen Musikplattformen.

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