Brauchtum

„Maibaum Hunters“: Serie über das Maibaum-Klauen in Bayern im BR

Der Maibaum-Klau ist die vielleicht spannendste bayerische Tradition. Jetzt zeigt der BR eine Serie darüber - allerdings mit unnötigem Schnickschnack.

Zum 1. Mai werden wieder überall in Bayern Maibäume aufgestellt. (Archivbild)

Zum 1. Mai werden wieder überall in Bayern Maibäume aufgestellt. (Archivbild)

Von dpa

Schwarz gekleidete Männer schleichen sich im Schutz der Dunkelheit an, hochkonzentriert, stets bereit, zuzuschlagen - und immer auf der Hut vor dem Feind. Was klingt wie eine paramilitärische Aktion, ist im Grunde auch eine, nur das Ziel ist vergleichsweise friedlich: Man will doch nur den Maibaum der Nachbargemeinde.

Im April hat der Maibaum-Klau - oder der entsprechende Versuch - in Bayern wieder Hochkonjunktur. Überall sprießen „Maibaumstüberl“ aus dem Boden, in denen die Dorfgemeinschaft den zum Schatz stilisierten Stamm bewacht, angeführt meist von den für den Baum zuständigen „Burschenvereinen“.

Gefahr lauert in den Wochen bis zum 1. Mai überall. Und gelingt es den Nachbarn tatsächlich, den Baum zu stehlen, ist nicht etwa das Bier, das gezahlt werden muss, um ihn auszulösen, der größte Schaden - sondern die jahrelange Schmach.

Es gibt meist einen großen Maibaum an zentralen Plätzen der Ortschaften - aufwendig dekoriert und vor dem Aufstellen gut bewacht. (Symbolbild)

Es gibt meist einen großen Maibaum an zentralen Plätzen der Ortschaften - aufwendig dekoriert und vor dem Aufstellen gut bewacht. (Symbolbild)

„Attacke, Attacke, Licht ist aus!“

Das ist doch ein großartiger Stoff für eine Dokumentation, dachte sich offenbar der Bayerische Rundfunk. Von diesem Freitag (17. April) an sind fünf Folgen der Doku-Serie „Maibaum Hunters“ in der ARD-Mediathek zu sehen, im BR-Fernsehen dann am 30. April.

Darin treten drei oberbayerische Teams gegeneinander an. Während sie ihren eigenen Baum bewachen, müssen sie versuchen, so viele Maibäume wie möglich zu stehlen. Frei nach dem Motto: „Was ist unser Sport? - Langholztransport.“

„Attacke, Attacke, Licht ist aus!“, ist einer der ersten Sätze der Dokumentation, gebrüllt von einem Mann in die Dunkelheit hinein. Unterstützt werden die Teams bei ihren Einsätzen von drei Influencern, die das Ganze, darunter nach BR-Angaben „verwegene Beutezüge bei Nacht und Nebel“, auf ihren Social-Media-Kanälen dokumentieren.

Dabei bricht die Moderatorin Julia Nageler, die auf Instagram „Tschuggi“ heißt, ein in die von „Burschenvereinen“ geprägte Männerdomäne. Sie tritt mit den „Unterföhringer Burschen“ an, die zu Legenden des Maibaumklaus wurden, als es ihnen 2015 gelang, den Baum vom Münchner Viktualienmarkt zu stehlen. Zur Rückgabe des Maibaums gab es damals sogar eine Pressekonferenz.

Leider auch Schnickschnack

Leider verlässt sich die BR-Serie aber nicht auf die zahlreichen Kuriositäten, die das bayerische Brauchtum per se schon zu bieten hat. Sie heizt den Wettbewerb mit semi-unterhaltsamen Spielchen wie dem Bierkistenstapeln an und fügt damit Schnickschnack hinzu, wo keiner gebraucht wird. „Diese Serie zeigt eine von vielen Varianten des Maibaum-Brauchs. Einige Elemente wurden für die Produktion angepasst oder ergänzt“, heißt es in einer Art Vorwarnung zu Beginn der Serie. „Wir erheben nicht den Anspruch, den vielfältigen Brauch in all seinen Facetten und regionalen Besonderheiten darzustellen.“

Maibäume werden nicht nur traditionell seit Jahrhunderten in Bayern, sondern auch in anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen aufgestellt - als ein Symbol für Frühling und Fruchtbarkeit. Es gibt meist einen zentralen großen Baum fürs Dorf oder als etwas kleinere Exemplare für geschätzte Ehrenamtliche. Und so mancher Verliebte und Liierte verbindet damit eine Liebeserklärung oder gar einen Heiratsantrag.

Der Baum wird komplett oder knapp bis zur Spitze von seinen Ästen befreit, der Stamm oftmals aufwendig dekoriert und etwa mit Dorfwappen oder einem Schild mit Botschaft versehen.

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