Nukleare Abschreckung
Ischinger: Deutschland als „Brückenbauer“ bei Atomschirm

Elisa Schu/dpa
Wolfgang Ischinger leitet die Münchner Sicherheitskonferenz, die vom 13. bis 15. Februar stattfindet.
Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, wirbt für eine stärkere Beteiligung Europas an der atomaren Abschreckung der Nato und sieht dabei eine besondere Rolle Deutschlands. Frankreich und Großbritannien könnten mit ihren Atomwaffen deutlich stärker als bisher an dem bisher weitgehend von den USA getragenen nuklearen Schutzschirm des transatlantischen Bündnisses beitragen, sagte Ischinger der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn so etwas stattfinden würde, wäre das an die Russen, an die Amerikaner, an die Chinesen ein Zeichen europäischer Selbstbehauptung.“
Deutschland könne dabei die Rolle eines „Brückenbauers“ zwischen Europa und den USA einnehmen, der sicherstelle, dass solche Überlegungen „in Washington nicht in den falschen Hals geraten“, sagte Ischinger. „Denn es könnte ja sein, dass die Amerikaner sagen: Ach, die verbünden sich jetzt mit den Franzosen, dann sind unsere Atomwaffen als Abschreckung nicht mehr nötig. Das muss man verhindern.“
Großbritannien und Frankreich sind die beiden einzigen europäischen Atommächte. Die nukleare Abschreckung der Nato basiert aber weitgehend auf den Atomwaffen der USA, von denen Schätzungen zufolge noch etwa 100 fest in Europa stationiert sein sollen. Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte Deutschland und anderen EU-Partnern bereits 2020 während der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump Gespräche über eine europäische Kooperation bei der atomaren Abschreckung angeboten. In Deutschland stieß er damit aber zunächst auf kaum Resonanz.
„Ich habe persönlich nicht verstanden, warum nicht schon Kanzlerin Merkel (CDU) oder Kanzler Scholz (SPD) ihre Berater oder den Generalinspekteur der Bundeswehr nach Paris geschickt haben mit dem Auftrag: "Prüft bitte ernsthaft, was die Franzosen hier vorschlagen"“, sagte Ischinger. „Ich glaube, das sollte jetzt stattfinden. Und zwar nicht nur als deutsch-französische Initiative.“ Solche Gespräche müssten aber vertraulich und „nicht auf dem Marktplatz“ geführt werden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte das Gesprächsangebot Macrons nach seinem Amtsantritt im Mai angenommen.








