Tod des Freie-Wähler-Chefs
Hubert Aiwangers politisches Leben in Bildern

Hubert Aiwanger wurde 1971 in Ergoldsbach geboren. 2006 wurde er Landesvorsitzender der bayerischen Freien Wähler, 2010 Bundesvorsitzender. Trotz des politischen Aufstiegs galt Aiwanger bis zuletzt als ein heimatverbundener Mensch. Laut Bürgermeister Laurentius Seidl sei er im Ort sehr präsent gewesen. „Egal welche Veranstaltungen, so wie es ihm möglich war, war er immer da, hat mit den Leuten gesprochen.“ Er wohnte auf einem Bauernhof in Rahstorf, einem Ortsteil der 8.500-Einwohner-Stadt Rottenburg an der Laaber.

Sven Hoppe/dpa
Aiwanger 2018 mit Ministerpräsident Markus Söder nach Unterzeichnung des Koalitionsvertrages. Aiwanger war ab da stellvertretender Ministerpräsident.
Mit Hubert Aiwanger an der Spitze mauserten sich die Freien Wähler in Bayern von einer landes- und bundespolitisch irrelevanten Partei zur mittlerweile zweitstärksten Kraft im Bayerischen Landtag. Zwei Jahre, nachdem Aiwanger den Landesvorsitz übernahm, zogen die Freien Wähler erstmals mit 10,2 Prozent als drittstärkste Kraft in das Maximilianeum ein. 2018 dann der große Wurf: mit dem bis dato historisch besten Wahlergebnis von 11,6 Prozent zogen die Freien Wähler nicht nur erneut in den Landtag ein, sie bildeten eine Regierungskoalition mit der CSU. Aiwanger stieg zum stellvertretenden Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister auf.
Aufsehen erregte Aiwanger im Juni 2023 bei einer Kundgebung in Erding, als er vor 13.000 Leuten gegen das Heizungsgesetz der damaligen Ampel-Regierung wetterte. Durch den Satz: "Jetzt ist der Punkt erreicht, wo endlich die schweigende große Mehrheit dieses Landes sich die Demokratie wieder zurückholen muss", löste er eine Kontroverse aus, bei der ihm Populismus und AfD-nahe Rhetorik vorgeworfen wurden.
Aiwanger drohte kurz darauf vor den Landtagswahlen 2023 der Rausschmiss. Ein antisemitisches Flugblatt, das zu Schulzeiten bei ihm gefunden wurde, kam an die Öffentlichkeit. Aiwanger räumte zwar ein, das Flugblatt in seiner Schultasche gehabt zu haben, bestritt aber, der Verfasser des Pamphlets gewesen zu sein. Das sei sein Bruder gewesen. Weiter unterstellte er den Medien eine Schmutzkampagne.

Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Trotz der Flugblatt-Affäre blieb Aiwanger im Amt – und die Freien Wähler fuhren ein weiteres Rekordergebnis ein.
Trotz aller Kontroversen um das Flugblatt fuhren die Freien Wähler bei der darauffolgenden Wahl mit 15,8 Prozent erneut ein Rekordergebnis ein. Aiwanger blieb Minister und Söders Vize, die Koalition mit der CSU wurde erneuert.

Ulli Scharrer
Gern auf Volksfesten gesehen: Hubert Aiwanger. Hier bei der Eröffnung des Gäubodenvolksfestes 2024.
Aiwanger und Bierzelt: Das passte zusammen. Auf Volksfesten, Gründungsfesten von Feuerwehren, Schützen- und Sportvereinen beispielsweise war Aiwanger ein gerne und oft gesehener Gast. 2024 eröffnete er gemeinsam mit Bayerns Verkehrsminister Bernreiter das Straubinger Gäubodenvolksfest. Aiwanger galt als „Volksfest-Politiker“ der alten Schule. Dort, wo die Leute zusammenkamen, war auch Aiwanger. Wegbegleiter berichten davon, dass Aiwanger nicht selten bis zu später Stunde in den Festzelten blieb und dabei stets das Gespräch mit den „kleinen Leuten“ suchte.
Auf der Bühne fühlte Aiwanger sich wohl. Politische Wegbegleiter wie Gegner erkannten sein rhetorisches Talent. Seine Reden oft frei, ohne Notizen, über eine Stunde lang, am Ende mit durchgeschwitztem Hemd, hochrotem Kopf und anklingender Heiserkeit. Aiwanger galt als jemand, der nicht davor zurückschreckte, mit seinen Aussagen anzuecken, zu polarisieren und zu provozieren. Das machte ihn bei seinen Anhängern so beliebt, bei seinen Gegnern umso streitbarer. Neben Markus Söder galt Aiwangers Auftritt Jahr für Jahr als Höhepunkt des Politischen Gillamoos in Abensberg. In diesem Jahr polterte er bei seinem unter anderem gegen die EU („Ursula von der Leyen, Manfred Weber, arbeitet ihr in Brüssel eigentlich für deutsche Interessen oder China?“), schimpfte auf „linke Leistungsverweigerer aus Berlin“ und teilte gegen die Medien aus, die in Talkshows über Unsinn diskutieren würden, wie zum Beispiel, darüber, „dass man jungen Menschen erklärt es 72 Geschlechter gibt, aber nicht, wie sie zu einem Eigenheim kommen.“

Johannes Wiest
Als Wirtschaftsminister besuchte Aiwanger regelmäßig andere Länder mit Wirtschaftsdelegationen. Hier in China.
In seiner Funktion als Bayerns Wirtschaftsminister reiste Aiwanger nach China oder in die USA, um dort Kontakte zu pflegen, Möglichkeiten auszuloten, was für die bayerische Wirtschaft funktionierte. Dabei blieb er jedoch auch ganz er selbst. In China beispielsweise begrüßte er jeden Gesprächspartner, ganz gleich die Herkunft, mit einem „So, Hallo“.












