Alarmplan Fluss

Darum ist die Hitze für Main und Donau kritisch

Der Main heizt sich immer weiter auf. (Symbolbild)

Der Main heizt sich immer weiter auf. (Symbolbild)

Von dpa

Das Wasser des Mains erwärmt sich in diesen heißen Tagen in atemraubendem Tempo - die Lage ist äußerst angespannt. Auch für die mit Gletscherwasser gespeiste Donau sind die Aussichten nicht erbaulich. Ein Überblick:

Gerade für den unteren Main zwischen Würzburg und Kahl am Main spitzt sich die Lage zu. „Die kritischste Ecke ist der Großraum Kitzingen, Würzburg, Erlabrunn“, erklärt Gewässerökologin Eva-Barbara Meidl von der Wasserwirtschaft der Regierung von Unterfranken in Würzburg. „Die Wassertemperaturen erreichen ein Niveau, das einem Angst macht.“

In dieser Region sinke die Temperatur des Flusses auch nachts nicht mehr unter 26 Grad, tagsüber sei man teils bei mehr als 27 Grad. Optimal wären zu dieser Jahreszeit 20 bis 25 Grad. „Vor sechs Tagen hatten wir noch 20 Grad“, berichtet Meidl.

Auch das Wasser der Donau wird wärmer. (Archivbild)
Auch das Wasser der Donau wird wärmer. (Archivbild)
Auch das Wasser der Donau wird wärmer. (Archivbild)
Beim Paddeln sollte nicht zu viel Sediment aufgewirbelt werden. (Symbolbild)
Beim Paddeln sollte nicht zu viel Sediment aufgewirbelt werden. (Symbolbild)
Beim Paddeln sollte nicht zu viel Sediment aufgewirbelt werden. (Symbolbild)

Auch für den oberen Main von Bamberg bis nach Würzburg könnte es bis Sonntag kritisch werden. „Die Situation hat sich sehr schnell zugespitzt, innerhalb von nicht mal einer Woche“, sagt Meidl.

Der Main ist mehr als 520 Kilometer lang, knapp 408 Kilometer davon führen durch Bayern. Anders als die Donau hat der Main sehr viele Staustufen, etwa 30. An diesen fließt das Wasser langsamer und kann sich leichter erhitzen.

Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt erwärmt sich der Fluss gerade in Schwaben besonders - einige Messstationen an der oberen Donau zeigen Werte von mehr als 24 und teils auch 25 Grad. Flussabwärts Richtung Passau ist es nicht wirklich kühler.

Die Donau ist oft noch ein bisschen kühler als der Main, weil sie von Flüssen gespeist wird, die aus den Alpen kommen.

„Wenn so etwas sich über längere Zeit hinzieht, dann haben wir ein echtes ökologisches Problem“, sagt Gewässerökologin Meidl. Dann könnten Tiere in größerer Zahl sterben und der Sauerstoffgehalt sinken. Auch für die Algen werde es dann kritisch. Noch sei der Sauerstoffgehalt im Main aber gut.

„Die erste Tiergruppe schwächelt schon etwas“, erklärt Meidl. Sie spricht von winzig kleinen Krebsen, sechs bis sieben Millimeter groß. „Die sind jetzt schon apathisch unterwegs.“

Forellen, Zander und Hecht mögen es eher kühl, karpfenartige Fische vertragen es auch wärmer. Ein großes Fischsterben befürchtet die Expertin derzeit noch nicht, aber gestresst seien die Tiere allemal. Sie suchten daher schattige Plätze auf und begäben sich zum Atmen an die Oberfläche. „Wenn es natürlich so heiß bleibt und keine Abkühlung kommt, dann kann es für die Fische durchaus ein Problem werden, spätestens übers Wochenende oder Anfang nächster Woche.“

Wenn Flusswasser zu heiß ist, kann das gleich mehrere negative Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt haben. Es setzt nicht nur den Eiweißen der Zellen zu, sondern raubt den Lebewesen auch wichtigen Sauerstoff. Denn wenn es sehr warm ist, können Algen stark wachsen, sterben dann aber schnell massenhaft ab - und dieser Abbauprozess verbraucht Sauerstoff. Um diese Gefahren für Flora und Fauna in heißen Sommern zu reduzieren, gibt es für Main und Donau je einen Alarmplan.

Seit Wochenbeginn greift der Alarmplan Main: Das heißt, dass die Behörden die Lage ganz genau beobachten. Temperatur und Sauerstoffgehalt des Flusses werden intensiver kontrolliert. Wird der Fluss noch wärmer, hat das Konsequenzen etwa für Unternehmen, die Wasser in den Main leiten.

Auch für die Donau - 380 Kilometer von ihr befinden sich im Freistaat - existiert ein solcher Alarmplan. Allein in der bayerischen Donau leben 60 Fischarten, 135 Vogelarten brüten zudem in den Auen.

Die Regierungen in Unterfranken und der Oberpfalz informieren bei steigenden Wassertemperaturen frühzeitig Nutzer der Flüsse - Unternehmen, Schifffahrtindustrie und Behörden. Sie sind im Alarmfall dazu angehalten, beispielsweise kein erwärmtes Wasser mehr einzuleiten. Die Städte und Gemeinden sollen in dieser kritischen Zeit auf Kanalspülungen und Ähnliches verzichten.

Gewässerökologin Meidl appelliert an alle, die die Flüsse etwa für Bootsfahrten oder zum Baden nutzen: Nehmt Rücksicht! Wer paddelt, sollte möglichst am Ufer kein Sediment aufwirbeln. Denn diese mit Nährstoffen behafteten Sedimente lassen Bakterien und Pilze im Wasser tüchtig arbeiten. Das verbraucht viel Sauerstoff, das den Fischen und Mikroorganismen dann fehlt.

Öffentliche Badestellen sind kein Problem, da sich kleine Fische dort ohnehin nicht tummeln. Ruhigere Bereiche im Fluss sollten Badende dagegen möglichst meiden, weil sich Fische dorthin zurückziehen: Ihre Suche nach Rückzugsräumen kommt nämlich zunehmend einem Überlebenskampf gleich.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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