150 Jahre Festspiele

Bayreuth-Publikum wird mit KI-„Ring“ nicht warm

Mit der «Götterdämmerung» endete die von KI inszenierte Tetralogie «Der Ring des Nibelungen». (Handout)

Mit der «Götterdämmerung» endete die von KI inszenierte Tetralogie «Der Ring des Nibelungen». (Handout)

Von dpa

Eine kaum nachvollziehbare Collage an Bildern hat bei den Bayreuther Festspielen auch die „Götterdämmerung“ begleitet. Geschaffen wurde das Bühnenbild des vierten und letzten Teils des „Ring des Nibelungen“ mit Hilfe Künstlicher Intelligenz. Beim Publikum kam das Experiment großteils nicht gut an: Am Ende gab es lautstarke Buh-Rufe und Pfiffe, als Kurator Marcus Lobbes und sein Team die Bühne betraten.

Der Unmut aus dem Zuschauerraum galt jedoch nicht der gesamten Aufführung: Solisten, Chor und insbesondere der musikalische Direktor, Christian Thielemann, wurden bejubelt und kräftig beklatscht.

Im Jubiläumsjahr beschritten die Festspiele mit dem KI-„Ring“ einmal mehr neue Wege und setzten auf neue Technologie. Die von Projektoren auf die Bühne geworfenen Bilder zeigten teils Szenen früherer „Ring“-Inszenierungen, teils historische Motive. Die Bilder überlagerten sich, wurden verfremdet und verzerrt. Teilweise nahmen sie aber auch die Sicht auf die Sänger, die weitgehend statisch auf der Bühne standen.

Die KI griff dabei auf eine von Lobbes, dem Direktor der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund, und seinem Team getroffene Bildervorauswahl zurück. Was die Technik daraus auf die Bühne zauberte, stellte das Publikum jedoch vor Rätsel. So tauchten neben einem Foto mit Alt-Kanzler Helmut Kohl auch die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 qualmenden Twin Towers in New York und eine Sonderbriefmarke zur deutschen Wiedervereinigung auf.

Ein besseres Händchen hatte die KI, wenn sie dramatische Farbenspiele auf die Bühne projizierte - da rätselte der Zuschauer weniger über Inhalt und Daseinsberechtigung des Bildes. In den Pausen war die KI-Inszenierung das große Gesprächsthema: von „Bildersalat“ war die Rede, kritisiert wurde eine fehlende Regie.

Unter den Besuchern war auch Entertainer und Neu-Wagnerianer Harald Schmidt. Der langjährige TV-Moderator ging mit dem KI-„Ring“ nicht ganz so hart ins Gericht. Seiner Ansicht nach war die Bildfolge bei der „Götterdämmerung“ schon ruhiger als noch beim „Rheingold“. Wahrscheinlich lerne die KI dazu, sagte er der Deutschen Presse-Agentur und ergänzte: „Ich vermisse aber schon auch ein bisschen Requisite. Ein Schwert wäre schön, ein Speer, ein Amboss, irgendeine Form von Tarnkappe.“ Es sei zwar ein Experiment, sagte Schmidt. „Ich glaube aber, dass man sich dann doch freut, wenn es wieder eine richtige Inszenierung ist, wenn auch gespielt wird.“

Bei dem etwas beliebigen Bilder-Allerlei wirkte die hochdramatische Musik umso stärker. Besonders gefeiert wurden Klaus Florian Vogt als Siegfried, Mika Kares als Hagen und Camilla Nylund als Brünnhilde. Zusammen mit dem Chor, den weiteren Solisten und dem von Thielemann geleiteten Orchester machten sie das apokalyptische Finale von Richard Wagners „Ring“ zum musikalischen Genuss.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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