Arbeitsmarkt
Arbeitslosigkeit nimmt weiter zu - 2026 Erholung erwartet

Irena Güttel/dpa
Im Dezember steigt die Arbeitslosigkeit: Betriebe stellen vor dem Jahresende weniger ein und in der kalten Jahreszeit gibt es weniger Außenjobs.
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Dezember im Vergleich zum Vormonat um 23.000 auf 2,908 Millionen gestiegen. Das sind 101.000 mehr als im Dezember 2024, wie die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum November um 0,1 Punkte auf 6,2 Prozent.

Daniel Löb/dpa
2026 wird nach Ansicht von BA-Chefin Andrea Nahles für den Arbeitsmarkt ein Jahr mit Licht und Schatten.
Dass die Arbeitslosigkeit im Dezember zunimmt, ist üblich. Vor dem Jahresende stellen Unternehmen erfahrungsgemäß weniger neue Beschäftige ein. Zudem gibt es in der kalten Jahreszeit weniger Außenjobs etwa im Baugewerbe oder der Landwirtschaft.
Doch im Zuge der wirtschaftlichen Schwäche habe sich der Arbeitsmarkt im Laufe des Jahres schrittweise in eine ungünstige Richtung entwickelt, sagte Nahles weiter. „Unter dem Strich steht er schwächer da als vor einem Jahr. Es deutet aber einiges darauf hin, dass wir die Talsohle erreicht haben.“
Im Dezember ging die Nachfrage nach Arbeitskräften weiter zurück. 619.000 offene Stellen waren bei der Bundesagentur gemeldet und damit 35.000 weniger als vor einem Jahr.
Für 41.000 Beschäftigte meldeten Betriebe den Zahlen zufolge vom 1. bis 29. Dezember konjunkturelle Kurzarbeit an. Wie viele diese tatsächlich in Anspruch nehmen, steht damit aber nicht fest. Aktuellste hochgerechnete Daten dazu liegen bis Oktober 2025 vor: Demnach wurde für 203.000 Beschäftigte Kurzarbeitergeld gezahlt. Das sind 15.000 mehr als im Vormonat, aber 56.000 weniger als im Oktober 2024.
Im Zuge der wirtschaftlichen Schwäche habe sich der Arbeitsmarkt im Laufe des Jahres schrittweise in eine ungünstige Richtung entwickelt, sagte Nahles weiter. „Unter dem Strich steht er schwächer da als vor einem Jahr.“ Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung - die Menschen in Maßnahmen wie Integrationskursen erfasst - nahmen im Zuge der anhaltenden Wirtschaftsschwäche ihr zufolge das dritte Jahr in Folge zu.
„Dem Arbeitsmarkt fehlt aktuell der Rückenwind“, erklärte der Deutsche Gewerkschaftsbund. „Wer den Arbeitsmarkt wirklich in Fahrt bringen will, muss den Fokus auf kluge Wirtschaftspolitik legen.“ Dazu müsse die Bundesregierung die Sozialpartner für einen gemeinsamen Plan einbinden.
Vor allem in der Industrie kostete die Konjunkturflaute Jobs, während im öffentlichen Dienst, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im öffentlichen Dienst die Beschäftigung weiter zunahm - allerdings ausschließlich in Teilzeit, wie Nahles betonte. Im Laufe des Jahres sei das Beschäftigungswachstum zum Stillstand gekommen und liege mit rund 35 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Oktober 2025 in etwa auf dem Niveau des Vorjahres.
Die Nachfrage nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei weiterhin gering, sagte Nahles. 619.000 offene Stellen waren bei der Bundesagentur im Dezember gemeldet und damit 35.000 weniger als vor einem Jahr. „Im ablaufenden Jahr wurden uns so wenig Stellen neu gemeldet wie noch nie seit der Jahrtausendwende“, sagte Nahles.
Die Chancen für Arbeitslose, einen neuen Job zu finden, stehen damit denkbar schlecht. Das gelte für Junge, für Alte, für Fachkräfte und für gering Qualifizierte gleichermaßen, sagte Nahles. Die Arbeitslosenquote unter Akademikern liege jedoch bei rund 3 Prozent, bei Menschen mit Schulabschluss bei etwa 21 Prozent. Vier von fünf der gemeldeten Stellen seien für Fachkräfte ausgeschrieben. Nichts schütze besser vor Arbeitslosigkeit als eine gute Qualifikation, betonte Nahles.
2025 nahm auch die Kurzarbeit laut den BA-Zahlen wieder zu. Seit zwei Monaten sei wieder ein Anstieg zu verzeichnen, sagte Nahles. Den aktuellsten hochgerechneten Zahlen nach wurde im Oktober 2025 für 203.000 Beschäftigte Kurzarbeitergeld gezahlt, für 15.000 mehr als im Vormonat. „Das dürfte sich auch kurzfristig nicht ändern.“ So meldeten Betriebe vom 1. bis 29. Dezember für 41.000 Beschäftigte Kurzarbeit an. Wie viele diese in Anspruch nehmen, zeigt sich aber erst später.
Dennoch deutet aus Sicht von Nahles einiges darauf hin, dass die Talsohle auf dem Arbeitsmarkt erreicht ist. Die Prognosen erwarten ihr zufolge für 2026 eine konjunkturelle Belebung. „Nimmt die Wirtschaft Fahrt auf, erholt sich auch der Arbeitsmarkt mit zeitlicher Verzögerung“, sagte sie. Im Jahresverlauf sei dann erstmals seit drei Jahren ein leichter Rückgang der Arbeitslosigkeit möglich - jedoch nicht vor Mitte des Jahres 2026.
Deutliche Spuren wird jedoch der demografische Wandel 2026 auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. Dadurch stehen laut Nahles 40.000 Erwerbstätige weniger zur Verfügung. „Trotz der aktuellen Lage am Arbeitsmarkt wird sich der Fachkräftemangel in vielen Branchen auch deswegen fortsetzen.“








