Warenhauskette

Marketing-Experte: „Galeria wird nicht mehr gebraucht“

Die Warenhauskette Galeria hat 83 Filialen in rund 70 Städten.

Die Warenhauskette Galeria hat 83 Filialen in rund 70 Städten.

Von dpa

Nach Bekanntwerden der angespannten finanziellen Lage der Warenhauskette Galeria zweifelt der Marketing-Experte Martin Fassnacht an deren Zukunft. „Ich bin sehr pessimistisch. Die Frage ist doch: Wer würde Galeria vermissen? Auf Kundenseite fast niemand“, sagte der Professor für Strategie und Marketing an der Düsseldorfer Wirtschaftshochschule WHU. „Ich bedaure, das zu sagen, aber Galeria wird nicht mehr gebraucht.“

Fassnacht sprach von einem „Trauerspiel“, auch für die 12.000 Beschäftigten. Diese müssten sich nach drei Insolvenzen innerhalb kurzer Zeit erneut Sorgen um ihre Jobs machen und nach neuen Beschäftigungsmöglichkeiten umschauen. Er zeigte sich skeptisch, dass Galeria die Wende gelingt. „Wenn die Sehnsucht so groß wäre, würden doch viel mehr Menschen dort einkaufen. Dann wäre das Unternehmen nicht schon wieder in Schwierigkeiten.“

Der Experte sieht dafür mehrere Gründe. Die Kette habe kein Konzept. Zudem kauften immer mehr Menschen online ein - vor allem Produkte, die auch bei Galeria angeboten würden, wie etwa Mode. Fassnacht zufolge gibt es im stationären Einzelhandel durchaus erfolgreiche Geschäftsmodelle. Als Beispiele nannte er Action und Müller. Beide hätten ein klares Konzept und einen Wettbewerbsvorteil. Müller sei „eine Drogerie mit Warenhaus-Charakter“ und breitem Zusatzsortiment aus Parfümerie, Spielwaren, Schreibwaren und Medien, sagte Fassnacht. Der Discounter Action böte einen Schnäppchen- und Entdeckungsreiz, der Kunden dazu bringe, regelmäßig vorbeizukommen.

Kürzlich war bekanntgeworden, dass Galeria zahlreiche Vermieter um eine Stundung der Mietzahlungen gebeten hat. Das Unternehmen begründete dies mit Schwankungen der Liquidität und bestätigte zudem, von seinem Minderheitsgesellschafter Bain Capital einen neuen Kredit erhalten zu haben. Einige Vermieter beklagten, dass Mietzahlungen zuletzt ausgeblieben waren.

Ein Ersuchen um Stundung sei „keine normale kaufmännische Routine“, sagte der Sanierungsexperte Manfred Hunkemöller. Er geht davon aus, dass bei Galeria derzeit der Jahresabschluss erstellt wird. Wirtschaftsprüfer erwarteten einen Nachweis, dass ein Unternehmen auch in den kommenden zwölf Monaten seine fälligen Verbindlichkeiten bezahlen könne.

„Da Vermieter zu den größten Gläubigern eines Warenhauses zählen, kann eine Stundung genügen, um eine sonst möglicherweise bestehende, offene Lücke zu schließen.“ Den Kredit bezeichnete er als „Tropfen auf den heißen Stein“. Hunkemöller ist Honorarprofessor mit den Fachgebieten Sanierungs- und Insolvenzmanagement an der International School of Management in Dortmund.

Bereits im März hatte Galeria angekündigt, mittelfristig auslaufende Mietverträge von acht Standorten neu zu verhandeln. Das Unternehmen räumte dabei ein, dass weitere Filialschließungen möglich sind. Derzeit betreibt Galeria 83 Filialen. Anfang 2024 hatte die Kette erneut Insolvenz anmelden müssen. Neun Häuser wurden daraufhin geschlossen.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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