Konflikt Tesla und IG Metall

Alles oder nichts? Betriebsratswahl im Tesla-Werk Grünheide

Im Tesla-Werk nahe Berlin wird ein neuer Betriebsrat gewählt – es geht aber um mehr. (Symbolbild)

Im Tesla-Werk nahe Berlin wird ein neuer Betriebsrat gewählt – es geht aber um mehr. (Symbolbild)

Von dpa

Ein Gespenst geht um im einzigen Tesla-Autowerk in Europa. Am Montag beginnt die Betriebsratswahl in Grünheide bei Berlin, die nach Ansicht des US-Elektroautobauers eine Richtungswahl ist: Es geht um nichts weniger als die Frage, ob die Fabrik weiter ausgebaut wird oder nicht. Tesla-Chef Elon warnt kurz vor der Wahl davor, dass er nicht kommen könnte. Dahinter steht der tiefe Konflikt zwischen der IG Metall und dem Unternehmen.

Der Tesla-Chef wandte sich per Videobotschaft persönlich an die Belegschaft in Brandenburg, um indirekt vor der Gewerkschaft zu warnen. „Die Dinge werden sicherlich schwieriger, wenn es sozusagen externe Organisationen gibt, die Tesla in die falsche Richtung drängen“, sagte Musk in der Botschaft, die im Portal X veröffentlicht wurde. „Wir werden die Fabrik nicht schließen, aber realistisch gesehen werden wir auch nicht erweitern.“ Werksleiter André Thierig war extra zu Musk in die USA gereist, um ihn zu interviewen.

Der Werksleiter der Tesla-Fabrik in Grünheide, André Thierig, hält die Betriebsratswahl für bedeutsam. (Archivbild)
Der Werksleiter der Tesla-Fabrik in Grünheide, André Thierig, hält die Betriebsratswahl für bedeutsam. (Archivbild)
Der Werksleiter der Tesla-Fabrik in Grünheide, André Thierig, hält die Betriebsratswahl für bedeutsam. (Archivbild)
Die IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen setzt sich für einen Tariflohn bei Tesla in Grünheide ein, den die Werksleitung ablehnt.
Die IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen setzt sich für einen Tariflohn bei Tesla in Grünheide ein, den die Werksleitung ablehnt.
Die IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen setzt sich für einen Tariflohn bei Tesla in Grünheide ein, den die Werksleitung ablehnt.

Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer hält die Äußerung für eine „Drohung ohne Substanz“. „Den Ausbau der Gigafactory Berlin sehen nur wenige Leute“, sagte Dudenhöffer der Deutschen Presse-Agentur. „Tesla tut sich sehr schwer.“ Es gebe Überkapazitäten und Schwierigkeiten bei der E-Mobilität in den USA. „Nach meiner Einschätzung hat Tesla den Anschluss im Automobilgeschäft verpasst. Die Innovationen fehlen im Vergleich zu den agilen chinesischen, aber auch zu den deutschen Autobauern.“

Der Werksleiter deutete eine Richtungswahl bereits im Dezember an: „Sie entscheidet darüber, ob wir auch in Zukunft unabhängig, flexibel, und unbürokratisch unseren Erfolgsweg weitergehen können“, sagte Thierig. „Ich kann mir persönlich nicht vorstellen, dass die Entscheidungsträger in den USA den Ausbau der Fabrik weiter vorantreiben, wenn die Wahl mehrheitlich Richtung IG Metall ausfällt.“

Die Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg öffnete vor knapp vier Jahren im Beisein von Musk. Seitdem wurde die Fabrik stetig ausgebaut, das soll weitergehen. Die erste Teilgenehmigung für den Ausbau der Produktion hat Tesla erhalten. Das Projekt liegt wegen der Marktlage aber auf Parkposition. Im Dezember kündigte der Autobauer an, die Voraussetzungen für eine Fertigung kompletter Batteriezellen in Deutschland ab 2027 zu schaffen.

„Wir haben jetzt mit der Produktion der Batteriezellen begonnen und werden die Produktion des Model Y ausweiten, insbesondere um die Zulassung für das überwachte autonome Fahren zu erhalten“, sagte Musk. „Als nächstes großes Produkt halte ich den Tesla Cybercab für das wahrscheinlichste Ziel.“ Denkbar seien auch der Roboter Optimus und der Elektro-Lkw Semi. Tesla beschäftigt in Grünheide rund 11.000 Menschen, etwa 1.700 weniger als vor zwei Jahren. Das Unternehmen spricht von normalen Schwankungen und stabiler Lage und verweist auf zahlreiche Märkte, die beliefert werden.

Bei der Betriebsratswahl vor zwei Jahren stellte die IG Metall die größte Gruppe, die Sitzmehrheit ging aber an nicht gewerkschaftlich organisierte Vertreter. Betriebsratschefin Michaela Schmitz tritt mit der Liste „Giga United“ erneut an.

Die IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen setzt sich für einen Tariflohn ein. „Bei dieser Wahl geht es um bessere Arbeitsbedingungen in der Gigafactory und um einen Betriebsrat, der die Interessen der Beschäftigten am wirkungsvollsten vertritt“, meint Bezirksleiter Jan Otto. Die Mitglieder forderten Gleichstellung mit den Kolleginnen und Kollegen in allen anderen Autowerken in Deutschland.

Vor wenigen Tagen eskalierte der Konflikt: Bei der jüngsten Betriebsratssitzung im Februar kam die Polizei. Tesla warf einem Gewerkschaftssekretär der IG Metall vor, er habe die Sitzung mit Laptop heimlich mitgeschnitten und erstattete Strafanzeige. Die Gewerkschaft wies das zurück, sprach von Schmutzkampagne und reagierte ebenfalls mit Strafanzeige - wegen übler Nachrede. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) nahm in beiden Fällen Ermittlungen auf.

Es gibt auch ein positives Signal: Tesla und die IG Metall einigten sich vor dem Arbeitsgericht Frankfurt/Oder im juristischen Streit um die Vorwürfe nach der Betriebsratssitzung und schlossen einen Vergleich: Beide Seiten verpflichteten sich, bestimmte Äußerungen bis zum Abschluss der Betriebsratswahl am Mittwoch (4. März) nicht zu wiederholen.

Tesla sieht sich gestärkt. „Bei den Vorwürfen gegenüber dem IG Metaller handelt es sich demnach keinesfalls um eine "kalkulierte Lüge" und um fingierte Vorwürfe, um die Wahlen zu beeinflussen“, so das Unternehmen. „Deswegen ist es der Gewerkschaft auch vorerst untersagt, diese Behauptungen zu wiederholen.“ Bezirksleiter Otto kritisierte: „Sie stänkern und sticheln.“ Er betonte: „Der IG Metall-Kollege hat die Betriebsratssitzung am 10. Februar nicht aufgezeichnet.“

Nicht nur bei Tesla wird das Ergebnis der Wahl mit Spannung verfolgt. Wie stark wird die IG Metall, wie stark die Giga-United-Gruppe? Was heißt das für den Ausbau? Musk entwarf in seiner Videobotschaft das Ziel, das Werk zu erweitern, um es zum „größten Fabrikkomplex in Europa“ zu machen - die Unterstützung der Behörden und der Bevölkerung vorausgesetzt.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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