WM in Rotterdam

Russlands Turn-Star Melnikowa und die Kontroverse um Visa

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Ohne Visa: Angelina Melnikowa (M) und Anna Kalmykowa (l). (Archivbild)

Ohne Visa: Angelina Melnikowa (M) und Anna Kalmykowa (l). (Archivbild)

Von dpa

Arsenii Duchno hatte eigentlich allen Grund zur Freude, lief aber trotzdem mit sauertöpfischer Miene und wortlos aus der Arena. Zum Auftakt der Turn-Weltmeisterschaften in Rotterdam hatte der 18-Jährige seine Riege aus Russland mit dem in der Zwischenwertung drittbesten Ergebnis im Einzel-Mehrkampf wie erwartet in die Top-Ränge des Team-Wettbewerbs geführt. Immerhin konnte die Mannschaft, die wie bei den Europameisterschaften im August in Zagreb als „World Gymnastics 2“ in den Ergebnislisten steht, in bester Besetzung antreten - im krassen Gegensatz zum Frauen-Team.

Denn ausgerechnet drei der weltbesten Turnerinnen aus Russland fehlen in der Ahoy Arena. Mehrkampf-Welt- und -Europameisterin Angelina Melnikowa, die EM-Zweite Anna Kalmykowa sowie Viktoria Listunowa, mit Melnikowa vor fünf Jahren in Tokio Team-Olympiasiegerin, erhielten kein Visum für die Niederlande.

Politische Empörung in Russland

Die Empörung darüber ist in Russland bis in höchste politische Kreise groß. „Ich möchte Sie daran erinnern, dass unsere Turnerinnen, denen die Niederlande die Einreise verweigert haben, zu den weltbesten gehören und dorthin gereist sind, um zu gewinnen. Jeder, der sich auskennt, weiß das“, sagte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow. Dies seien Versuche einzelner Länder, den Verlauf von Wettkämpfen zu beeinflussen, indem sie die Besten absichtlich von der Teilnahme ausschließen.

Auch in Rotterdam wird die Entscheidung der niederländischen Behörden kontrovers diskutiert. Immerhin geht es bei dem Championat bereits um die ersten Startplätze bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. Die besten drei Teams sind fix für 2028 qualifiziert. Die russische Frauen-Riege galt als sicherer Medaillenkandidat.

„Ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht, was ich fühle; innerlich möchte ich weinen. Aber irgendwie hatte ich es geahnt, weil mir irgendetwas in mir es gesagt hat“, erklärte Melnikowa in einem Instagram-Video.

„Einer oder mehrere Staaten des Schengen-Raums halten die Sportlerinnen für eine Bedrohung für ihre internationalen Beziehungen“, hieß es in einer Mitteilung des russischen Verbandes. Die 26-jährige Melnikowa versuchte sich daraufhin in Galgenhumor. „Das ist es, was die Niederlande als Bedrohung für die internationalen Beziehungen betrachten“, schrieb der Turn-Star auf Instagram zu einem Mannschafts-Foto von den EM in Zagreb, das auf sie und die 18 Jahre alte Kalmykowa zoomt.

Schon beim Championat in Kroatien hatte es Visa-Probleme gegeben. Dort aber konnten Melnikowa und Kalmykowa antreten - wenngleich die Visa erst sehr kurzfristig erteilt worden waren und nicht alle für alle Nominierten. Die Probleme seien „nach andauernden Gesprächen zwischen der kroatischen Regierung, dem kroatischen Turnverband und dem europäischen Turnverband“ gelöst worden, hatte European Gymnastics damals mitgeteilt.

Ähnliche Bemühungen des Turn-Weltverbandes (Fig) waren nun nicht von Erfolg gekrönt. Die Visa-Vergabe obliege allein den niederländischen Behörden. „World Gymnastics kann daher nicht erklären, warum einige Anträge abgelehnt wurden“, so der Weltverband. Man stehe weiterhin im Dialog mit den niederländischen Behörden, dem lokalen Organisationskomitee und dem Russischen Turnverband.

Melnikowas Kandidatur in Woronesch

„World Gymnastics bedauert zutiefst die negativen Auswirkungen auf die Vorbereitungen der russischen Delegation und die dadurch entstandene Verwirrung innerhalb der gesamten Turn-Weltmeisterschaftsgemeinschaft.“ Und Fig-Generalsekretär Nicolas Buompane erklärte am Tag vor WM-Beginn, man habe „alle Anstrengungen unternommen, die niederländische Regierung davon zu überzeugen, allen Athleten Visa auszustellen“.

Melnikowa war 2025 als parteilose Kandidatin für die Partei „Geeintes Russland“ von Wladimir Putin zur Kommunalwahl in ihrer Geburtsstadt Woronesch angetreten. Nach der gewonnenen Vorwahl zog sie ihre Kandidatur jedoch zurück und begründete dies damit, dass der Wahlkampf nicht mit ihrer Vorbereitung auf internationale Wettkämpfe vereinbar sei. Sie sagte aber auch: „Ich habe wertvolle Erfahrungen in der Vorbereitung auf meine Kandidatur für die Duma gesammelt.“ Die Duma ist das russische Parlament.

Weltverband hatte Sanktionen aufgehoben

Ungeachtet der Diskussionen um die verweigerten Einreisegenehmigungen dürfen die russischen Teams wie in Zagreb auch in Rotterdam nur ohne Flaggen, Hymne und jegliche nationalen Symbole antreten und werden als „World Gymnastics 2“ geführt. Gleiches gilt für Belarus, das als „World Gymnatics 1“ antritt.

Die Sportler beider Nationen waren wegen des Angriffskrieges von Russland auf die Ukraine, bei dem Belarus als Unterstützer gilt, seit Februar 2022 von Wettkämpfen ausgeschlossen und durften unter bestimmten Voraussetzungen als neutrale Athleten starten. Im vergangenen Mai hatten der Weltverband und European Gymnastics alle Sanktionen aufgehoben.

In der Ahoy Arena treten die russischen Frauen an diesem Montag nun mit den Team-Europameisterinnen Alena Glotowa und Ljudmila Roschtschina sowie Elisaweta Us, Alexandra Anufrejewa und Zlata Osokina an.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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