Deggendorf
Früchtl, Herzig und Co.: Manfred Winter formt Torwarttalente

Charly Becherer
Manfred Winter leitet in Deggendorf das Torwarttraining. Im Hintergrund seine aktuellen Schützlinge Lukas Groll (von links) und Lorenz Becherer sowie seine ehemaligen Spieler Marius Herzig und Christian Früchtl.
Manfred Winter hat schon einige Torwarttalente auf ihrem Weg zu Profivereinen begleitet. Christian Früchtl und Marius Herzig sind zwei davon. An Silvester kam es in Deggendorf zum Wiedersehen.
Es war kurzfristig, sehr kurzfristig sogar. Am Freitagabend verabredete sich Manfred Winter (48) für den Silvestertag zum Torwarttraining auf dem Deggendorfer Kunstrasen. Angefragt hatte kein Geringerer als Christian Früchtl, Torwarttalent des FC Bayern München. Da er in den Weihnachtsferien in seiner niederbayerischen Heimat ist, wollte er mit seinem ehemaligen Torwarttrainer eine Einheit absolvieren. Weil Winter vergangene Woche in Österreich war, sah er die Nachricht erst am Freitagabend. Also musste es schnell gehen. Winter fragte bei den aktuellen Jugend-Torhütern Lorenz Becherer (U16) und Lukas Groll (U15) an, und auch der Waldkirchener Marius Herzig, der inzwischen im Nachwuchs von Bundesligist Eintracht Frankfurt spielt, kam zum Training nach Deggendorf.
Minus sechs Grad hatte es, der Boden war hart. "Wir haben ein ganz leichtes Torwarttraining gemacht", berichtet Winter. Zum einen stand bei der Einheit der Spaß im Vordergrund, außerdem wollte man kein unnötiges Verletzungsrisiko eingehen.
An der Seite von Manuel Neuer
Die beiden Torhüter aus dem Profinachwuchs haben seit ihrem Abschied aus Deggendorf einen beachtlichen Weg eingeschlagen. Christian Früchtl wechselte 2014 in den Nachwuchs des Rekordmeisters. Vergangenen Winter sorgte er überregional für Schlagzeilen, als er mit den Bayern-Profis ins Trainingslager reisen durfte. Seitdem trainiert der 16-Jährige regelmäßig an der Seite von Welttorhüter Manuel Neuer, im Sommer hat ihn der Verein mit einem Profivertrag ausgestattet und langfristig an sich gebunden.
Marius Herzig absolvierte in der vergangenen Saison sogar noch einen Teil der Vorbereitung in Deggendorf. Doch dann ging es ganz schnell. Bundesligist FC Ingolstadt hatte Bedarf und sicherte sich das Talent. Nach einem Jahr bei den Schanzern zog das Talent, das im Dezember 17 Jahre alt geworden ist, weiter zu Eintracht Frankfurt, wo der Waldkirchener aktuell zum U19-Kader gehört und auch schon bei den Profis mittrainieren durfte.
Beim gemeinsamen Training merkt Manfred Winter schnell, dass sich die beiden weiterentwickelt haben. "Vor allem in Sachen Dynamik haben sie sich verbessert", sagt der Torwarttrainer. Die Dynamik sei besonders bei Früchtl zu erkennen. "Das ist aber auch kein Wunder, wenn man zwei- oder dreimal in der Woche mit Manuel Neuer trainiert", sagt Winter und lacht.
Bestätigung der Arbeit
Natürlich freue er sich mit den Nachwuchsspielern über ihre Fortschritte und ihren Weg, sagt Winter. Auch ein bisschen stolz sei er, einen "kleinen Beitrag" zum Werdegang der Talente geleistet zu haben. Zwar sei es immer schade, wenn die Besten den Verein verlassen. "Aber das ist auch eine Auszeichnung für unsere Arbeit und zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind mit unserer Arbeit", betont er.
In Deggendorf ist Winter für das Torwarttraining von der ersten Mannschaft bis zur C-Jugend verantwortlich. Viele Keeper, die er trainiert hat, spielen inzwischen höherklassig. Einer seiner ersten Talente war Patrick Wiegers, der mittlerweile bei Zweitligist Dynamo Dresden unter Vertrag steht. Auch Maximilian Weber von Regionalligist TSV Buchbach oder Mathias Loibl von Bayernligist SpVgg Hankofen förderte er.
Bei Christian Früchtl habe man "immer gewusst, dass er mal ein richtig Guter" werde, blickt Winter zurück. Bei den meisten Torhütern könne man im Alter von 14 oder 15 Jahren in etwa einschätzen, ob es für mehr reicht. In diesem Alter befinden sich gerade Lorenz Becherer und Lukas Groll. Auf beide haben auch schon Profivereine ein Auge geworfen. "Ob es am Ende für den Profibereich reicht, weiß man nicht. Aber beide haben die Anlagen dazu, auf jeden Fall höherklassig zu spielen", so die Einschätzung Winters.
Trainieren mit Köpfchen
Bis ins C-Junioren-Alter achtet Winter bei den Torhütern vor allem auf die Torhütertechnik. "Die Bewegung, der Ablauf, das muss passen", sagt er. Besonders wichtig: "Ich will, dass die Torhüter bewusst trainieren. Sie sollen wissen, warum sie etwas tun." Später spielt dann auch die Dynamik eine immer wichtigere Rolle. Allerdings reicht mittlerweile das Torwartspiel alleine nicht mehr aus, auch fußballerisch müssen die Keeper die Grundlagen beherrschen.
Winter selbst war auch schon einmal für einen Profiverein tätig. Vor einigen Jahren hatte der VfB Stuttgart Marius Herzig im Blick und bat den Torwarttrainer, einmal pro Woche ein Training mit seinem Schützling abzuhalten. Zudem sollte Winter für den VfB die Talente im bayerischen Raum im Blick haben. Bei den Trainingseinheiten war damals auch Christian Früchtl dabei. So stand Winter damals mit Herzig und Früchtl auf dem Platz. So wie am Samstag, als es in Deggendorf das Wiedersehen in der Heimat gab.













