Paralympische Winterspiele
„Genial“: Forster holt erstes deutsches Gold bei Paralympics
Anna-Lena Forster riss im Zielraum den rechten Arm nach oben, winkte in die Kamera - und musste dann noch lange zittern. In einem Abfahrtskrimi gewann die 30 Jahre alte Monoskifahrerin zum Auftakt der Winter-Paralympics in Italien Gold auf der berühmten Tofana-Piste. Mit der Winzigkeit von 0,05 Sekunden Vorsprung siegte die deutsche Fahnenträgerin vor der Spanierin Audrey Pascual Seco. An gleicher Stelle hatte vier Wochen zuvor Emma Aicher olympisches Abfahrtssilber gewonnen.
„Einfach krass“, sagte Forster, als sie mit der deutschen Fahne über den Schultern in ihren Interview-Marathon startete. Für die Zollbeamtin ist es die erste Goldmedaille in der Abfahrt, nachdem sie in Peking Silber gewonnen hatte. Insgesamt ist es bei Paralympics ihr fünfter Erfolg nach je zwei Titeln im Slalom und in der Super-Kombination.
„Es ist so geil. Es ist einfach genial, dass es geklappt hat. Ich bin erleichtert, es ist so viel von mir abgefallen, weil ich heute Morgen doch den Druck gespürt habe. Geil, dass das Knappe heute auf meiner Seite war. Umso wertvoller ist die Medaille, weil ich die mir so hart erkämpft habe. Das macht mich unheimlich stolz“, sagte sie umringt von ihren feiernden Fans.
Der Tag nach der Eröffnungsfeier, die sie im Deutschen Haus im Fernsehen verfolgt hatte, begann für ihre Verhältnisse ungewohnt. „Mir war kotzübel. Ich wollte eigentlich gar nichts essen“, berichtete sie, „ich hätte nicht gedacht, dass ich aufwache und so nervös bin.“ Am Vorabend habe sie noch gedacht, alles sei im Lot und entspannt. Auch habe sie wegen der Aufregung nicht gut geschlafen. „Aber ich denke, das gehört auch dazu.“
Forster war als zweite Läuferin gestartet und mit ihrem Rennen alles andere als zufrieden. „Das Ergebnis ist perfekt, das Rennen selbst war sehr wild. Ich hatte ein paar Ausritte, bei denen ich dachte: Oh Gott, das darfst du dir eigentlich nicht leisten“, urteilte sie. Dass die vor ihr gestartete Niederländerin Barbara van Bergen gestürzt und das Rennen unterbrochen war, hatte darauf aber keinen Einfluss. „Ich weiß, wenn Barbara vor mit startet, kann das passieren, weil sie leider so eine Sturzpilotin ist“, sagte Forster.
Im Zielraum musste die nun fünfmalige Paralympicssiegerin lange warten, ehe nach der letzten Starterin ihr Erfolg feststand. „Hier unten zu stehen und zu warten, bis alle unten sind, ist echt aufregend“, bekannte sie. Als die Spanierin bei den Zwischenzeiten vorn lag, habe sie Gold eigentlich schon abgeschrieben. „Aber irgendwie unten raus hat es dann doch noch gereicht. Das war ein richtiger Krimi. Ich finde es unheimlich geil, wenn solche Rennen so laufen wie heute, wenn es so, so knapp ist“, meinte sie.
Bei frühlingshaften Temperaturen und Sonne im Langlaufstadion von Tesero konnte Deutschland gleich drei Bronzemedaillen im Biathlon bejubeln. Wenige Minuten nach dem Gold-Triumph von Forster landete Anja Wicker im Sprint trotz zweier Schießfehler - jeweils einen pro Anschlag - auf Platz drei. Der Sieg ging an Oksana Masters, eine US-Amerikanerin mit ukrainischen Wurzeln, vor ihrer Teamkollegin Kendall Gretsch. Beide blieben fehlerfrei.
„Ich habe die letzten Wochen davon geträumt, im ersten Rennen die Medaille zu holen. Unglaublich, dass ich es noch so spannend gemacht habe. Die letzte Runde war wirklich hart, aber ich bin super glücklich, dass es gereicht hat“, sagte die 34-jährige Wicker, „mit einer Cola werde ich bestimmt mal anstoßen.“ Teamkollegen zum Anstoßen wird sie nach zwei weiteren Bronzemedaillen im deutschen Team auf jeden Fall finden.
Denn auch Marco Maier jubelte im Sprint der stehenden Klasse über Bronze. Der 26-Jährige blieb am Schießstand fehlerfrei und rettete mit nur 0,2 Sekunden Vorsprung Rang drei ins Ziel - trotz Trainingsrückstands nach einer überstandenen Krankheit. Vor ihm kamen die Chinesen Jiayun Cai und Xiaobin Liu ins Ziel. „Ich kann es noch gar nicht richtig glauben. Ich bin einfach nur happy, gerade weil ich krank war“, sagte Maier glücklich.
Zum Abschluss des ersten Wettkampftages sicherte sich dann auch noch Leonie Walter mit ihrem Guide Christian Krasman in der Klasse der sehbehinderten Biathletinnen fehlerfrei Bronze hinter der Chinesin Yue Wang und Carina Edlingerova aus Tschechien. Wie Maier ging auch Walter bei den warmen Bedingungen in kurzer Hose an den Start. „Den Tipp mit der kurzen Hose müssen wir den anderen vielleicht noch geben“, scherzte die 22-Jährige.












