Fußball-Nationalmannschaft

Bundestrainer-Poker: Was wollen Klopp, DFB und Red Bull?

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Jürgen Klopp geht nicht ohne Bedingungen in die Bundestrainer-Gespräche. (Archivbild)

Jürgen Klopp geht nicht ohne Bedingungen in die Bundestrainer-Gespräche. (Archivbild)

Von dpa

Jetzt wird hart verhandelt. Mit der Reise der DFB-Spitze um Präsident Bernd Neuendorf und Liga-Boss Hans-Joachim Watzke in die USA geht der Bundestrainer-Poker um Jürgen Klopp in die heiße Phase. Doch was sind die Knackpunkte bei den anstehenden Verhandlungen? Es haben doch alle das gleiche Ziel. Jürgen Klopp soll und will die Fußball-Nationalmannschaft wieder auf Kurs bringen und die Fußball-Nation wieder glücklich machen.

Top-Favoriten hatte der DFB bei seiner oft sehr schwierigen Suche nach einem neuen Bundestrainer immer. Das war 2000 so mit Christoph Daum und 2004 mit Ottmar Hitzfeld - beide Personalien klappten aus unterschiedlichen Gründen doch nicht. Diesmal scheint alles leicht. Alle wollen Klopp und Klopp will auch. Und doch muss Neuendorf als Chefverhandler aufpassen.

Watzke und Klopp kennen sich bestens, doch hilft das bei den Verhandlungen? (Archivbild)
Watzke und Klopp kennen sich bestens, doch hilft das bei den Verhandlungen? (Archivbild)
Watzke und Klopp kennen sich bestens, doch hilft das bei den Verhandlungen? (Archivbild)
DFB-Präsident Bernd Neuendorf muss jetzt ein guter Verhandler sein. (Archivbild)
DFB-Präsident Bernd Neuendorf muss jetzt ein guter Verhandler sein. (Archivbild)
DFB-Präsident Bernd Neuendorf muss jetzt ein guter Verhandler sein. (Archivbild)
Oliver Mintzlaff (r.) hat die Interessen des Red-Bull-Konzerns im Blick. (Archivbild)
Oliver Mintzlaff (r.) hat die Interessen des Red-Bull-Konzerns im Blick. (Archivbild)
Oliver Mintzlaff (r.) hat die Interessen des Red-Bull-Konzerns im Blick. (Archivbild)

Natürlich geht es auch um die Finanzen. Unerschöpflich sind die DFB-Reserven trotz des ab 2027 gültigen Nike-Deals nicht. Alle wissen, dass Klopp seinen Preis haben wird, doch es geht um mehr als ein Millionen-Grundgehalt. Watzke sprach im ZDF schon von dem „leichten Patriotismus-Abschlag“, den er von Klopp erwarte. Das ist natürlich plakative Verhandlungsrhetorik. Es gilt auch, ein Geflecht an Sponsorverträgen zu entwirren. Klopps Adidas-Bande dürften sich nach dpa-Informationen immerhin bald auflösen.

Der DFB muss genau ausloten, was Klopps konkrete sportlichen Pläne sind. Wen bringt er für sein Team mit? Welche Befugnisse bekommt der neue starke Mann? Welche Einschnitte bedeuten diese für den Machtapparat am Campus in Frankfurt oder sogar bis in die regionalen Strukturen. Dort muss Neuendorf den Deal vertreten. Gemurre an der Basis kann sich der Verbandschef nicht leisten. Der Eindruck, sich einem Alphatier wie Klopp zu unterwerfen, darf nicht entstehen.

Nach drei verkorksten WM-Turnieren geht es für den DFB um die kurzfristige Heilung - sprich schnelle Erfolge schon im Herbst, wenn es in der Nations League gleich zweimal zum Prestigeduell mit Erzrivale Holland kommt. Doch die Einsicht ist vorhanden, dass auch grundlegenden Dinge angegangen werden müssen. Da ist Klopp, der bei Red Bull auch als globaler Trainer-Entlasser auffiel, dem DFB noch einen Konzept-Entwurf schuldig.

Klopp ist ganz bestimmt nicht naiv. So sehr es ihm schmeichelt, dass ihm allein die Rettung des deutschen Fußballs anvertraut werden soll. Bundestrainer. Dieses Amt, das durch die großen Namen von Sepp Herberger bis Franz Beckenbauer und vier WM-Sterne trotz aller jüngster Enttäuschungen immer noch strahlt. Das hat einen natürlichen Reiz auf jemanden, der wie Klopp immer nach dem Maximalen strebt.

Aber Klopp ist ein Vollprofi. Und er kennt das Geschäft so gut, dass er weiß, dass man sich in einem Konstrukt wie dem DFB auch verheddern kann. Er braucht Garantien und Gewissheiten. Welche Macht wird ihm zugestanden? Wie viele Gefolgsleute kann er an wichtigen Stellen platzieren? Und was sind neben einem schnellen Erfolg die langfristigen Möglichkeiten und Erwartungen.

Den FC Liverpool übernahm er 2015. Die Reds befanden sich da in einem ähnlich miserablen Zustand wie die DFB-Elf heute. Vier Jahre brauchte er, um den Traditionsclub wieder titeltauglich zu machen. Vier Jahre. Das wäre 2030. Das Jahr der nächsten WM. Was für eine verlockende Option. Er wird sich wohl im Gegensatz zu Julian Nagelsmann, der erstmal nur für ein EM-Projekt anheuerte, nicht auf ein kurzes Engagement einlassen wollen.

„Natürlich geht es um Struktur. Aber um etwas zu verändern, muss man zuallererst wissen, was wirklich passiert“, sagte er bei seiner zweiten Bundestrainer-Fragerunde als MagentaTV-Experte mit Johannes B. Kerner in Amerika. Was dem 59-Jährigen zuletzt gar nicht gefiel, dass schon so viel öffentlich geredet wurde. Ob Watzke im ZDF oder DFB-Sportdirektor Rudi Völler mit seinem Ich-Bleibe-Statement. Klopp gibt es nur, wenn er die Abläufe bestimmt. Rigoros.

Diese Rolle gefällt Oliver Mintzlaff natürlich maximal. Der Deutsche Fußball-Bund und der deutsche Fußball insgesamt wollen etwas von Red Bull. Gut gelaunt wurde der Konzern-Geschäftsführer im Hospitality-Bereich jüngst beim Formel-1-Rennen in Silverstone gesehen. Dort ging es für den 50-Jährigen primär noch um Motorsport-Geschäfte. Aber natürlich laufen die Klopp-Gespräche längst. Auch Neuendorf hat schon angeklopft.

Noch steht Klopp beim Getränkeriesen bis 2029 als Head of Global Soccer unter Vertrag. Das ist ein Faustpfand. Doch worum geht es für Red Bull? Ganz sicher wird das Unternehmen keinen Cent verschenken, das wäre gegen das ökonomische Prinzip. Doch wer die Entstehungsgeschichte von Red Bull im Fußball im Blick hat und die Entwicklung seither, der versteht schnell, dass es auf ein paar Millionen mehr oder weniger vielleicht gar nicht ankommt.

Wichtiger und befriedigender wäre Anerkennung durch das Fußball-Establishment, das dem Konstrukt oft kritisch begegnet. Wenn ausgerechnet Watzke als Präsident des Historien-Vereins Borussia Dortmund ein Bittsteller sein muss, das kann in Leipzig wie am Firmensitz in Fuschl am See glücklich machen. Es wäre eine harte Währung.

Wird Klopp also mit Red-Bull-Kappe als Bundestrainer am Spielfeldrand stehen? So weit wird es wohl nicht kommen. Aber vielleicht gibt es ein Extra-Länderspiel in der Red-Bull-Arena in Leipzig. Oder mehr Einfluss zum Beispiel in Form von mehr Einbindung in DFB- oder Bundesliga-Gremien an den Schaltstellen der Fußball-Macht. Hart verhandeln wird Mintzlaff ganz gewiss.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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