Podiumsdiskussion
Wie die Jahnschmiede in Regensburg Fußball-Profis und Menschen formt

Florian Wende
Plauderten entspannt über die Nachwuchsarbeit beim SSV Jahn Regensburg (von links): Die beiden Profis Ben Kieffer und Leopold Wurm, Moderator Manuel Krüger, Jahn-Geschäftsführer Philipp Hausner, Journalist Michael Stolzenberg und NLZ-Leiter Christian Martin.
Interessante Einblicke in den Betrieb eines Profifußballklubs lieferte der Dienstagabend in der Attenkofer Akademie in Straubing. In lockerer Atmosphäre plauderten Verantwortliche, Beobachter und auch zwei Profifußballer des SSV Jahn Regensburg über die Ausbildungsphilosophie des Vereins.
Geschäftsführer Philipp Hausner betonte, das Ziel des SSV sei es, junge Sportler auszubilden, auf dem Weg zum Profi zu begleiten, aber auch dabei zu helfen „Mensch zu werden“. Christian Martin, der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, erzählte, wie die tägliche Arbeit in der Jahnschmiede abläuft. Der Regensburger Profiverein sieht sich als Partner von 200 Amateurvereinen in der Region. Laut Hausner sei man sich bewusst - und deshalb auch der entsprechenden Verantwortung bewusst -, dass von den rund 200 Nachwuchsspielern in der Jahnschmiede der Großteil künftig Amateurfußball spielen werde.
Jahn Regensburg an der Fördertopf-Tabellenspitze
Für einen Verein wie den Jahn sei es extrem wichtig, selbst auszubilden: Zum einen würden Profis aus dem eigenen Nachwuchs direkt die eigene Spielphilosophie mit auf den Weg bekommen, zum anderen lohne es sich auch finanziell, da der DFB Einsatzminuten in den eigenen Profimannschaften fördere. Bezeichnend dafür: Bei den erhaltenen DFB-Mitteln aus dem Nachwuchsfördertopf für die dritte Liga stand Jahn Regensburg im vergangenen Jahr mit rund 420.000 Euro mit Abstand an der Spitze (vor Wehen Wiesbaden und 1860 München mit jeweils rund 380.000 Euro).
Einen Großteil der Fördermittel hat dabei Leopold Wurm generiert. Der 20-jährige hat alle Jugendteams in Regensburg durchlaufen und sich in den vergangenen zwei Spielzeiten als Stammspieler beim SSV Jahn etabliert. Gemeinsam mit dem zweiten Nachwuchsprofi auf dem Podium, dem 18-jährigen Ben Kieffer, erzählte er, dass beide in der Jugend wenig mit Rückschlägen zu kämpfen gehabt hätten, es sei - bis auf eine Verletzungsunterbrechung - eigentlich konstant bergauf gegangen. Die Atmosphäre in der Jahnschmiede bezeichnen beide als bodenständig. „Man hebt vielleicht nicht so schnell ab wie bei anderen Vereinen.“ Den FC Bayern München nennen sie zum Vergleich.
Kieffers Traum: „Einmal Champions League spielen“
Jahn-Reporter Michael Stolzenberg kann sich noch gut an die Profidebüts der beiden erinnern, im September und Dezember 2024. Vor allem die Nüchternheit und Abgeklärtheit der beiden anschließend bei den Pressevertretern in der Mixed Zone habe ihn beeindruckt.
Ben Kieffer kämpft derzeit allerdings um seinen Platz im Profikader und vor allem um Einsatzminuten. „Druck mache ich mir deshalb aber nicht“, berichtete er, eine Profikarriere sei einfach schwer planbar. Der Traum des gebürtigen Straubingers: „Einmal Champions League spielen, egal bei welchem Verein“, und er schiebt hinterher: „Am liebsten mit dem Jahn, aber das wird wohl schwierig werden.“ Leopold Wurm hat sich die Bundesliga zum Ziel gesetzt. Mit Jahn Regensburg wollen beide am Ende der Saison deutlich weiter oben stehen und sind sich auch sicher, dass das klappt, denn „der Teamgeist in der Kabine stimmt.“
Davon ist auch der Geschäftsführer überzeugt und richtet den Blick mittel- und langfristig weiter nach oben: „Es gibt keinen Grund, nicht aufzusteigen.“ Zu den finanziellen Möglichkeiten erklärte er, dass die dritte Liga wirtschaftlich herausfordernd sei, Entwicklungsmöglichkeiten gebe es - vor allem aufgrund der Gelder aus der TV-Vermarktung - aber nur in der zweiten Liga.
Neubau des NLZ beginnt voraussichtlich im Frühjahr
Der SSV Jahn plant derzeit den Neubau eines Nachwuchsleistungszentrums an der A3 in der Nähe der Ausfahrt Rosenhof. Der erste Bauabschnitt - zwei Kunstrasenplätze und die dafür nötige, modulare Infrastruktur - seien dringend notwendig, betonten Hausner und Martin, da das derzeitige Trainingszentrum am Kaulbachweg „gerade an Tagen wie heute an seine Grenzen stoße“. Dort gebe es einen Kunstrasenplatz, den vier Mannschaften fürs Training gleichzeitig nutzen - die anderen drei Plätze müssten bei der aktuellen Witterung geschont werden. Ziel sei, mit dem NLZ ein Fußballzentrum für Ostbayern zu bauen. Eine Gremiumsentscheidung steht laut Hausner noch aus, dann könne es im Frühjahr 2027 losgehen.












