Zum 75. Geburtstag

„Bekomme heute noch Gänsehaut“: Klaus Auhuber im Interview

Klaus „Butzi“ Auhuber ist eine der großen Legenden vom EV Landshut. Anlässlich seines 75. Geburtstags erzählt er über Bronze in Innsbruck, die „Lex Butzi“, und seinen ersten Meistertitel mit dem Eislaufverein.

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Klaus Auhuber galt auf dem Eis als harter Verteidiger. „Ich bin schon hingegangen, wenn es sein hat müssen“, fasst es der 75-Jährige recht nüchtern zusammen.

Klaus Auhuber galt auf dem Eis als harter Verteidiger. „Ich bin schon hingegangen, wenn es sein hat müssen“, fasst es der 75-Jährige recht nüchtern zusammen.

Wer ihm den Spitznamen „Butzi“ gegeben hat, ist nicht überliefert. Zu Klaus Auhubers Spielstil passte der Kosename aber irgendwie gar nicht. Der Landshuter Verteidiger - Bronzemedaillen-Gewinner mit der DEB-Auswahl 1976, mehrfacher WM-Teilnehmer, 97-maliger Nationalspieler und Mitglied der Landshuter Meistermannschaft von 1983 - galt nämlich als äußerst kompromissloser Abwehrspieler. Geschichte geschrieben hat Auhuber, der am Mittwoch seinen 75. Geburtstag feierte, einst auch aufgrund einer handfesten Auseinandersetzung beim Aufwärmen vor einem Playoff-Spiel gegen Kaufbeuren.

Klaus „Butzi“ Auhuber

Klaus „Butzi“ Auhuber

Herr Auhuber, am Mittwoch haben Sie Ihren 75. Geburtstag gefeiert. Eine Zahl, bei der man automatisch anfängt, Bilanz zu ziehen?

Klaus Auhuber: Ich ziehe schon länger Bilanz, nicht nur jetzt (lacht). Nein, Spaß beiseite. Natürlich lässt man nach 75 Jahren die Zeit Revue passieren. Im Eishockey habe ich eine schöne Zeit gehabt, auch wenn es einige Verletzungen gab - aber die gehören einfach zu diesem harten Sport. Auch nach der Karriere hatte ich noch einige Operationen, aber sonst ist alles in Ordnung, auch im privaten Bereich.

Ihr Name steht unmittelbar mit einem historischen Erfolg der Nationalmannschaft in Verbindung. Was sehen Sie vor sich, wenn es um die Begriffe Olympia, Bronze, Innsbruck und 1976 geht?

Auhuber: Länderspiele, WM-Teilnahmen und dann diese Olympischen Spiele gehörten zu den absoluten Höhepunkten. Wenn ich an Innsbruck 1976 denke, bekomme ich heute noch Gänsehaut. Wir haben damals sicher auch Glück gehabt, das ist bekannt. Aber die Bronzemedaille war für mich natürlich der größte Erfolg meiner sportlichen Laufbahn.

Wann hat das Team damals realisiert, welche Bedeutung diese Medaille für das deutsche Eishockey hatte - schon in Innsbruck oder erst später?

Auhuber: Sicher hat jeder bei den Spielen schon darüber nachgedacht, aber in der Außenwirkung kam die Bedeutung erst später zum Tragen. Wir haben später ja dann auch noch Benefizspiele mit dem Bronzeteam absolviert. Und jeder Einzelne hat von diesem Erfolg auch in den Folgejahren profitiert. Und wenn ich heute meine Enkelkinder anschaue, dann wissen die schon: ‚Der Opa hat 1976 eine Medaille gewonnen‘ - das erfüllt einen mit Stolz, zumal ein Enkelkind inzwischen in der U 7 des EV Landshut selbst aktiv spielt.

Wo ist die Bronzemedaille heute und nehmen Sie das gute Stück auch gelegentlich in die Hand?

Auhuber: „Ja, ja, die nehme ich schon manchmal in die Hand. Ansonsten ist sie natürlich im Safe sauber verankert und manchmal hänge ich sie auch den Enkelkindern um, da kommen dann automatisch Erinnerungen hoch.

„Schloder und Kühnhackl waren absolute Führungskräfte“

Kommen wir auf den EV Landshut zu sprechen. Was bedeutete es damals für einen Landshuter Buben, das erste Mal das Trikot der ersten Mannschaft des EVL überzustreifen?

Auhuber: „Für mich war das schon etwas ganz Besonderes. Ich war zwar auch mit der Jugend des EVL deutscher Meister, aber wir sind dann langsam herangeführt worden an die Erste. Klar, wir mussten viel trainieren und arbeiten. Ich habe mich aber damals gut gefühlt und hatte mich auch körperlich weiterentwickelt. Und als dann das erste Spiel anstand, war das schon ein herausragendes Gefühl.

Schloder, Kühnhackl, Auhuber - diese Namen gehören zu einer ganz besonderen Generation des Landshuter Eishockeys. Was hat diese Mannschaft ausgezeichnet?

Auhuber: Als ich damals in die erste Mannschaft gekommen bin, musste ich meine Rolle erst finden. Alois war schon Kapitän und Erich kam neu hinzu, aber beide waren absolute Führungskräfte - die beiden waren einfach ein Bollwerk. Auch hinten drin hatten wir mit Sepp Schramm und später Bernie Englbrecht sehr gute Leute. Als junger Bursche musste ich da erst hineinwachsen, denn viele andere waren schon gestandene Profis.

Sie waren dann schon über 30 Jahre alt, als Sie in der Saison 1982/83 mit dem EVL erstmals deutscher Meister wurden. War dieser Titelgewinn auch deshalb so besonders, weil Sie so lange warten mussten?

Auhuber: Ja, zuvor waren wir gegen Köln schon mal im Endspiel und auch im Halbfinale. Wir hatten also schon mehrfach am Titel geschnuppert und waren auch oft bayerischer Meister - aber das zählt genau so wenig wie zweite oder dritte Plätze. In der Saison 82/83 hat es dann endlich geklappt. Das entscheidende Spiel haben wir damals im Finale in Mannheim gewonnen. Die Freude war riesengroß.

Was ist Ihnen von der Meisterfeier noch in Erinnerung geblieben - und gibt es Dinge, die besser nicht in der Zeitung stehen sollten?

Auhuber: „Naja, alles halb so wild. Natürlich ist da kräftig gefeiert worden - schon in der Kabine nach dem entscheidenden Spiel, dann auf der Heimfahrt im Bus und bei der Ankunft in Landshut. Die Fans haben auf uns gewartet und dann ist im Clublokal weitergefeiert worden. Und natürlich haben wir a bisserl was getrunken.

Klaus Auhuber ist neben Alois Schloder und Erich Kühnhackl eine der großen Legenden beim EV Landshut. Seine Trikotnummer 7 (rechts) wird von den Niederbayern deshalb seit der Saison 2010/11 nicht mehr vergeben.

Klaus Auhuber ist neben Alois Schloder und Erich Kühnhackl eine der großen Legenden beim EV Landshut. Seine Trikotnummer 7 (rechts) wird von den Niederbayern deshalb seit der Saison 2010/11 nicht mehr vergeben.

„Habe härter gespielt als im normalen Leben“

Sie galten in der Szene als recht kompromissloser Verteidiger. Waren Sie auf dem Eis ein anderer Mensch als außerhalb?

Auhuber: Ja, das glaube ich schon. Es heißt ja verteidigen, wir haben also schon härter gespielt als im normalen Leben. Aber ich hatte ja auch eine Frau an meiner Seite, die mich immer wieder gebremst hat. Ich bin schon hingegangen, wenn es sein hat müssen. Aber derartige Spielertypen, die hinten rigoros aufgeräumt haben, hat es in anderen Teams auch gegeben. Insgesamt aber ist alles gut gegangen.“

Es gibt da diese legendäre Geschichte mit der „Lex Butzi“ nach den Vorkommnissen beim Aufwärmen vor einem Spiel gegen Kaufbeuren. Sie haben jetzt die Gelegenheit, diese Geschichte ein für allemal richtigzustellen. Was ist damals wirklich passiert?

Auhuber: „Wir hatten zwei Tage zuvor in Kaufbeuren gespielt, da war eine sehr hitzige Atmosphäre. Und man muss schon sagen, dass die beiden tschechischen Nationalspieler (Vladimir Martinec und Bohuslav Stastny/Anm. d. Red.) gegen uns sehr schmutzig gespielt haben. Gerade unsere jungen Spieler haben die beiden richtig rasiert, wie man so schön sagt. Das hat sich hochgeschaukelt und ist immer härter geworden. Daraufhin haben wir das Spiel unterbrochen und sind in die Kabine gegangen. Dann hat es geheißen, wir müssen weiterspielen, sonst gibt es Probleme. So war es dann auch. Wir haben das Spiel vergeigt und zwei Tage später sind die zu uns gekommen. Ja, und dann ist es bei uns ein bisschen härter geworden. Dann sind wir beim Aufwärmen mit den beiden Tschechen zusammengeprallt - und dann ist das eben so passiert.“

Stimmt es, dass damals wegen dieser Geschichte die Regeln fürs Aufwärmen geändert worden sind?

Auhuber: „Ja, das stimmt. Ab dann haben die Schiedsrichter mit aufs Eis müssen und es ist volles Licht gefahren worden. Das war auch gut so, denn jedes Team hat sich in einem Drittel aufgewärmt und die Schiedsrichter waren mit dabei, um für Ordnung zu sorgen. Vorher hatte es doch so einige Rangeleien beim Aufwärmen gegeben. Der Auslöser für die Regeländerung war also dieser Vorfall beim Aufwärmen.“

Was ist für Sie vom Eishockey Wichtigeres geblieben als Länderspiele, Medaillen und Titel?

Auhuber: „Ich habe glücklich geheiratet und viele Freunde beim Eishockey gefunden. Ich bin der Sportart auch weiterhin verbunden, schaue mir Spiele des EVL in der zweiten Liga und im Nachwuchs an, wo mein Enkel spielt. Das Wichtigste für mich sind die entstandenen Freundschaften und die Eishockey-Diskussionen am Stammtisch. Und auch der Vorfall mit den beiden tschechischen Spitzenspielern ist längst vergessen.“

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