Modernes Liebesdrama
Verdis Traviata bei den Thurn- und Taxis Schlossfestspielen
Irgendwo zwischen Krankenbett und Faschingsparty scheitert die Liebe zwischen Violetta und Alfredo an gesellschaftlichen Zwängen: Das Mainfranken Theater Würzburg inszenierte Guiseppe Verdis Oper La Traviata als zeitlos-modernes Gefühlsdrama. Knapp 3.000 Gäste sahen die adaptierte Open-Air-Inszenierung im Rahmen der Regensburger Schlossfestspiele im Innenhof von Schloss St. Emmeram.
Auf der großen Freilichtbühne im Schlosshof fungierte eine gedrittelte gedrittelte Drehbühne als Spielgrundlage. Die Szenen spielten vor glitzernden, schwarzen Fadenvorhängen, mit nur wenigen Ausstattungsstücken und gelegentlich verschiedenfarbig hinterlegt. Verstörend und ergreifend wirkte von Anfang an das kalte Krankenbett der Violetta, inklusive Infusionsflasche. Das taucht schon zur Ouvertüre auf und nimmt unemtrinnbar Krankheit und Tod vorweg.
In der Hauptrolle der Violette beeindruckte die georgische Sängerin Sophie Gordeladze. Die 43-jährige promovierte Musikerin gewann im vergangenen Jahr den Opus-Klassik-Preis. In Regensburg sang sie in vollem, reinen Sopran und spielte packend und völlig überzeugend. Sie überführte die immer wieder fröhlich aufblitzenden Melodien in alle Tiefen und Höhen menschlicher Gefühlswelten. Juraj Jolly verkörperte ebenso glaubhaft den impulsiven, gebeutelten Alfredo.
Die Oper La Traviata enthält einige der berühmtesten Arien des Komponisten. Darunter ist das Trinklied und das leidenschaftliche "Sempre libera" der weiblichen Hauptfigur Violetta am Ende des ersten Aktes. Die Hauptdarsteller sangen mit spürbarer Freude und schenkten dem Publikum damit pures Opernvergnügen.
La Traviata wurde im März 1853 in Venedig uraufgeführt und zählt bis heute zu den bekanntesten und erfolgreichsten Opern der Musikgeschichte. Verdi ließ sich für die Handlung vom Roman Kameliendame von Dumas inspirieren. Er brachte damit ein Tabu seiner Zeit und einen zeitgenössischen Stoff auf die Bühne: Die Liebe zwischen einer Kurtisane und einem jungen Mann aus gutem Hause. Violetta zerbricht an den Konventionen, stirbt dramatisch an Schwindsucht, nach rund zweieinhalbstunden hochemotionaler Musik.
Das Mainfranken Theater Würzburg spielt die aktuelle Version von Regisseur Olivier Tambosi seit vergangenem Herbst. Der versuchte gar nicht erst, dem Stoff eine neue Interpretation überzustülpen. Tambosi transferiert die Figuren in eine zeitlose Gegenwart und lässt sie lieben und scheitern an ihren Emotionen. Damit erreicht er genau jene Gesellschaftskritik, die schon Verdi zugrundelegte.
Im letzten Akt trat der Chor in schrillen Faschingskostümen auf und verstärkte damit den Kontrast zur sterbenden Hauptfigur. Das Leben geht weiter, schienen sie den fast 3.000 Zuhörer im Schlosshof zu vermitteln. Die klatschten am Ende lange und begeistert für die rundum gelungene und von herausragenden Sängern getragene Aufführung.












