Die Grand Dame geht
Regensburger Kabarettistin Inge Faes verabschiedet sich von der Bühne
Beim Betreten des historischen Kellergewölbes des "Statt-Theaters" in der Regensburger Altstadt umfängt einen die Atmosphäre vergangener, glanzvoller Shows. In diesem ehrwürdigen Gemäuer in der Winklergasse hat die Schauspielerin, Kabarettistin und Theater-Mitbegründerin Inge Faes über vier Jahrzehnte hinweg die Bühne mit unverwechselbarer Präsenz und scharfsinnigem Humor geprägt. Im Dezember verabschiedete sich die Grande Dame Regensburgs von der Bühne.
"Schon als kleines Mädchen habe ich auf der Treppe im Haus meiner Großmutter Showauftritte inszeniert und alle gezwungen, dass sie zugucken", erinnert sich Inge Faes an die Anfänge ihrer Leidenschaft. Und auch heute noch liebt das Publikum die Auftritte von Inge Faes und ihren Humor. Dagmar (77) aus Neumarkt, beschreibt ihre Shows als "herzhaft erfrischend" und Lehrerin Ulrike (46) aus Regensburg kann einmal im Monat "ihren Horizont" im Kabarett erweitern.
Inge Faes wurde 1956 in München geboren und absolvierte eine Ausbildung zur Schwesternhelferin. 1978 zog sie nach Regensburg, um Sozialpädagogik zu studieren. Neben einer Umschulung zur Bürokauffrau widmete sie sich mit Engagement und Durchhaltevermögen dem Schauspiel.
Über 100 Auftritte in einem Jahr
Ihre Bühnenkarriere begann Inge Faes an der "Theater Compagnie" der Regensburger Universität. Dort trat sie gemeinsam mit Eberhard Geyer auf, der zugleich in einer Kabarettgruppe mitwirkte. Anfangs spielte Faes ernstere Rollen am Theater. Ihr Talent für die leichte Muse entdeckte sie durch Auftritte im Kabarett. 1984 traf sie auf die Gründer der Kleinkunstbühne des "Statt-Theaters", Peter Nikisch und Hanne Asch. Der Name "Statt-Theater" entspringt einer revolutionären Bewegung der 1970er Jahre. Kabarett statt Theater, das die Kulturszene aufrütteln sollte. Die Kabarettabende waren regelmäßig vergriffen. Über 50 Gäste, die sich dicht an dicht drängten, um die Darbietungen zu erleben. In einem Jahr absolvierte die heute 69-jährige Künstlerin über 100 Auftritte.
Ihre Inspiration für das Kabarett, sagt Faes, schöpft sie aus den Facetten des Alltags. Mit scharfem Blick und feinem Gespür richtet sie ihre Aufmerksamkeit auf die kleinen und großen Momente, die Gespräche und Gefühle der Menschen um sie herum. Kabarett, sagt sie, hat den Anspruch, auf intelligente Weise zu unterhalten. "Wir bringen unsere Stücke mit einer gehörigen Portion Selbstironie auf die Bühne", erklärt Faes. "Unser Ziel ist es, die Zuschauer zum Nachdenken anzuregen und gleichzeitig eine klare Haltung zu vermitteln." Auch persönliche Schicksalsschläge betrachtet sie durch die Linse des Kabaretts mit einer neuen Perspektive, wodurch sie selbst in schweren Zeiten eine gewisse Leichtigkeit finden kann.
Mit unbeirrbarer Haltung und willensstarker Tatkraft stellte sich Inge Faes Herausforderungen. So erinnert sie sich an eine Tournee-Veranstaltung, bei der ein betrunkener Zuschauer lautstark störte und sie gemeinsam mit ihrem Mann gezwungen war, die Aufführung abzubrechen. Während der Corona-Pandemie trat sie mit ihrem Ensemble vor 18 Zuschauern im Gartencenter auf. Der immense Zeitaufwand für den Bühnenauf und -abbau und ihr unermüdlicher Einsatz als Lärmschutzbeauftragte des Statt-Theaters während Freiluftveranstaltungen in dieser schwierigen Zeit meisterte sie mit Hingabe.
Ergreifender Abschiedsabend
Gemeinsam mit dem "The-Old-Star-Ensemble" präsentierte Inge Faes von Dezember bis Januar ein Potpourri unvergesslicher Highlights aus den vergangenen Jahrzehnten. Die Shows im Statt-Theater waren ausverkauft. Faes berichtet von einer ergreifenden Abschiedsfeier. "Ich war in Tränen aufgelöst", erinnert sie sich an den Abend. Sie wurde mit Rosen beworfen und ihre Kollegen haben sich Schlussgesänge für sie ausgedacht.
Trotz ihres Abschieds ist Inge Faes Engagement für "Sisters of Comedy" in Regensburg ungebrochen. Auf dieser Bühne setzen sich Frauen mit der Gleichberechtigung auseinander. Ein besonderes Anliegen ist für Faes die Medizin. Sie kritisiert, dass Krankheiten bislang überwiegend aus männlicher Perspektive erforscht wurden. Frauen würden einen Herzinfarkt beispielsweise völlig anders als Männer erleben. Auch Crashtests an Dummies würden bisher fast ausschließlich an männlichen Modellen durchgeführt.
Die politische und gesellschaftliche Entwicklung behält Faes im Blick: "Wenn ich Programme schreiben würde, dann wäre der aktuelle Rechtsruck und die wachsende Demokratiemüdigkeit mein Thema." Trotz der Herausforderungen bleibt sie entschlossen, ihren Optimismus zu bewahren.
Zum Autor
Miguel Frübös studiert in Passau Journalistik und strategische Kommunikation. Sein Beitrag ist in einer Lehrredaktion entstanden, die in dem Studiengang integriert ist. Die Lehrredaktion wird von Redakteuren unserer Mediengruppe betreut.









