Besuch aus Nahost

Regensburger Chor plant Aufführung mit Jugendlichen aus Israel

Eine gemeinsame Adaption von „West Side Story“ bringt israelische und deutsche Jugendliche auf die Bühne. Das soll Vorurteile abbauen - und verfilmt werden.

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Präsentieren das Plakat: Kulturreferent Wolfgang Dersch (von links), Organisatorin Madeleine Kamper, Leiter des Amtes für musikalische Bildung Ralf Müller, Chorleiter Matthias Schlier und Oberbürgermeister Thomas Burger.

Präsentieren das Plakat: Kulturreferent Wolfgang Dersch (von links), Organisatorin Madeleine Kamper, Leiter des Amtes für musikalische Bildung Ralf Müller, Chorleiter Matthias Schlier und Oberbürgermeister Thomas Burger.

Der Cantemus Chor Regensburg und der Moran Youth Choir aus Tel Aviv haben ein besonderes Projekt auf die Beine gestellt. Es soll den sozialen Austausch fördern und am 4. Oktober in einem gemeinsamen Konzert unter dem Titel „There’s a Place for us“ enden. Am Freitag haben die Veranstalter zusammen mit Oberbürgermeister Thomas Burger und Kulturreferent Wolfgang Dersch das Konzept in einer Pressekonferenz erklärt - und noch größere Ambitionen erkennen lassen.

Vom 28. September bis zum 6. Oktober treffen Jugendliche der beiden Chöre im Alter von zwölf bis 17 aufeinander. Sie sollen gemeinsam proben, sich kennenlernen Freundschaften schließen und Vorurteile abbauen. Um die 60 Mitglieder des Cantemus Chors nehmen an dem Projekt teil. 23 Mitglieder des Moran Youth Choir kommen dafür aus Tel Aviv nach Deutschland.

Matthias Schlier, Leiter des Cantemus Chors und Initiator des Projekts, erklärte das gemeinsame Ziel. Eine Musiktheater-Aufführung, in der das Musical „West Side Story“ des jüdischen Komponisten und Dirigenten Leonard Bernstein adaptiert wird. Dramaturg Ronny Scholz schaffe eine Version, die über die Liebesgeschichte á la Romeo und Julia hinausgehe. Die Gruppendynamik der Chöre solle Teil der Geschichte werden. „Wir wissen nicht, was er vorhat, wir werden ihm an diesen Tagen als Gruppe zur Verfügung stehen und er wird mit uns arbeiten“, sagte Schlier.

Israelisch-deutsches Miteinander auch als Film

Für drei Tage ziehen sich die Teilnehmer in die Jugendherberge Burg Trausnitz in Landshut zurück. Genug Zeit, um sich kennenzulernen und gemeinsam als Team an der Aufführung zu arbeiten. Erweitert wird das Programm um Aktivitäten in Regensburg, Nürnberg und Bayreuth, die der jüdisch-deutschen Geschichte ihren Platz bieten. In Zukunft sei dann auch ein Besuch in Tel Aviv geplant, wenn es die Sicherheitslage zulasse.

Videokünstler Ben Reiss begleitet das Projekt außerdem für einen Kurzfilm. Er dokumentiert das zwischenmenschliche Zusammenwachsen der Gruppe. „Die Intention ist hier, dass man sieht, wie die Hemmungen abgebaut werden, Schritt für Schritt“, erklärte Schlier. Das solle die Erfahrungen auch für andere, insbesondere Jugendliche erlebbar machen. 96.000 Euro soll der Kurzfilm kosten - getragen durch breite israelisch-deutsche Unterstützung, unter anderem durch die Bayerische Staatskanzlei, das Koordinationszentrum Con Act und die Jüdische Gemeinde Regensburgs.

Die Idee für den Austausch stammt von Matthias Schlier selbst. Es sei gerade in diesen Zeiten wichtig, den Kontakt zwischen Israelis und Deutschen nicht abreißen zu lassen. Im Jahr 2025 war an einer Regensburger Grundschule das Lied „Shalom Aleichem“ (Friede sei mit dir) gesungen worden. Darauf hätten einige Kinder antisemitische Parolen gerufen. Das sei eine Bestätigung, keineswegs aber Ursache für sein Engagement gewesen. „Ich habe über zehn Jahre immer wieder versucht, über verschiedenste Kanäle einen Kontakt nach Israel aufzubauen“, sagte er.

Der Mittelsmann zum Erfolg war der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff, aus Cham. Während der Eskalation im Nahostkonflikt 2025 war er in Israel gestrandet. Seine Kontakte machten die Zusammenarbeit möglich. Viele ehrenamtliche Arbeitsstunden, wie die von Organisatorin Madeleine Kamper hätten das Projekt erst möglich gemacht.

Der Moran Youth Choir sei ein idealer Partner. Als säkularer Chor mit jüdischen, christlichen und palästinensischen Mitgliedern lebe er das interreligiöse Miteinander vor. Auch die Mitglieder von Cantemus seien begeistert, sagte Schlier. „Auch wer die Politik von Benjamin Netanyahu kritisiert, kann unterscheiden zwischen der Politik und den Jugendlichen aus Tel Aviv.“

Oberbürgermeister Thomas Burger sprach von der Bedeutung dieses Austauschs für die Entwicklung junger Menschen: „Wenn man über Ländergrenzen hinweg miteinander redet und das vor allem schon in jungen Jahren macht, dann kann man, an ganz wichtigen Zeitpunkten im Leben schon mal richtig abbiegen.“ Die breite Patenschaft des Projektes, unter anderem Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, zeige die Bedeutung des Projektes.

Das Abschlusskonzert „There’s a Place for us“ findet am Sonntag, 4. Oktober, um 19.30 Uhr im Aurelium in Lappersdorf statt. Karten unter www.okticket.de.

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