Attenkofer Akademie
Studie überrascht: Jugendliche sehnen sich nach Stabilität

Florian Wende
Aus der aktuellen Zukunftsstudie „Generation Future“ leitete Bernhard Taubenberger in der Attenkofer Akademie zehn Thesen über das Verhalten der jungen Generation ab.
Eigenes Haus, Auto vor der Tür und ein entspannter Urlaub im Hotel - klingt eher nach den Wünschen von Eltern oder Großeltern? Nicht ganz. Genau das wünschen sich laut der Studie viele junge Menschen für ihre Zukunft.
Auf Einladung der Attenkofer Akademie stellte Bernhard Taubenberger, Kommunikations-Chef der Schörghuber Gruppe, in einem Vortrag die Ergebnisse der Zukunftsstudie „Generation Future“ vor. Sie untersucht, wie Menschen zwischen 16 und 35 Jahren leben wollen, was ihnen Sorgen macht und welche Pläne sie für ihre Zukunft haben.
Taubenberger arbeitet seit 2008 für die Schörghuber Gruppe. Dazu gehört unter anderem die Paulaner-Brauerei. Außerdem betreibt das Unternehmen Hotels, entwickelt und verwaltet zahlreiche Immobilien. Themen wie Wohnen, Reisen, Arbeiten und Konsum sind deshalb auch für das Unternehmen selbst von großer Bedeutung.
Für die Studie werden jedes Jahr rund 2.000 junge Menschen befragt. Die Ergebnisse für 2026 überraschen teils: Statt ständig nach Veränderung zu streben, sehnen sich viele vor allem nach Sicherheit und Stabilität.
Zwischen Biedermeier und Zukunftsangst
Der Optimismus hat zwar gelitten, Klimawandel, Kriege, steigende Preise und politische Unsicherheiten hinterlassen Spuren. Trotzdem verfällt die junge Generation nicht in Resignation. Sie passt sich an und versucht, das Beste aus den Umständen zu machen.
Besonders auffällig: Viele Wünsche wirken traditionell. Wohneigentum, Familie und ein stabiles Umfeld stehen hoch im Kurs. Taubenberger spricht von einer Art „modernem Biedermeier“. In unsicheren Zeiten gewinnt das Private wieder an Bedeutung. Auch beim Thema Arbeit zeigt sich ein Zwiespalt. Natürlich wünschen sich junge Menschen einen Job, der Spaß macht und erfüllt. Gleichzeitig betrachten viele Arbeit nüchtern. Sie soll vor allem finanzielle Sicherheit bieten. Wichtiger als schicke Lounges oder Tischkicker sind moderne Technik, eine gesunde Arbeitsumgebung und Bedingungen, die konzentriertes Arbeiten ermöglichen.
Noch wichtiger als die Arbeit ist allerdings das Zuhause. Laut der Studie ist Wohnen der wichtigste Faktor für ein gutes Leben. Viele Befragte wünschen sich mehr Platz und sind bereit, dafür tief in die Tasche zu greifen. Bis zu 40 Prozent des Einkommens würden manche für ihre Wohnsituation ausgeben. „Platz ist das Gebot der Stunde“, fasst Taubenberger zusammen.
Auch beim Reisen wird nicht gespart. Urlaub soll eine Auszeit vom stressigen Alltag bieten. Komfort, gutes Essen und gemeinsame Erlebnisse mit Familie und Freunden stehen dabei im Mittelpunkt. Umweltfreundliche Angebote werden zwar begrüßt - doch nur, solange sie keine zusätzlichen Kosten verursachen oder den Urlaub deutlich einschränken.
Ähnlich sieht es beim Auto aus. Gerade junge Frauen empfinden es als sicheren Rückzugsort. Der öffentliche Nahverkehr wird dagegen oft als unsicher oder unpraktisch wahrgenommen. Für viele bleibt das Auto deshalb unverzichtbar - besonders, wenn später Familie und Beruf miteinander vereinbart werden müssen. Beim Thema Konsum erklärt Taubenberger: „Man investiert, um Resilienz zu stärken.“ Gemeint ist: Junge Menschen geben ihr Geld gezielt für Dinge aus, die ihnen Sicherheit und Lebensqualität bieten. Einfach nur kaufen, um zu kaufen, ist längst nicht mehr angesagt. Stattdessen soll Geld einen konkreten Mehrwert schaffen. Ob Restaurantbesuch, Hobby oder gemeinsame Unternehmung - wichtig ist für die junge Generation, das eigene Leben zu bereichern.
Umwelt schützen? Ja, aber es soll nicht einschränken
Interessant ist außerdem der Umgang mit Alkohol. Immer mehr junge Menschen verzichten darauf oder trinken deutlich weniger. Gesundheit und Wohlbefinden werden wichtiger. Deshalb investiert auch die Schörghuber Gruppe inzwischen erstmals stärker in alkoholfreie Getränke als in alkoholhaltige Produkte.
Beim Thema Nachhaltigkeit zeigt sich ein ähnliches Bild. Viele wollen umweltbewusst handeln und ihren Beitrag leisten. Fleischkonsum reduzieren oder Fast Fashion unterlassen? Gerne. Auf das eigene Auto verzichten oder deutlich teurer reisen? Da wird die Bereitschaft deutlich kleiner. Nachhaltigkeit ja, aber sie muss alltagstauglich sein.
Was macht also ein gutes Leben aus? Laut der Studie vor allem ein schönes Zuhause. Dann folgen Arbeit, Reisen und Konsum.
Nach dem Vortrag führte Taubenberger noch eine rege Diskussion mit dem Publikum. Themen waren unter anderem Wohnpreise, Energieverbrauch der jungen Generation und die Verantwortung der Wirtschaft gegenüber der Gesellschaft.
Was würde Taubenberger abschließend jungen Menschen mitgeben, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen?
„Bleibt optimistisch. Glaubt an die Klugheit des Menschen und an eure Fähigkeit, die Zukunft mitzugestalten. Eure Generation hat eine besondere Empfindsamkeit für Gerechtigkeit.“









