Trockenheits-Folgen
Das große Birkensterben macht auch vor Straubing nicht Halt

Josef Unterholzner
Während die Bäume neben dieser Birke noch grüne Blätter haben, hat die Birke schon einen Großteil ihrer Blätter wie im Spätherbst abgeworfen.
Die große Hitze der vergangenen Wochen und der ausgebliebene Regen hat den Birken besonders zugesetzt. Überall im Stadtgebiet sieht man Birken, von denen manche schon einen Großteil ihrer Blätter abgeworfen haben. Jetzt ragen nur noch kahle Äste traurig in den Himmel. Das sogenannte Birkensterben ist in ganz Deutschland zu beobachten und ein schleichender Prozess, der aber nicht mehr umkehrbar ist, wie Stadtgärtner Jörg Bär berichtet. Wenn zu lange Zeit kein Regen fällt und lange Hitzeperioden den Bäumen zusetzen, sind es die Birken, die darunter ganz besonders stark leiden. Selbst wenn der Baum dieses Jahr noch übersteht und nächstes Jahr noch einmal austreibt, ist er so stark geschädigt, dass er in den kommenden zwei bis vier Jahren abstirbt.
Ob am Zeckenberg oder am Peterswöhrd: Es sind vor allen Dingen die Birken, die schon seit Mitte August mit vertrockneten Blättern oder kahlen Ästen ein trauriges Bild abgeben. Nicht nur die Hitze der vergangenen Wochen, sondern auch die Hitze des vergangenen Jahres habe den Bäumen stark zugesetzt, berichtet Bär. Während sich andere Bäume wie Platanen zum Beispiel von langen Trockenperioden wieder erholen könnten, seien die Birken dazu nicht in der Lage. Auch nach dem Hitzejahr 2003 sei im Stadtgebiet ein Birkensterben zu verzeichnen gewesen. „Die Birke lässt sich Zeit mit dem Absterben.“
Die flachen Wurzeln finden kein Wasser mehr
Die Hauptursache für das Birkensterben ist Wassermangel. Extremes Wetter und fehlender Regen trocknen die oberen Erdschichten aus. Als Flachwurzler können Birken die tieferen Wasserschichten nicht mehr erreichen. Durch den Wassermangel sind die Bäume geschwächt und für andere Schädlinge wie Pilze oder Insekten anfälliger. Wenn die Blätter braun werden und frühzeitig vom Baum abgeworfen werden, wenn sich die Krone des Baums lichtet und abgestorbene Äste sichtbar werden, sind das die untrüglichen Zeichen dafür, dass sich der Baum langsam verabschiedet. Dabei gehören Birken zu den Pioniergehölzen, die jede freie Fläche nutzen, um als erstes Wurzeln zu schlagen, berichtet Bär. Sie verträgt verschiedenste Umweltbedingungen, besiedelt auch Standorte, die für andere Baumarten problematisch sind, und hat einen hohen Wasserverbrauch. Ihre schlaff herabhängenden Zweige wirken wie Schleifpapier, wenn sie der Wind hin und her weht. So schaffen sie sich Platz in den Baumkronen der benachbarten Bäume anderer Arten. Durch ihre kurze Lebensdauer von höchstens 120 Jahren wird die Birke im Lauf der Zeit von anderen Baumarten verdrängt. Vor allem der Ahorn siedelt sich als Nachfolger der Birken gerne selbst an, nutzt den vorbereiteten Boden und den Schatten der Birken, um diese dann im Lauf der Jahre zu verdrängen.
Landregen nicht nur für die Birken ein Segen
Auch wenn manche Birken durch die vergangene Hitze und Trockenheit absterben werden, sei der Bestand der Birken in Deutschland nicht gefährdet, berichtet Bär. Sie produzieren schon als junge Bäumchen jede Menge Samen, der eine rasche Vermehrung ermögliche. Der Regen der vergangenen Tage war nicht nur für die Birken, sondern für alle Bäume ein Segen. „Wenn es wenig, aber lange regnet, kann das Wasser langsam im Boden versickern und die Wurzeln erreichen“, erklärt Bär. Heftiger Starkregen hingegen läuft viel zu schnell ab und verschwindet im Kanal.
Noch schlimmer wird es dann, wenn eine Birke nach Starkregen plötzlich nasse Beine bekomme und unter Wasser steht. Birken vertragen keine Staunässe im Wurzelbereich und sind dann anfällig für Schaderreger und Umwelteinflüsse. Zudem sind die Lebensbedingungen in der Stadt für Birken meist sehr schlecht. Das Wasser, das bei Regen im Boden versickert, erreicht die Wurzeln nur zu kleinen Teilen. Der Rest läuft über die versiegelten Flächen direkt in die Kanalisation. Zusätzlich sorgen die versiegelten Flächen dafür, dass sich die Umgebung weiter aufheizt.
Wer in der nächsten Hitzeperiode ohne Niederschläge den Bäumen helfen will, der sollte sie gießen. Wichtig dabei ist nur, dass das Wasser direkt unter dem Baum langsam versickern kann und nicht einfach abläuft, wenn der Baum an einem Hang steht.
Weil die Stadtgärtnerei für die Verkehrssicherungspflicht der städtischen Bäume verantwortlich ist, haben ihre Mitarbeiter immer ein kritisches Auge auf die Birken ohne Blätter, so Bär. Wenn Äste nicht mehr stabil sind, müssen sie rechtzeitig entfernt werden, damit sie nicht beim nächsten Sturm unkontrolliert herabfallen und Menschen verletzten oder sonstige Schäden verursachen.
Wenn der ganze Baum nicht mehr standsicher ist, darf er zu jeder Jahreszeit gefällt werden. Wobei Fällarbeiten bevorzugt im Herbst und Winter durchgeführt werden, da momentan genug andere Arbeiten zu erledigen sind.
Verkehrssicherungspflicht gilt auch auf Privatgrund
Wer auf seinem Privatgrundstück eine Birke ohne Blätter stehen hat, der sollte den Baum kritisch beobachten, rät Bär. Abgestorbene Äste sollten auch hier entfernt werden, weil auch für Privatgrundstücke eine reduzierte Verkehrssicherungspflicht besteht. Wer sich seiner Sache nicht sicher ist, der könne bei der Stadtgärtnerei um Rat fragen oder eine Fachfirma mit einer Baumprüfung, Gehölzpflege oder Baumfällung beauftragen.












