Ein Insektenkrimi

Wespe oder Hornisse? Diskussion über Foto von Nest

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Die Deutsche Wespe hat auf der gelben Frontplatte am Kopf zwischen den Augen meist drei kleine einzelne Punkte. 

Die Deutsche Wespe hat auf der gelben Frontplatte am Kopf zwischen den Augen meist drei kleine einzelne Punkte. 

Von Redaktion Landkreis Straubing-Bogen

Bei Aufräumarbeiten auf Speichern und Dachböden kann es schonmal sein, dass jemand Spuren unbeachteter, ja unauffälliger Mitbewohner aus dem geflügelten Tierreich entdeckt. Meist sind das dann Insekten wie Wespen oder Hornissen, jedenfalls mittelgroße bis große, gelb-schwarz gestreifte Insekten.

Es zeigt sich dann, dass diese Insekten recht anspruchslos in ihrer Wohnortwahl sein können, dabei allerdings bestimmte Voraussetzungen benötigen und der Nähe zum Menschen durchaus nicht abgeneigt sind. Der Standort muss nicht unbedingt hell, aber unbedingt wettergeschützt sein. Es darf nicht zu heiß, zu windig, zu sonnig, aber auch nicht zu schattig sein. Vorteilhaft ist auch ein Ort mit ausreichend Platz und wenig Störung durch Feinde, denn die ausgewählte Brutstätte muss ja wachsen und den Sommer über ausgebaut und ständig erweitert werden - ein Dachboden, manchmal auch kleine Öffnungen an Hauswänden oder Rolladenkästen sind dazu ideal!

Hornissen haben eine deutliche Rotfärbung am Körper und am Kopf. Die Frontplatte zwischen den Augen ist ungefleckt gelb.
Hornissen haben eine deutliche Rotfärbung am Körper und am Kopf. Die Frontplatte zwischen den Augen ist ungefleckt gelb.
Hornissen haben eine deutliche Rotfärbung am Körper und am Kopf. Die Frontplatte zwischen den Augen ist ungefleckt gelb.
Bei der Gemeinen Wespe hat die gelbe Frontplatte am Kopf zwischen den Augen einen größeren deutlichen schwarzen Fleck, manchmal in Form eines Ankers oder einer Glocke.
Bei der Gemeinen Wespe hat die gelbe Frontplatte am Kopf zwischen den Augen einen größeren deutlichen schwarzen Fleck, manchmal in Form eines Ankers oder einer Glocke.
Bei der Gemeinen Wespe hat die gelbe Frontplatte am Kopf zwischen den Augen einen größeren deutlichen schwarzen Fleck, manchmal in Form eines Ankers oder einer Glocke.
Alle Wespen, wie die Gallische Feldwespe erkennbar an den orangen Fühlern, bauen papierartige Nester aus Holzfasern, die sie mit Beißwerkzeugen von totem Holz abschaben.
Alle Wespen, wie die Gallische Feldwespe erkennbar an den orangen Fühlern, bauen papierartige Nester aus Holzfasern, die sie mit Beißwerkzeugen von totem Holz abschaben.
Alle Wespen, wie die Gallische Feldwespe erkennbar an den orangen Fühlern, bauen papierartige Nester aus Holzfasern, die sie mit Beißwerkzeugen von totem Holz abschaben.

In der Natur werden als Brutstätte für Wespen und Hornissen Nester in Höhlen in Baumstämmen, in Ästen, im Erdreich, zwischen Steinen oder auch in Nistkästen genutzt.

Im Herbst sind dann die Nester auf beachtliche Größe angewachsen, gebaut über viele Monate von vielen Arbeiterinnen eines einzelnen Insektenvolkes. Was mit nur einer winzig kleinen, kirschgroßen Wabe nach dem Winter beginnt, findet im darauffolgenden Winter in riesigen Dimensionen mit teil einem Meter Durchmesser den Abschluss.

Nach der Überwinterung beginnt die Königin als Staatengründerin mit der Eiablage in kleinen, notdürftig gebauten Waben. Die raus schlüpfenden Arbeiterinnen kümmern sich nun nurmehr darum die ununterbrochen weiter gelegten Eier zu pflegen und den Nachwuchs der einzigen Königin verlustfrei großzuziehen.

Es werden immer mehr Waben in verschiedenen Stockwerken gebaut, es wird Nahrung eingetragen und es wird dafür gesorgt, dass das Nest mit zunehmender Größe selbst an heißen Tagen nicht überhitzt. Viel zu tun für die ständig wachsende Staatengröße, die letztlich mit den ersten Frostnächten wieder erlischt und den Winter nicht überlebt, außer die neuen Königinnen. Im Herbst entwickelten sie sich extra durch spezielle Futtergaben der Arbeiterinnen und die zeitgleich entwickelten Männchen sorgen für den Fortbestand. Noch im Herbst paaren sich die Königinnen und die Männchen sterben mit Einsetzen der kalten Jahreszeit genauso wie alle Arbeiterinnen. Nur die Königinnen überleben den Winter und gründen im nächsten Jahr ein neues Volk - und ein neues Nest! Das alte Nest ist und nutzlos, in Gebäuden dann auch mitunter störend.

Auf flüchtigem Blick nicht erkennbar

Auf nur einen flüchtigen Blick kann man die filigrane Bauart eines Wespen- oder Hornissennestes nicht detailliert erkennen. Erst bei genauerer Betrachtung zeigt sich die verborgene Genialität im Detail. Das Material besteht aus feinst geraspelten Holzspänen, das von Arbeiterinnen mit Kraftaufwand ihrer Beißwerkzeuge abgehobelt und mit deren Speichel verfestigt wurde. In statistisch Tausenden Flügen über Hunderte Kilometer wurden die verfestigten, klebrigen Holzkügelchen zu einem gigantischen Gebilde zusammengefügt, ohne Bauplan, ohne Architekt, ohne Pause.

Über Monate wuchs durch Zusammenarbeit ein für jede Wespenart ein einzigartiges, doch strukturell immer gleiches Bauwerk. In den unterschiedlichen Braun- und Grautönen und den schattierten Streifen der papierartigen Außenwandung haben sich die verschiedenen Holzarten verewigt. Alle Wespen bauen nach dem gleichen, erblich angelegten Prinzip - alle Wespenarten und Hornissen, die größte Art unserer einheimischen Wespen.

Spannend wird dann die Frage, um welche Wespenart es sich bei entdeckten Riesennestern handeln könnte. Die erste Vermutung, es müsse sich sicherlich um eine riesige Art handeln, liegt nahe, doch können auch kleinere Arten durch Tausende Arbeiterinnen Höchstleistungen vollbringen. Hornissen bauen schon riesige Nester, haben allerdings kaum mehr als 800 Exemplare pro Jahr, während Deutsche Wespen oder Gemeine Wespen zwischen 4.000 bis zu 10.000 Exemplare pro Jahr hervorbringen.

Im Verhältnis zu einem riesigen Wespennest erscheint dann ein auch recht ansehnliches Hornissennest doch wiederum etwas kleiner.

Die einzige Möglichkeit, die genaue Art der Bauherren zu bestimmen, besteht im Auffinden verendeter Tiere und deren Überprüfung nach artbestimmenden Merkmalen. Da im Winter alle Arbeiterinnen absterben, finden sich im Inneren der verlassenen Nester meist noch etliche tote Insekten. Diese können dann eindeutig bestimmt werden. Die gelb-schwarzen Streifen am Hinterleib haben alle mehr oder weniger gleich ausgeprägt. Nur in kleinen Details mit größeren oder kleineren Punkten unterscheiden sich die Arten. Wesentliche Merkmale findet man am Kopf. Dieser ist normalerweise ebenfalls gelb und schwarz, nur bei Hornissen ist dieser zusätzlich kräftig rot gefärbt. Fehlt die rote Färbung, kommen mehrere unserer insgesamt neun Großwespenarten infrage, aber nur zwei davon bilden gelegentlich Riesennester aus, die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe.

Beide recht ähnlich in ihrer Färbung und Farbverteilung und beide sehr variabel, was eine Bestimmung nicht leichter macht. Nur die Kopfplatte zeigt ein eindeutiges Merkmal in Form eines einzigen schwarzen Flecks bei der Gemeinen Wespe oder drei kleinen einzelnen schwarzen Pünktchen bei der Deutschen Wespe. Die Pünktchen machen den Unterschied, die Bestimmung liegt im Detail. Nach Sichtung der im Riesennest im Leserfoto aufgefundenen toten Wespen konnte die Art als Gemeine Wespe bestimmt werden. Auf einigen Fotos der toten Wespen waren deren Kopfplatten zu sehen, zeigten eine schwarze, meist ankerförmige Form. Nach Tagen offener Fragen und etlicher Hinweise und Fotos waren die Rekordbauherren des letzten Sommers erkannt worden und ihrem Kunstwerk wurde posthum die entsprechende Anerkennung zuteil. Respekt an den Finder, der so ein Werk nicht achtlos entsorgt hat, sondern auftauchenden Fragen nachgegangen ist.

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