Verlust von Bauwerken

"Abriss des Jahres": Auch Landshuter Handwerker-Haus ist nominiert

Der Landesverein für Heimatpflege will auch 2024 wissen - wo hat sich der "traurigste Abriss" des Jahres ereignet? Welchen Verlust historischer Bausubstanz empfinden die Bürger am schlimmsten? Abstimmen geht im Internet.

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Nach und nach verfiel die Bausubstanz des historischen Gebäudes an der Wagnergasse.

Nach und nach verfiel die Bausubstanz des historischen Gebäudes an der Wagnergasse.

Von Redaktion Landshut Stadt

Kirchen, historische Gasthöfe, Wohn- und Handwerkerhäuser: Auch in diesem Jahr hat der Bayerische Landesverein für Heimatpflege wieder laut eigenen Angaben "traurige Beispiele verlorener Baukultur" gesammelt. Auch ein Landshuter Bauwerk ist auf der Liste der zwölf besonders markanten Fälle dabei: So steht auch der Abriss des letzten verbliebenen alten Handwerker-Hauses an der Wagnergasse zur Abstimmung.

Das steht in der Begründung des Landesvereins für Heimatpflege für die Nominierung: "Das historische Gebäude in der Wagnergasse 2 in Landshut, ein Renaissancebau aus dem 16./17. Jahrhundert, wurde im Januar abgerissen. Nach Jahrzehnten des Verfalls galt es als einsturzgefährdet, was eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellte. Nachbarn und Experten bedauerten den Verlust, da das Gebäude Jahrhunderte unbeschadet überstanden hatte. Der Abriss schafft Platz für einen Neubau, wodurch Landshut einen weiteren Teil seiner historischen Architektur verliert."

Im Januar 2024 begann der Abriss des Hauses.
Im Januar 2024 begann der Abriss des Hauses.
Im Januar 2024 begann der Abriss des Hauses.
Das Haus Wagnergasse 2 stand unter Denkmalschutz.
Das Haus Wagnergasse 2 stand unter Denkmalschutz.
Das Haus Wagnergasse 2 stand unter Denkmalschutz.

Bis 9. Januar kann noch abgestimmt werden

Ob die Wagnergasse beim Abriss des Jahres ganz vorne landen wird? Noch bis einschließlich 9. Januar 2025 kann die Öffentlichkeit auf der Webseite des Landesvereins über den "bedauernswertesten Abriss" abstimmen. Der Wettbewerb soll laut Angaben Bewusstsein schaffen für die zunehmende Vernichtung denkmalgeschützter und historischer Gebäude in Bayern.

Der Landesverein für Heimatpflege verzeichne seit Jahren mit großer Sorge, dass der Erhalt ortsbildprägender Baukultur in Bayern zunehmend ins Hintertreffen gerate. "Unsere Baukultur macht Bayern unverwechselbar", betont Rudolf Neumaier, Geschäftsführer des Vereins. "Dennoch beobachten wir, dass viele erhaltenswerte, sogar denkmalgeschützte, Gebäude jahrzehntelang vernachlässigt werden und letztlich dem Verfall und Abriss preisgegeben sind." Der Abriss von Bestandsbauten bedeute nicht nur den Verlust von Identität stiftenden Zeitzeugen, sondern auch eine massive Ressourcenverschwendung. Denn nach einem Abriss werde in aller Regel neu gebaut. Aktuelle Zahlen verdeutlichten den Handlungsbedarf: Rund 40 Prozent des CO2-Ausstoßes in Deutschland seien auf die Baubranche zurückzuführen, während pro Kopf mehr als 2,5 Tonnen Bau- und Abbruchabfall entstünden.

"Anstatt bestehende Gebäude abzureißen, müssen wir den Bestand als Ressource begreifen und weiterentwickeln. Das spart Energie, schont Materialien und bewahrt ein Stück Heimat", sagt der Vorsitzende des Vereins, Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich. In den vergangenen zwei Jahren waren bei der Wahl zum "Abriss des Jahres" die Radrennbahn in Nürnberg (2022) und ein Fachwerkhaus in Bayreuth-Rödensdorf (2023) ausgewählt worden.

Denkmalgeschützte Gebäude sind laut Landesverein eigentlich gesetzlich vor Abriss geschützt. In der Realität aber bemerke der Landesverein schon seit langem, dass dieser Schutz immer wieder durch die Argumente der wirtschaftlichen Unzumutbarkeit oder der akuten Einsturzgefahr ausgehebelt werde. "Ist ein Gebäude zwar historisch und städtebaulich bedeutsam, aber nicht denkmalgeschützt, steht einem Abriss rechtlich gesehen gar nichts entgegen", so der Verein.

Zwischen 2011 und 2021 seien von den zuständigen Behörden allein in Bayern mehr als 800 gelistete Denkmäler zum Abriss freigegeben worden. "Ein alarmierender Trend, der nicht nur das historische Erbe zerstört, sondern auch wertvolle Ressourcen verschwendet."

Hier kann man abstimmen

Alles weitere über den "Abriss des Jahres" findet sich unter der Internetadresse www.heimat-bayern.de/abriss-des-jahres-2024/.

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