BLLV-Bildungstag
So wichtig sind Schule und seriöse Medien in der aktuellen Situation

Gudrun Schraml
In der Eskara konnten sich die Lehrer über die neuesten Lehrmittel der verschiedensten Verlage informieren.

Wie wichtig und unverhandelbar unabhängige Medien und Qualitätsjournalismus für den Erhalt der Demokratie sind, führte am 38. BLLV-Bildungstag Werner Reuß aus, zuständiger Leiter für den Programmbereich Wissen und Bildung beim Bayerischen Rundfunk.
„Geschwister im Dienste der Aufklärung“ seien Medien und Schule, beide verfolgten einen normativen Auftrag bezüglich Urteilskraft, Sozialverhalten und nicht zuletzt der Demokratieförderung. Demokratie sei vor allem eine Gesellschaft des Streits, allerdings müsse dieser Streit auf einer gemeinsamen Faktenbasis beruhen, zitierte er Ralf Dahrendorf. Damit kam Reuß zum Begriff Wahrheit, der vielschichtig sei. Was Medien berichten, muss wahr beziehungsweise wahrhaftig sein, um glaubwürdig zu bleiben. Auch Grundvertrauen sei eine wichtige Grundbedingung, Misstrauen fördere Ohnmachtsgefühle, Wut, Hass und Zorn- Lebenselixier für populistische Parteien.

Gudrun Schraml
Referent Werner Reuß machte die Wichtigkeit der freien Presse für die Demokratie deutlich.
Zunehmende Demokratieermüdung
Die Demokratie und soziale Marktwirtschaft stünden zunehmend unter „Beschuss“, führte der Referent seine Thesen weiter aus, seit Jahren könne man eine zunehmende Unzufriedenheit und Ermüdung mit der Demokratie feststellen. Dafür sei auch die Langsamkeit demokratischer Prozesse verantwortlich, die im Gegensatz zur schnelllebigen Zeit mit unzähligen, meist schlechten Nachrichten aus den sozialen Medien stünden. Die Menschen wollen sofortige Lösungen der anstehenden Probleme, am besten in Sekundenschnelle. Doch verantwortungsvolle Medien würden recherchieren, Hintergründe beleuchten, Themen und Menschen sichtbar machen, auch wenn sie unter gewaltigem Zeitdruck stünden. Wissen geht schnell, Verstehen braucht Zeit, lautete Reuß´ Credo.
Die Aufgaben der Medien in der Gesellschaft sei vielfältig, fuhr Reuß weiter. So müssten sie eine gemeinsame Öffentlichkeit schaffen mit einer gemeinsamen Faktenbasis, auf deren Grund Diskussionen auf Augenhöhe ausgetragen werden könnten. Die „individuelle Personalisierung bei der Mediennutzung“ hält der Referent für höchst gefährlich, denn die Schnittmengen zwischen den unterschiedlichen Menschen würden damit weniger.
Kritik und Kontrolle seien ebenso wichtige Instrumente der freien Presse; sie hätte keine Macht, könnten aber Missbrauch öffentlich machen. Bildung und Erziehung mit einer damit einhergehenden Werteerziehung sei ebenfalls Aufgabe der Medien. Dabei sei Qualitätsjournalismus, bei dem wahrhaftig berichtet und Fakten richtig eingeordnet würden, Kompass und demokratischer Klebstoff. Dieses qualitätsvolle, zeitintensive Arbeiten koste Geld im Gegensatz zu Nachrichten in den sozialen Medien.
Unabhängigkeit ist „Sauerstoff der Wahrheit“
Die Unabhängigkeit der Medien sei dabei der „Sauerstoff der Wahrheit“. Wer die Wahrheit angreife, greife die Demokratie an, warnte Reuß seine Zuhörer, Pressefreiheit sei ein Grundrecht der Bürger und zentral für die Demokratie.
Deshalb sei es unabdingbar, dass ab dem frühen Alter Medienkompetenz und damit das Verständnis für die Mechanismen sozialer und öffentlich-rechtlicher Medien als zentrale demokratische Schlüsselfunktion verstanden würde und diese auch zentral in den Lehrplänen verankert seien.
Der langanhaltende Beifall der Zuhörer zeigte, wie sehr den Pädagogen dieses Thema auf den Nägeln brennt, steigt der Medienkonsum der Kinder und Jugendlichen immer mehr und sinkt die Möglichkeit der Einflussnahme in diesem Bereich zunehmend.
Das sagen die LehrerBeim 38. Bildungstag des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands Niederbayern treffen sich Pädagogen aus ganz Niederbayern. Für den Hauptvortrag „Wächter der Wahrheit - wie unabhängige Medien unsere Demokratie schützen“ war das Interesse riesig, konfrontiert doch das Thema Medienkonsum, Handys in der Schule oder Umgang mit den sozialen Medien jeden Tag die Lehrer an allen Schulen. Wir fragten nach bei Pädagogen und Verantwortlichen. Melanie Winterstetter, Seminarrektorin für Grundschulen, nennt die Demokratiebildung als zentralen Kern in der Ausbildung der Junglehrer. In den Seminaren würden ihnen das Rüstzeug dazu für die Praxis gegeben, indem politische Bildung wissensbasiert in konkreten Situationen verzahnt würden.
Christian Schläger von der Hans-Lindner-Stiftung dagegen bietet über seine Organisation Wertedemokratie-Seminare an, Schulungen für Lehrer und auch Schüler, die Nachfrage dazu stieg enorm, das Thema ist im Bewusstsein aller angelangt. Martin Zuchs, Schulamt Landshut und Brigitte Schönhofer-Bohrer, Schulamt Kehlheim, bewerten den zunehmenden Medienkonsum und die damit einhergehenden einseitigen Informationsrichtungen äußerst besorgt. Sie sehen für die Schulen eine der Hauptaufgaben in diesem Bereich, den Schülern eine entsprechende Quellenbewertung nahe zu bringen. Denn Demokratiebildung geht nicht ohne Medienbildung. Die „Blasenbildung“, weil Kinder und Jugendliche aus nur wenigen Quellen ihre Nachrichten bezögen, müsse unterbrochen werden, betonen beide übereinstimmend. Fragen beispielsweise wie „wer beeinflusst Dich?“, „wie ist hier die Information zu bewerten?“ müssten gemeinsam geklärt werden.
Die Rektoren Susanne Höglinger-Winter, Grundschule Fürstenstein, und Bernd Reischl, Grund- und Mittelschule Untergrießbach, sehen Medienerziehung als Unterrichtsprinzip. Die von der Regierung bereitgestellten digitalen Endgeräte würden dazu eingesetzt. Beide Rektoren holen sich für diese Herkulesaufgabe externe Kräfte ins Haus, beispielsweise die Polizei. Allerdings seien die Verlockungen riesig; besorgniserregend sei auch, dass von einem Großteil der Eltern die Medienerziehung in die Hand der Schule gegeben würde, die Eltern selber seien oftmals überfordert. Dramatisch sei doch, dass viele Schüler Handys ohne jegliche Einschränkungen in Händen hielten. Es sei eine Mammutaufgabe ohne Ende, immer wieder auf die Gefahren hinzuweisen und eine sinnvolle Nutzung zu lehren.







