Mitarbeiterführung
Führungsexperte Boris Nannt sprach in Essenbach

Agnes Wimmer
Boris Nannt (3.v.l.) und Claus Schorn (r.) mit Vorstandsmitgliedern des Gewerbevereins.

Das Bezirksverbindungskommando, die Bundeswehr und der Gewerbeverein wagten ein durchaus gelungenes Netzwerk-Experiment. Boris Nannt, ehemaliger General und Chef der Akademie Deutscher Genossenschaften (ADG) in Montabaur, zog die knapp 100 Teilnehmer im Gasthaus Luginger in seinen Bann. Seitens des Gewerbevereins oblag es Vorstandsmitglied Nathalie Wallner, die Ehrengäste aus der Bezirksdirektion, dem Sanitätslehrregiment und den Genossenschaften willkommen zu heißen.
Soziale Netzwerke zu pflegen war die Motivation des Abends zum Thema Führung, die auch auf die Familie übertragbar wäre, so Claus Schorn. Infolge seiner beruflichen Vergangenheit bei der Bundeswehr stellte er die Kontakte zum Referenten her, von dem er sich wichtige Impulse zum Thema Mitarbeiterführung erwartete. „Führung ist die bewusste zielgerichtete Wirkung auf Mitarbeiter und Gruppen, um gemeinsame Unternehmensziele durch Motivation, Kommunikation und Vorbild zu erreichen“, so seine Erfahrung. Die Netzwerkung mit dem Gewerbeverein begründete Schorn mit der Tatsache, dass sich die drittgrößte Volkswirtschaft Deutschland unter anderem auf das Rückgrat des Mittelstandes stützt.
Einführend ging Boris Nannt auf die Demographie ein, die viele Fragen und maximale Unsicherheit aufweist. Früher sei die Welt auf Jahre überschaubar gewesen, doch heute könne er nicht sagen, wie sie in einem Jahr aussieht. Die Wechselbereitschaft der Arbeitnehmer liege bei 50 Prozent, ebenfalls 50 Prozent der unter 30jährigen leben nach dem Motto, „lieber arbeitslos als unglücklich im Job“. Die Selbsteinschätzung der Führungskraft stehe meist im Widerspruch zur Wahrnehmung der Arbeitnehmer. Die Führung müsse die Rolle als Talentmagnet und Kulturstifter beherrschen, zur Schaffung von Vertrauen und gemeinschaftlichem Streben zum erfolgreichen Erreichen der Ziele, müsse jedoch kein Superheld sein.
Das Bild eines Segelschiffes auf hoher See zum Einstieg zeigte nicht nur, dass Boris Nannt aus Schleßwig Holstein kommt, sondern symbolisierte die verschiedenen Winde, denen eine Führungskraft mit seinem Team ausgesetzt ist. Seine Behauptung, „ein Unternehmen scheitert nicht an der Fachlichkeit, sondern aufgrund der Führung“ untermauerte der Referent in seinem hervorragend strukturierten Vortrag mit zehn essentiellen Thesen. Dabei stellte er die Selbstreflexion an erste Stelle.
Als tägliches Ritual sei sie unerlässlich und jeder müsse seine eigene Methode dafür finden. Die Frage am Ende des Tages: „Was war gut, schlecht und warum“, gehöre zum Abschluss und ermögliche ein Einschlafen in Sekundenschnelle. Als wichtigste Voraussetzungen für den planbaren Erfolg nannte er Verbindlichkeit und Schnelligkeit, ein straffes Zeitmanagement, klar getaktete Pünktlichkeit.
Dabei habe sich die Führungskraft aus der Perspektive eines Leistungssportlers zu sehen mit Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung. Die Führung müsse erkennen, dass sie nicht für „Pillepalle“ zuständig ist, etwa für die Farbe der Weihnachtskugeln. Etwas mehr Pippi Langstrumpf-Haltung „das hab ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe“ diene dafür, an sich selbst zu glauben.
Emotionaler Klebstoff lasse sich durch gutes Füreinander schaffen, daher sei die Präsenz mit Wahrnehmung des Umfelds, des Zuhörens durch nichts ersetzen. Zur Erkundung neuer Wege und des Ausprobierens gehöre die Kultur des Stolperns.
Ohne Lust auf Wettkampf könne kein Wettbewerb gelingen. Nannt betonte, Visionen und Ziele inspirieren und motivieren. Ziele müssten verständlich, erreichbar und relevant sein, sie erfordern Klarheit und Konsequenz. Spielregeln hätten für alle zu gelten und fordern bei Nichteinhaltung strikte Konsequenzen. Die Führung brauche Raum zur Reflexion, Störungen müssten vorrangig besprochen werden, denn nur so bestehe die Chance zur Veränderung.








