Landkreis Landshut
Der kapitale Bock mit dem Brandschutz: Wie geht's jetzt weiter mit dem "Kn4st"?
Ausgerechnet bei der Großraumdisco "Kn4st" im alten Gefängnis an der Wittstraße soll heftigst geschludert worden sein? Eigentlich unvorstellbar - doch genau so scheint es sich zu verhalten. Denn seit der Club vor fünf Jahren erstmals seine Tore geöffnet hat, fehlt ein ganz wichtiges Detail: die reguläre Baugenehmigung einschließlich des Brandschutzes.
Ein ungeheures Versäumnis, wie der Leiter des Baureferats, Johannes Doll, in geradezu entwaffnender Offenheit einräumt: "Ich muss das auf meine Kappe nehmen", sagt er - und stellt sich damit tapfer vor seine Mitarbeiter, die diesen riesigen Bock geschossen hatten.
Baudirektor Doll zog die Reißleine
Denn Doll selbst war es, der nun die Reißleine gezogen hatte. "Was macht ihr da eigentlich?", soll es dem Baudirektor entfahren sein, als er vor einigen Wochen das weitläufige Areal besichtigte. Eigentlich ging es nur um die Verlängerung der Konzession für den Betrieb, die Ende Mai ausgelaufen war - normalerweise eine reine Pro-Forma-Angelegenheit, wie es jedes Jahr aufs Neue abgelaufen war. Doch nun kamen die Versäumnisse der Vergangenheit ans Licht - der Weiterbetrieb wurde von heute auf morgen untersagt. "Das hätte man natürlich schon viel früher machen müssen", gesteht Doll gegenüber der LZ.
Und zwar aus folgendem Grund: Für die Partys im "Kn4st" wurden gemäß Paragraf 47 der Versammlungsstättenverordnung anfangs immer wieder baurechtliche Genehmigungen auf Basis von Einzelveranstaltungen erteilt - wie es beispielsweise auch bei Partys anlässlich von Gründungsfesten geschieht. Wird aus diesen einzelnen Events jedoch ein regulärer Betrieb, muss zwingend eine reguläre Genehmigung erteilt werden - mit allem Drum und Dran, einschließlich des aufwendigen Brandschutzes. Und genau das wurde hier versäumt. Denn dass die vergangenen Jahre im alten Gefängnis ein regulärer Gaststättenbetrieb stattgefunden hat, kann von niemandem ernsthaft in Zweifel gezogen werden. "Der jetzige Betreiber ist natürlich der Leidtragende. Der muss das alles ausbaden", sagt Doll.
Nach der Fußballiade war endgültig Schluss
Der jetzige Pächter, das ist Michael Lukas. "Ich bin aus allen Wolken gefallen", sagt er. Schließlich habe er die nächsten Veranstaltungen im "Kn4st" bereits terminiert, nun habe er alles absagen müssen. Dank einer Ausnahmegenehmigung durfte er zumindest am ersten Juni-Wochenende noch die "After-Show-Partys" während der Fußballiade durchführen - alles andere wäre auch für die Stadt wohl zu peinlich gewesen. Denn sie saß bei dieser Sportveranstaltung mit im Boot und hatte sie auch prominent beworben. Doch nach der Fußballiade war unwiderruflich Schluss.
Im Jahr 2013 hat Lukas den Geschäftsbetrieb übernommen und an seinen Vorgänger laut eigener Aussage einen erheblichen Betrag überwiesen: für die Einrichtung, aber auch für die Marke "Kn4st", beispielsweise für den Facebook- und Internetauftritt. Und natürlich, so sieht Lukas es, auch für alle erforderlichen Genehmigungen. Deshalb hat er nun einen Rechtsanwalt eingeschaltet und strebt eine Rückabwicklung des Geschäfts an: "Denn aus meiner Sicht ist das nicht ordnungsgemäß abgelaufen."
Pachtvertrag mit Michael Lukas läuft vorerst weiter
Unterdessen bleibt der Status quo im alten Gefängnis zunächst einmal erhalten, wie Lukas erklärt: "Der Pachtvertrag läuft ja weiter. Beispielsweise eignet sich der Ort sehr gut als Filmkulisse für Dreharbeiten, auch die Hundestaffel der Polizei war schon hier und hat Übungen durchgeführt." Öffentliche Veranstaltungen seien jedoch bis auf weiteres ausgeschlossen - und damit bricht dem Gastronom die Haupteinnahmequelle weg.
Wie wird es nun also weitergehen mit dem alten Gefängnis?
Das Gelände einschließlich der Gebäude befindet sich nach wie vor im Eigentum des Freistaats Bayern. Zuständig für die Nutzung, Vermietung oder einen möglichen Verkauf ist die Immobilien Freistaat Bayern. Deren Geschäftsführer Dieter Knauer gab auf LZ-Anfrage Auskunft über den aktuellen Sachstand: "Sollten die Verhandlungen zwischen der Stadt Landshut und der ,Erbengemeinschaft Bernlochner' zum Stadttheater scheitern, hat die Stadt ihr Interesse an einem Erwerb der alten JVA bekundet. Der Freistaat Bayern könnte das Areal nur dann ohne öffentliche Ausschreibung an die Stadt Landshut veräußern, sofern es überwiegend für kommunale Zwecke benötigt wird. Andernfalls soll das Objekt öffentlich zum Verkauf ausgeschrieben werden. Bis dahin ist eine Zwischennutzung, auch als Diskothek, denkbar."
Hoffnungsschimmer für alle Nachtschwärmer
Ein Hoffnungsschimmer also für die vielen Partygäste, die das Angebot im "Kn4st" in den vergangenen Jahren sehr zu schätzen wussten. Möglicherweise sogar wieder unter der Regie von Michael Lukas: "Jetzt muss sich die Aufregung mal legen, und ich hoffe sehr, dass ich mich mit meinem Vorgänger auch finanziell einigen kann." Sobald diese Verhandlungen abgeschlossen sind, möchte er sich mit den zuständigen Behörden bei der Stadt und der Feuerwehr an einen Tisch setzen und alle Möglichkeiten ausloten. Und bis dahin? "Bis dahin hab ich zumindest während der Dult einen super Parkplatz."











