Nach Restaurierung
Turmkreuz des Sebastiani-Kirchleins in Wallersdorf kehrt zurück

Sabrina Melis
Bevor das Turmkreuz wieder seinen Platz auf dem Sebastiani-Kirchlein einnehmen konnte, wurde es von Dekan Jürgen Josef Eckl gesegnet.
„Franz, ist das gerade?“, schallt es über die Köpfe, über die nicht wenigen Gläubigen, die geduldig trotz der angehenden Hitze warten. Alle Blicke richten sich nach oben: Das frisch restaurierte Kreuz steht bereits auf der Spitze des Türmchens, auf der goldenen Kugel, glänzt prachtvoll und strahlt regelrecht im warmen Sonnenschein. Unten steht Architekt Franz Heubl, blickt prüfend nach oben, lässt noch einmal nachjustieren und begutachtet das Geschehen aufmerksam von allen Seiten. Schließlich muss alles perfekt sitzen für das historische Schmuckstück von Wallersdorf: das Sebastiani-Kirchlein auf dem Moos.
Unter zahlreichen Blicken der anwesenden Gläubigen und Beteiligten segnete Dekan Jürgen Josef Eckl das glänzende Turmkreuz, bevor es feierlich wieder seinen angestammten Platz auf dem Türmchen einnahm. In seiner Ansprache hob der Geistliche die tiefe Bedeutung des Symbols hervor: „Wir sind heute zusammengekommen, um das restaurierte Turmkreuz von St. Sebastian zu segnen, damit es wieder an seinen Platz kommt und weithin sichtbar verkündet, an was wir Christen glauben: dass die Liebe Gottes letztlich triumphiert; dass für uns, die wir auf Christus unsere Hoffnung setzen, nicht der Tod das letzte Wort hat, sondern der lebendige Gott.“
Eckl nutzte die Gelegenheit, um alle Beteiligten herzlich zu würdigen - von den Firmen und Planern über Rudi Wenzl, die gute Seele des Kirchleins, und die Unterstützer bis hin zur Kirchenverwaltung und Verwaltungsleitung Astrid Weber. Solche Gotteshäuser seien nicht nur Orte des Gebets, sondern prägende Zeichen christlicher Kultur und Werte, so Eckl. Auch eine Zeitkapsel, bestückt mit aktuellen Tageszeitungen, Münzen und einem Schreiben der Kirchenstiftung, wurde im Zuge der Arbeiten im Turm verwahrt.
Aufwendige Sanierung: Kampf gegen Feuchtigkeit
Dass das kleine Kirchlein nun wieder in neuem Glanz erstrahlt, ist das Ergebnis monatelanger Handarbeit. Seit Mai laufen die umfangreichen Instandsetzungsmaßnahmen an Hülle und Turm. Rudi Wenzl erklärt die Schritte: Um dem aufsteigenden Wasser im Mauerwerk Einhalt zu gebieten, wurde ein zusätzlicher größerer und tieferer Sickerschacht für die bestehende Drainage besetzt. Der Putz wurde auf Sockelhöhe noch mit Dichtungsschlämme verspachtelt, die bestehende Drainage wurde durchgespült. Anschließend verfüllten die Arbeiter den Bereich mit Rollkies. Auch in der Höhe gab es viel zu tun: Die Fassade der Obergeschosse am Turm wurde mit dem Hochdruckreiniger gesäubert und zweimal neu gestrichen. Kreuz und Kugel wurden restauriert und abgedichtet. Während das Äußere nun fast fertiggestellt ist, gehen die Arbeiten im Inneren weiter. Unter anderem wurde der sogenannte Kaiserstiel - die Holzkonstruktion im Turm, die das Kreuz verankert - komplett erneuert, begleitet von weiteren Ausbesserungsarbeiten im Glockenturm.
Vom Pestfriedhof zum Wallfahrtsort
Als Rudi Wenzl nach der Segnung kurz durchatmete und auf einer der Bänke unter den Bäumen Platz nahm, kam Marktrat Hans Kulzer spontan auf ihn zu. Die Anerkennung kam tief aus dem Herzen: „Danke, Rudi, dass du dich da immer so drum kümmerst. Wenn du nicht wärst, wäre das alles nicht so“, betonte Kulzer mit Blick auf das Engagement der letzten 40 Jahre. Ohne ein solches Herzblut ließe sich ein historisches Denkmal schlichtweg nicht erhalten.
Die Geschichte des Kirchleins reicht weit zurück. Als im Herbst des Jahres 1633 der Dreißigjährige Krieg die Region erreichte, folgten Hunger und Pest. Allein im Jahr 1634 fielen der Seuche in Wallersdorf über 50 Menschen zum Opfer. Aus Angst vor Ansteckung bettete man die Toten nicht auf dem Dorffriedhof, sondern zwei Kilometer südwestlich auf einem eigenen Pestfriedhof. Zur Erinnerung an die Opfer und aus Dankbarkeit für das Erlöschen der Seuche wurde vermutlich im Jahr 1638, spätestens aber vor dem Jahr 1660, die Sebastiani-Kapelle erbaut. Eine Glocke aus dem Jahr 1660, gegossen von Johann Schelshorn, zeugt noch heute von dieser Zeit.
Das Kirchlein wurde historisch von der „Sebastiani-Kirchenstiftung“ betreut. Deren Vermögen verwalteten Zechpröpste gemeinsam mit dem Pfarrer. Wie alte Abrechnungen belegen, half die Stiftung im 18. Jahrhundert regelmäßig mit Darlehen und Beihilfen für die Pfarrkirche St. Johannes, das Schulhaus oder neue Glocken aus. Nachdem das Stiftungsvermögen in der Inflation vom Jahr 1923 verloren ging, übernahm die Pfarrkirchenstiftung Wallersdorf die Verwaltung. Immer wieder musste das Kirchlein in den vergangenen Jahrhunderten saniert werden - besonders prägend war die Erneuerung nach den Napoleonischen Kriegen im Jahr 1818. Nach einem Vierteljahrhundert des Verbots von Prozessionen feierte die Gemeinde damals ein großes Fest. Pfarrer Riccabona hielt in seiner Chronik fest, wie acht Jünglinge in roten Kleidern die Heiligenstatue trugen, begleitet von Böllerschüssen, Musik und Freudentränen der Bürger.
Schwerste Zeiten hinterließen ihre Spuren
Auch schwerste Zeiten hinterließen am Ort ihre Spuren: Diebstähle in den 1970ern erforderten spätere Restaurationen, und zwei Gedenksteine neben der Kirche erinnern bis heute an die, die dem Nationalsozialisten im KZ Außenlager Ganacker zum Opfer fielen, die hier vorübergehend ihre letzte Ruhe fanden.
Dass das Sebastiani-Kirchlein auf dem Moos nach all den Jahrhunderten nun erneut instand gesetzt wird, führt diese lange Tradition des Zusammenhalts fort - damit das Kreuz noch lange weit über das Land strahlen kann.













