Gastronomie
Vom Hofbräuhaus Melbourne nach Wallersdorf: Das ist der neue Bräuhof-Wirt

Andreas Kerscher
Bürgermeister Franz Aster stellte Christopher und Pille Zechner als das neue Wirtsehepaar vor.
Die Zukunft des Bräuhofs in Wallersdorf ist gesichert. Bei einem Pressetermin hat Bürgermeister Franz Aster am Dienstag den neuen Pächter vorgestellt. Christopher Zechner wird zusammen mit seiner Frau Pille ab Oktober das 1.800 Quadratmeter große Gasthaus mit 13 Hotelzimmern bewirtschaften.
„Ein Glücksfall“ seien die beiden für den Markt Wallersdorf, freut sich Aster. Anfang des Jahres hatte der bisherige Wirt, Markus Stahl, bekannt gegeben, dass er seinen Ende September auslaufenden Pachtvertrag nicht verlängern werde. Seitdem suchte der Markt einen Nachfolger. Gerüchte von der endgültigen Schließung des Bräuhofs machten die Runde.
„Die Suche war schwierig, um ehrlich zu sein“, sagte Aster am Dienstag. Die Bewerber seien nicht gerade Schlange gestanden. „Eine Gastwirtschaft in der Größenordnung ist auch eine Herausforderung.“ Doch letztendlich war die Suche erfolgreich. In der vergangenen Woche hat Zechner, ein Koch in dritter Generation, den Pachtvertrag für die nächsten fünf Jahre unterschrieben.
In Wallersdorf habe es „einfach gepasst“
Die Eltern des neuen Wirts stammen aus der Steiermark, er selbst ist in Sydney geboren worden. Dort führten seine Eltern über 20 Jahre lang ein österreichisches Restaurant. Im Kindesalter zog Zechner mit seinen Eltern zurück nach Österreich – nur um als Teenager erneut nach Australien zu gehen. Dort lernte er das Kochhandwerk in einer österreichischen Küche. Ab 2010 übernahm Zechner das Hofbräuhaus in Melbourne. In dieser Zeit baute der Austro-Australier seine Kontakte zu Bayern aus, weil er authentische Produkte wie Sauerkraut aus Straubing und natürlich bayerisches Bier importierte. Während der Corona-Pandemie verkaufte Zechner das Hofbräuhaus wieder und war einige Jahre lang als Gastronomie-Berater in den Vereinigten Arabischen Emiraten tätig. Dort lernte er auch seine Ehefrau Pille aus Estland kennen.
Dass das Wirtsehepaar mit so viel internationaler Erfahrung nun ausgerechnet nach Wallersdorf kommt, hat private Gründe: Das Paar bekommt ein Baby. „Wir haben uns entscheiden müssen, wo wir Wurzeln schlagen“, sagt Zechner. Mehrere zu verpachtende Wirtshäuser in Bayern und Österreich standen zur Auswahl. Doch in Wallersdorf habe es „einfach gepasst“. Beide Ehepartner seien in Orten mit ähnlicher Größe aufgewachsen. Das Gemeinschaftsgefühl, das er aus der Kindheit kenne, sei in Wallersdorf sofort spürbar gewesen. „Da haben wir entschieden, das machen wir zu unserem Zuhause.“ Schon seit Ende Mai lebt das Ehepaar mit einem elfjährigen Sohn in Wallersdorf. Somit hatte Zechner vor der Vertragsunterzeichung in der vergangenen Woche genug Zeit, sich Wallersdorf als neue Heimat anzusehen.
Der Pachtvertrag läuft ab Oktober. Aber erst ab Mitte November will Zechner den Bräuhof wieder öffnen. Bis dahin will er einrichten und vor allem noch genug Personal suchen. Aus der bisherigen Belegschaft des Bräuhofs werde er jeden übernehmen, der hierbleiben möchte, sagt er. Doch zusätzliche Kräfte aus der Umgebung seien wohl nötig.
Bayerische Küche „mit steirischem Einschlag“
Große Änderungen plant der neue Pächter zunächst nicht: „Es wird alles so bleiben, wie es ist.“ Das Hotel, den Biergarten und den Saal werde er wie bisher weiterführen. Der Fokus soll auf der „Schwemme“ liegen. „Die ist sehr wichtig für die Gemeinschaft“, weiß der Wirt. „Wir verstehen das Konzept. Wir verstehen die Kultur. Und das Restliche kriegen wir schon hin“, versichert Zechner. Mit den Vereinen und der Ortsgemeinschaft wünscht er sich eine starke Zusammenarbeit. Die ganztägigen Öffnungszeiten mit den Ruhetagen am Montag und Dienstag wolle er zumindest am Anfang ebenfalls beibehalten. „Das heißt aber nicht, dass es so bleibt.“
Geplant ist eine gutbürgerliche, bayerische Küche, „aber sie wird schon auch einen steirischen Einschlag haben“. Um die Speisekarte und die Führung der Küche werde er sich selbst kümmern, sagt Zechner. Pille Zechner wird sich – neben ihrer Rolle als Mutter – um Büro, Marketing und Soziale Medien kümmern. „Wir sind ein starkes Team. Es ist nicht nur mein Projekt, wir machen das vom ersten Tag weg zusammen.“
Neben dem Bewährten hat Zechner viele weitere Ideen: „Wir wollen schon auch neue Sachen aus unserer internationalen Erfahrung reinbringen.“ Von kulinarischen Mottotagen über Musikerstammtische bis hin zu Bühnen, die man jungen Künstlern bieten könnte oder einem regelmäßigen Brunch sei vieles denkbar.
Der letzte Öffnungstag des bisherigen Pächters Markus Stahl wird am Sonntag, 20. September, sein. Bis dahin müssen auch alle bei ihm gekauften Gutscheine eingelöst werden.
Der Bräuhofkater Luggi wird adoptiert
Stahl hatte Anfang des Jahres als Gründe für sein Aus die schwierige Suche nach geeignetem Personal und die „enormen Kosten“ angegeben. Die Nebenkosten für den Bräuhof summieren sich monatlich auf fast 5.000 Euro – ohne Strom und Gas. Alleine die monatlichen Wartungskosten für das denkmalgeschützte Gebäude belaufen sich auf rund 1.000 Euro. Richtig beurteilen könne er diese Kosten erst nach einigen Monaten im Betrieb, sagt Zechner dazu. Aber: „Ich habe mir die Zahlen angeschaut und denke, es sollte funktionieren.“
An anderer Stelle ist eine wichtige Frage bereits geklärt: Der Bräuhofkater Luggi wird in Wallersdorf bleiben. „Den übernehmen wir gern“, sagt Zechner. „Der ist mir gleich zugelaufen, der hat sich gleich wohlgefühlt.“
Eines der letzten großen Wirtshäuser
Der Bräuhof in Wallersdorf ist eines der letzten großen, traditionellen Wirtshäuser in der Umgebung und das letzte verbliebene Gasthaus in Wallersdorf. „Der Bräuhof ist von großer regionaler Bedeutung, findet Wallersdorfs Bürgermeister Franz Aster. Das denkmalgeschützte Gebäude gehört der Marktgemeinde. Von 2016 bis 2018 hat der Markt Wallersdorf den Bräuhof umfassend saniert.
Neben der Schwemme („D’Schwemm“) mit der Hauptschenke und 50 Sitzplätzen, die zentral gelegen das Herzstück des Bräuhofs bildet, gibt es ein Restaurant mit Platz für weitere 50 Gäste, eine Wirtsstube mit 20 Sitzplätzen und einen großen Saal, der fast 200 Personen Platz bietet. Der Biergarten bietet 250 Sitzplätze. Hinzu kommen eine Küche auf 61 Quadratmetern, ein Empfangsbereich für den Hotelbetrieb und ein großer Parkplatz. Zum Gasthaus gehören außerdem 13 Hotelzimmer.
Alte Fotos gesucht
Der Bräuhof gehört den Bürgern“, sagt Wallersdorfs Bürgermeister Franz Aster. Dass sich die Bürger dort wohlfühlen, liege in seiner Verantwortung, ist sich der neue Pächter Christopher Zechner bewusst. Um diese Rolle des Bräuhofs für die Gemeinschaft zu spiegeln, hat der neue Wirt eine Idee für die Dekoration der Schwemme und des Saals: Zechner möchte den Bräuhof gerne mit historischen Fotos dekorieren, die Szenen aus den verschiedenen Ortsteilen Wallersdorfs zeigen. Wer solche Fotos hat, darf sich gerne bei ihm melden. Zechner ist erreichbar unter der Telefonnummer 015123819773 oder per E-Mail an info.braeuhofwallersdorf@gmail.com










