Italienisches Menü

Wenn der Chef der Landauer Caritas den Kochlöffel schwingt

Im Tageszentrum Frohsinn hat Martin Hohenberger, geschäftsführender Vorstand der Kreiscaritas Landau, zum Kochlöffel gegriffen und mit Besuchern, Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen italienisch gekocht.

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Bereits zu Beginn gab es einen großen Applaus für Martin Hohenberger (stehend).

Bereits zu Beginn gab es einen großen Applaus für Martin Hohenberger (stehend).

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Von Redaktion Landau

Manchmal zeigt sich der Kern sozialer Arbeit nicht in einem Gespräch, einer Sitzung oder einem Konzept, sondern in einer Küche, in der gemeinsam geschnippelt, gelacht, probiert und gekocht wird. Genau so war es im Tageszentrum Frohsinn, als Martin Hohenberger, geschäftsführender Vorstand der Kreiscaritas Landau, selbst zum Kochlöffel griff und gemeinsam mit Besuchern, Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen einen italienischen Mittagstisch auf die Beine stellte. Das teilt die Caritas mit.

Für knapp 30 Besucher und Mitarbeitende des Verbandes entstand ein besonderes Menü. Doch während in der Küche die einzelnen Zutaten zusammenkamen, entstand auch etwas anderes: ein gemeinsames Erlebnis, an dem jeder mitwirken konnte.

Martin Hohenberger kochte fleißig.
Martin Hohenberger kochte fleißig.
Martin Hohenberger kochte fleißig.
Die Ehrenamtlichen unterstützten ihn.
Die Ehrenamtlichen unterstützten ihn.
Die Ehrenamtlichen unterstützten ihn.

Hohenberger kochte dabei nicht einfach für die Besucher des Tageszentrums. Er entschied sich, wie er erzählte, bewusst dafür, dorthin zu gehen, wo Caritas konkret erlebt wird - mitten in den Alltag, mitten zu den Menschen und mitten in die Gemeinschaft. „Für mich gehört es zu meiner Verantwortung als geschäftsführender Vorstand, nicht nur Entscheidungen zu treffen, sondern auch persönlich dort präsent zu sein, wo unsere Arbeit bei den Menschen ankommt. Dieser Tag war mir deshalb ein echtes Anliegen. Gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern zu kochen, mit anzupacken und am Ende miteinander am Tisch zu sitzen, zeigt für mich sehr unmittelbar, wofür Caritas steht: füreinander da sein, miteinander gestalten und niemanden außen vor lassen. Dass dabei so viel Freude und Gemeinschaft entstanden ist, war für mich persönlich etwas ganz Besonderes“, sagt Hohenberger.

Selbstbestimmung und Eigeninitiative

Als niedrigschwellige Einrichtung zur Förderung der seelischen Gesundheit soll das Tageszentrum Frohsinn Menschen mit psychischen Erkrankungen einen Ort für Tagesstruktur, Begegnung, Aktivität und soziale Kontakte. Ziel ist es unter anderem, Selbstbestimmung, Eigeninitiative und Handlungskompetenzen zu stärken und positive Erfahrungen im Alltag zu ermöglichen.

Das geschieht nicht nur in Gesprächen oder durch fachliche Unterstützung. Es geschieht auch im gemeinsamen Tun. Beim Kochen kann jemand Gemüse schneiden, eine andere Person den Tisch decken, jemand anderes abschmecken oder einfach dabei sein und sich einbringen. Fähigkeiten werden sichtbar, Verantwortung wird übernommen und aus einzelnen Menschen wird für einen Moment eine Gemeinschaft, die gemeinsam etwas entstehen lässt.

Gerade diese niedrigschwelligen Möglichkeiten seien für die Arbeit des Tageszentrums von großer Bedeutung. Sie sollen medizinische und therapeutische Hilfen sein, um einen alltagsnahen Raum, in dem Menschen ohne große Zugangshürden soziale Kontakte pflegen, Struktur erleben und sich als zugehörig erfahren können.

Unterstützung erhielt Hohenberger von Besuchern, Mitarbeitenden sowie den beiden Ehrenamtlichen Andrea und Hans Reindlmeier, die ihre Freizeit zur Verfügung stellten und gemeinsam mit allen Beteiligten in der Küche anpackten. Es ging nicht darum, wer welche Aufgabe hat oder wer besonders gut kochen kann. Entscheidend war, dass alle etwas beitragen konnten und gemeinsam an einem Ergebnis arbeiteten. Auch für Stephanie Friedberger, Stellenleitung des Tageszentrums Frohsinn, war dieser gemeinsame Tag deshalb etwas Besonderes: „Ich bin Martin sehr dankbar, dass er sich die Zeit genommen und diesen Tag so persönlich mit uns gestaltet hat.

Es war unglaublich wertvoll und gleichzeitig sehr lustig. Besucherinnen und Besucher, Mitarbeitende und Ehrenamtliche haben gemeinsam angepackt, und man konnte richtig spüren, wie viel Freude dabei entstanden ist. Am Ende haben wir nicht nur ein wunderbares Essen miteinander geteilt, sondern vor allem einen Tag, an dem Gemeinschaft, Zugehörigkeit und gegenseitige Wertschätzung ganz selbstverständlich gelebt wurden.“ Gerade für Menschen, die durch eine psychische Erkrankung zeitweise aus sozialen Zusammenhängen herausfallen können, seien solche Erfahrungen wertvoll. Sich einbringen zu können, gebraucht zu werden, gemeinsam zu lachen und am Ende mit anderen am Tisch zu sitzen - all das seien kleine Erfahrungen von Selbstwirksamkeit und Zugehörigkeit.

Im kommenden Jahr feiert der Kreiscaritasverband Landau sein 50-jähriges Bestehen, gleichzeitig steht für das Tageszentrum Frohsinn das zehnjährige Jubiläum an. Die Themen Essen, gemeinsames Kochen und Begegnung sollen rund um beide Jubiläen eine Rolle spielen. Der italienische Kochtag war damit nicht nur eine Aktion für die Besucher, sondern auch eine erste kleine Generalübung für die größeren Ereignisse, die im Jubiläumsjahr bevorstehen.

„Das machst du jetzt aber schon jede Woche einmal“

Wie gut diese Generalübung ankam, zeigte sich schließlich ganz unmittelbar. Eine Besucherin zeigte sich vom gemeinsamen Kochen und Essen so begeistert, dass sie Hohenberger zum Abschluss kurzerhand fragte: „Das machst du jetzt aber schon jede Woche einmal, oder?“ Ganz so häufig wollte sich der geschäftsführende Vorstand dann doch nicht verpflichten. „Einmal im Jahr werde ich mich aber auf jeden Fall dazu hinreißen lassen, wieder den Kochlöffel oder vielleicht auch einmal die Grillzange zu zücken“, versprach er mit einem Augenzwinkern.

Rund um die Themen Kochen, Essen und Begegnung arbeitet der Kreiscaritasverband derzeit an zwei weiteren Projekten. Im Herbst sollen die Vorhaben erstmals öffentlich vorgestellt werden. Der Kochlöffel wurde an diesem Tag damit zu einem Symbol: Caritas finde nicht nur dort statt, wo Hilfe organisiert wird. Caritas finde dort statt, wo Menschen einander begegnen, Verantwortung übernehmen, miteinander gestalten und sich als Teil einer Gemeinschaft erleben. Und manchmal braucht es dafür tatsächlich nicht mehr als eine Küche, einen großen Topf, gute Zutaten und Menschen, die bereit sind, gemeinsam etwas daraus zu machen.

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