Tunzenberg

"Dicht & Ergreifend"-Auftritt mache Angst, kritisiert ehemaliger Schlossherr

Beim Dingfest hat die Hip-Hop-Combo dem neuen Eigentümer des Tunzenberger Schlosses vorgeworfen, er wolle das dortige Kreativzentrum zerstören. Der vorherige Eigentümer bemüht sich um Einigung - und warnt.

Die ehemalige Brauerei am Schloss Tunzenberg, in der der Verein Kulturbrauerei Bandräume und eine Töpferwerkstatt unterhält.

Die ehemalige Brauerei am Schloss Tunzenberg, in der der Verein Kulturbrauerei Bandräume und eine Töpferwerkstatt unterhält.

Die Rapper von "Dicht & Ergreifend" haben am Montagabend ihre Reichweite beim Dingfest am Dingolfinger Stadtplatz genutzt und vor Hunderten Fans auf ihre Befürchtung hingewiesen, ihre "musikalische Heimat" würde zerstört. Das ist: Die ehemalige Brauerei in Tunzenberg (Landkreis Dingolfing-Landau) am dortigen Schloss, in der sich seit zehn Jahren Kreative und Bands ausleben.

Die "Dichtis" zeichneten dabei den Gemüse-Unternehmer Franz Ammer, der seit 1. April neuer Eigentümer von Schloss, Brauerei und zugehöriger Festwiese ist, als herablassend und Profit-orientiert. Die Hiphopper nennen ihn einen „Gurken-König“ und lassen einen TV-Clip einspielen, in dem Ammer eine Bezahlung von „sechs, sieben Euro“ für Erntehelfer rechtfertigt. Zudem zeigen sie drei mutmaßliche Zitate Ammers, angesichts derer im Publikum Fassungslosigkeit herrscht. Demnach soll er gesagt haben, das sei jetzt „sein Tunzenberg“, der Verein solle „kuschen“, spricht von einer „Drecks-Kulturbrauerei“. Ammer wurde in Abwesenheit ausgebuht, vereinzelt waren aus dem Publikum "Raus die Sau"-Rufe zu hören.

Nun meldet sich der vormalige Eigentümer des Schlosses zu Wort, Alfons Aigner. Er sei zwar war nicht beim Konzert von „dicht & ergreifend“ beim Dingfest am Dingolfinger Stadtplatz gewesen. Allerdings habe er ein Video des Statements zu Franz Ammer gesehen. Hier sein Statement, das Aigner am späten Mittwochabend an die Redaktion gesendet hat.

„Als Eigentümer – immerhin 28 Jahre lang – von Schloss Tunzenberg war ich immer stolz, wenn ich sagen konnte, die Band ‚dicht & ergreifend‘ hat ihre Wurzeln in Tunzenberg", schreibt Aigner. Dennoch kritisiert er die Hip-Hopper angesichts ihrer Aktion vom Montag:

"Darf man aber Kunst missbrauchen, um Menschen zu denunzieren, weil man anderer Meinung ist, weil man in einer Sache nicht weiterkommt, weil es keine gemeinsame Kommunikationsebene gibt?" Aigner habe sich "fremdgeschämt", als er das Video gesehen und gehört habe. 

Darüberhinaus schreibt er: "Es macht Angst, wenn Popularität Massen mit subjektiven Darstellungen mobilisieren und manipulieren will und kann, wie die Publikumsreaktion gezeigt hat."

Er habe Franz Ammer als "tüchtigen und zuverlässigen Geschäftsmann und liebevollen Familienmenschen" kennengelernt. Zwar finde Ammer "nicht immer die richtigen Worte" und drücke sich "zuweilen auch grob" aus. Dennoch: "Ich war bei zwei Gesprächen zwischen Franz Ammer und der Kulturbrauerei mit dabei", schreibt Aigner. "Franz Ammer ist sicher nicht menschenverachtend."

Der ehemalige Schlossherr sieht Hoffnung auf Einigung. So schreibt er Ammer "eine hohe Selbstreflexion" zu. Das sei eine große Chance für die Menschen, die "in diesem wunderbaren Ort Tunzenberg zusammen leben möchten".

Kunst und Kapital seien keine Gegensätze, sie bedingten sich seit jeher. "Kunst ist Vielfalt und fordert Toleranz und Akzeptanz, eingebettet in einem Rahmen, von gesetzlichen Vorschriften, Bürokratie und Verantwortung, was wiederum Akzeptanz und Verstehen bedeutet", meint Aigner. Darum richtet er seinerseits einen Appell an beide Seiten:

Mein Wunsch wäre ein friedvolles, lebendiges von Visionen getragenes Tunzenberg, in gegenseitigem Respekt und Toleranz. Bitte gebt Euch die Chance."

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