Rotes Kreuz in Cham
Spatenstich für neues Katastrophenschutz-Gebäude in Cham

Frank Betthausen, BRK
Los geht’s! 20 Spaten stehen am Freitag für die Verantwortlichen und die Ehrengäste bereit, die mit dem symbolischen Akt den Startschuss für die Bauarbeiten in der Tiergartenstraße geben.

BRK-Katastrophenschutzleiter Tobias Muhr sprach von „einem Tag, auf den wir wirklich hingefiebert haben“: Nach einer langen, anspruchsvollen Planungs- und Finanzierungsphase hat am Freitag in der Tiergartenstraße in Cham mit dem symbolischen Spatenstich der Bau einer neuen Katastrophenschutzhalle begonnen. Das 45 Meter lange und 14 Meter breite Gebäude - BRK-Kreisvorsitzender Theo Zellner bezeichnete es als „zentrales Bindeglied zwischen Haupt- und Ehrenamt“ - wird nicht ganz eine Million Euro kosten und Platz für neun Großfahrzeuge bieten. Wie aus einer Pressemitteilung des BRK hervorgeht, ist der Bezug im September geplant. Im Anschluss sollen die Außenanlagen fertiggestellt werden.
Hochwasser, Bombenfund, Pandemie ...
Bei der Feierstunde, an der die Chamer Rot-Kreuz-Familie genauso teilnahm wie die lokale Politik-Prominenz und Vertreter der Baufirmen, bezeichnete Zellner das Vorhaben als eine Investition, „die in erster Linie den Menschen zugutekommt und die Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeiter verbessern soll“. Egal, ob es Hochwasserlagen seien, Evakuierungen, die Pandemie oder die momentane Weltlage: Der Bevölkerungsschutz spiele eine immer größere Rolle. Eine Antwort darauf sei der Bau der neuen Katastrophenschutzhalle, die nach Jahren gleichzeitig die Vollendung des Rettungszentrums in Cham bedeute.
Der Spatenstich beende eine aufgabenreiche Zeit, in der Tobias Muhr so etwas wie der Spiritus rector (lateinisch für „lenkender, belebender Geist“) gewesen sei. „Was Du in den letzten Monaten für dieses Gewerk getan hast, verdient größten Respekt“, befand Zellner. Der Altlandrat zielte damit vor allem auf die von dem Katastrophenschutzleiter initiierte Kampagne ab, bei der regionale Unternehmer Patenschaften abschließen konnten, um das Rote Kreuz beim Ausbau seines Hilfsnetzwerks zu unterstützen. Der Kreisvorsitzende vergaß dabei nicht, neben den Spendern aus der Wirtschaft der Stadt und dem Landkreis Cham für entsprechende Zuschüsse zu danken. Die Zuwendungen ordnete Zellner „als extrem wertvoll“ ein - gerade vor dem Hintergrund, dass Bund und Land zwar die Fahrzeuge vor Ort finanzierten, die Infrastruktur aber vom BRK selbst geschultert werden müsse.
Landrat Franz Löffler dankte dem Roten Kreuz dafür, dass es mit dem neuen Bauwerk in herausfordernden Zeiten Verantwortung übernehme. Wie sein Vorredner nannte er die Corona-Pandemie, Naturereignisse und Bombenfunde als Einsatz-Szenarien. „Für diese Fälle müssen wir gerüstet sein“, hielt das Landkreis-Oberhaupt fest, ging aber noch einen Schritt weiter. „Das, was uns geopolitisch derzeit alles widerfährt, hat noch einmal eine ganz andere Dimension.“ Den Landkreis sah er in Katastrophenschutzfragen „in seiner Gesamtheit als gut aufgestellt und vorbereitet“ an - „dank des klugen Vorausschauens guter, guter Kräfte“. Chams Bürgermeister Martin Stoiber bezeichnete das Bauprojekt in der Tiergartenstraße als „ein sehr großes, wichtiges“. „Ihr seid als BRK-Familie zu jeder Zeit da - 365 Tage rund um die Uhr. Das ist nicht selbstverständlich“, betonte der Lokalpolitiker.
Und der Strom wird direkt vor Ort erzeugt
Matthias Altmann vom gleichnamigen Ingenieurbüro in Cham, das als Generalplaner fungiert, stellte die Baupläne im Detail vor. Dabei machte er keinen Hehl daraus, dass der Baugrund oberhalb der vor rund zwei Jahren eröffneten BRK-Rettungswache ein schwieriger sei. Nicht nur wegen der starken Hanglage, sondern auch, weil der Boden in Teilbereichen schlecht tragfähig sei. Gleichzeitig bringe der Standort, an dem so gut wie keine neue Fläche versiegelt werde, klare bautechnische Vorteile und Synergie-Effekte mit sich - insbesondere, weil die vorhandene Infrastruktur genutzt werden könne. So bekomme das neue Gebäude keine eigene Heizungsanlage, sondern werde über Nahwärme an die bestehende Wache angeschlossen. Deren Luftwärmepumpen seien damals so dimensioniert worden, dass die Versorgung problemlos sichergestellt werden könne. Der notwendige Strom werde direkt vor Ort erzeugt und in Teilen über die Photovoltaik-Anlage des ersten Bauwerks gewonnen. Der zusätzliche Bedarf werde über eine weitere Installation auf dem Pultdach der neuen Halle gedeckt. „Das BRK setzt hier am Standort konsequent auf regenerative Energien“, betonte Altmann.
Die neun Stellplätze - die Ausführung aller Bauleistungen erfolgt über die Firma Althammer als Generalunternehmer - seien großzügig dimensioniert, erläuterte er weiter. Bei der Planung sei berücksichtigt worden, dass die Fahrzeuge im Katastrophenschutz tendenziell größer würden.
Tobias Muhr bedankte sich in seiner kurzen Rede beim BRK-Kreisvorstand für den Baubeschluss. „Wir haben viel diskutiert und oft beisammengesessen“, erinnerte er sich an die intensive Vorbereitungszeit. Das BRK, verdeutlichte er, bleibe „natürlich weiter dezentral“ aufgestellt und halte im Landkreis an diversen Außenstandorten wichtige Katastrophenschutz-Fahrzeuge vor. Trotzdem sei das Vorhaben für Cham die beste Entscheidung. „Mein Traum, dass Haupt- und Ehrenamt hier - mit Wasserwacht, Bergwacht und den Bereitschaften - an einem Standort eine gemeinsame Heimat finden, wird heute wahr“, freute er sich.








